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Donnergott vs. grünes Monster

1. November 2017

Taika Waititi, der Mann, der uns kleine wunderschöne Perlen wie „5 Zimmer Küche Sarg“ und „Hunt For The Wilder People“ geschenkt hat, wäre jetzt vielleicht nicht unbedingt meine erste Wahl für einen Marvel-Film gewesen. Aber ich bin ja auch nicht Kevin Feige (sonst hätte ich auch gar keine Zeit mehr für diesen Blog)… und Feige hat ja ein Näschen dafür, etwas andere Regisseure für seine Projekte zu finden. Gut, jetzt kenne ich einige, die das alles öde finden, weil selbst den interessantesten Regisseuren die Marvel-Formel aufgedrückt wird – und ja, das mag wohl bei einigen Filmen auch so stimmen. Immerhin ist die Marvel-Formel nicht mehr wegzudenken. Aber nachdem ich jetzt „Thor 3 – Tag der Entscheidung“ (sperriger Titel, wenn man sich das Original „Thor: Ragnarok“ anschaut) gesehen habe, muss ich doch sagen, dass man in diesem Marvel-Film den Waititi voll und ganz spürt. In so ziemlich jeder Szene – bleibt nur die Frage, ob das für Thor so gut ist…

Asgard wird angegriffen – von der Göttin des Todes Hela (Cate Blanchett). Die verbannte Schwester von Thor (Chris Hemsworth) und Loki (Tom Hiddleston) will Asgard und den Thron. Doch bevor unser Lieblingsdonnergott das verhindern kann, wird er bei der Reise nach Asgard durch ein blödes Versehen quer durchs All geschleudert und landet auf dem Planeten des Grandmasters (Jeff Goldblum). Der lässt Thor in einer Arena gegen seinen Champion antreten – der aber ein alter Bekannter von Thor ist: nämlich Hulk (Mark Ruffalo). Gemeinsam mit ihm schmiedet Thor einen Plan, um von diesem Planeten zu entkommen und seine Welt zu retten.

Hulk talk feelings…

Ich muss das gleich zum Anfang loswerden: Alle Led-Zeppelin-Fans dürfen sich freuen. Der „Immigrant Song“, der ja schon den ersten Trailer extrem aufgewertet hat, taucht im Film gleich zweimal auf, in zwei extrem coolen und passenden Szenen und kommt daher nicht zu kurz. Es ist ja schon schwer genug, Led Zeppelin überhaupt dazu zu kriegen, die Rechte für ihre Songs abzutreten – da muss das dann auch ordentlich genutzt werden, was Taika Waititi auch gut macht. Musikalisch bleibt „Thor 3“ dann (zum Glück) hinter meinen Erwartungen zurück. Warum zum Glück? Nach all dem 80ies Feeling der Trailer hatte ich schon damit gerechnet, so einen „Guardians Of The Galaxy“-Soundtrack zu bekommen, aber „Thor 3“ bleibt da instrumentaler – erinnert aber an einigen Stellen musikalisch gesehen sehr an „Stranger Things“.

Aber gut, wir gehen ja nicht wegen der Musik zu Marvel, sondern wegen der Helden – und auch ein bisschen wegen Taika Waititi (zumindest bei „Thor 3“). „Thor 3“ ist anderes Marvel-Kino – und das fand ich sehr erfrischend. Das hat auch gut zu Thor selbst gepasst. Taika Waititi macht einen sehr selbstironischen, witzigen Film aus dem dritten Abenteuer des Donnergotts. Ich mochte das wirklich sehr. Waititi schleudert Thor in eine andere Welt und hat somit die Möglichkeit, Thor aus seiner Komfortzone zu holen. Dadurch fühlt sich dieser Thor (mal abgesehen vom neuen Kurzhaar-Look) erfrischend anders an. Chris Hemsworth bekommt die Chance einfach mal ein bisschen mehr mit diesem Charakter zu spielen – ohne dabei vernachlässigen zu müssen, dass wir es immer noch mit dem mächtigen Donnergott zu tun haben.

„Thor 3: Tag der Entscheidung“ ist aber auch ein echter Waititi (mit einer großartigen Performance des Regisseurs als Steingladiator Korg): Der Humor stimmt hier einfach und ist absolut auf den Punkt gebracht. Dadurch wirken zwar manchmal die etwas ernsteren Szenen etwas fehl am Platz. Da wird die ganze Zeit gescherzt, aber am Ende geht es trotzdem noch um Ragnarök – den Weltuntergang. Aber das kann man verschmerzen, weil Humor und Action funktionieren bei Waititi einfach wirklich gut zusammen. Und genau das hat Thor gebraucht.

Dazu kommt endlich mal eine richtige coole Hulk-Story – die leicht abgewandelte „Planet Hulk“-Story funktioniert mit Thor als wunderbare Buddy-Komödie, in der Mark Ruffalo den besten Hulk überhaupt abgibt. Ich finde immer noch, dass Marvel diesem Mann dringend einen eigenen Film schenken sollte. Großartig ist natürlich auch wieder Tom Hiddleston, aber der Mann kann ja auch nichts falsch machen. Jeff Goldblum ist in diesem Film einfach Jeff Goldblum – ich wette, in Wirklichkeit nennt er sich wirklich Grandmaster und würde auf einem fremden Planeten genau das machen, was er in diesem Film macht. Tessa Thompson fand ich als Valkyrie ebenfalls ziemlich gut, obwohl ich die ganze Debatte, dass der Charakter bi-sexuell ist, wieder mal vollkommen fehl am Platze finde. Ja, in den Comics ist sie es, im Film merkt man davon einfach mal gar nichts. Also hätte Madam Thompson sich das Kommentar auch sparen können.

Kommen wir abschließend kurz zu dem, was bei Marvel nicht immer so gut funktioniert: Der Bösewicht! Dieses Mal haben wir ja das erste Mal eine Dame – und ja, was soll ich sagen? Ich fand Cate Blanchett großartig. Sie war schnippisch, zynisch, sexy, eiskalt und ohne Skrupel. Die perfekte Göttin des Todes. Ich mochte sie wirklich, aber… und hier kommt leider ein kleines „Aber“, ich hätte gern noch mehr von ihr gesehen.

„Thor 3 – Tag der Entscheidung“ macht Spaß, auch wenn er dem einen oder anderen vielleicht etwas zu klamaukig sein dürfte, aber das ist halt Taika Waititi und es macht einfach Spaß. Beachten: Es gibt zwei Szenen im Abspann.

Jetzt fehlt nur noch „Black Panther“ und dann kann der „Infinity War“ endlich losgehen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Taika Waititi zieht sein Ding durch und liefert ein amüsantes, rasantes Action-Spektakel ab)

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2 Kommentare leave one →
  1. 1. November 2017 15:29

    Jepp, kann mich nur anschließen: Fand den wirklich unterhaltsam. Vielleicht etwas weniger Sakaar und dafür etwas mehr Hela und er wäre nahezu perfekt gewesen.
    Zudem ist Thor mit seinem ausgeprägten Worldbuilding für mich der einzige im MCU, dem ich den Standalone-Charakter des Films nicht krummnehmen kann/will. Genau das wollte ich nämlich.

    • donpozuelo permalink*
      2. November 2017 20:22

      Danke! Ja, das World Building mag ich an Thor auch am meisten. Das hat ihn für mich auch immer zu einem Liebling der Solo-Filme gemacht, weil man hier tatsächlich mal ausbrechen konnte aus der „normalen“ Welt.

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