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Neuseeland-Haikus

30. Oktober 2017

Es geht weiter mit meinem kleinen Taiki-Waititi-Marathon zum Start von „Thor 3“. Allerdings wird dieser Marathon nur aus zwei Filmen bestehen, da seine beiden vorangegangenen Filme „Boy“ und „Eagle vs. Shark“ auf keiner der mir zugänglichen Online-Film-Stream-Seiten zugänglich waren. Von daher springe ich nur von einem bekannten Waititi-Film zum nächsten, sprich: ich komme von der Vampir-Komödie „5 Zimmer Küche Sarg“ direkt zu „Hunt for the Wilderpeople“, ein Film, von dem ich zumindest so schon mal gehört hatte – und vor allem auch mitbekommen hatte, wie sehr der gefeiert wurde. Netflix hatte ihn, also warum dann nicht auch noch auf die Jagd gehen mit Waititi.

Ricky Baker (Julian Dennison) ist ein kleiner, jugendlicher Querulant, dessen Mutter ihn bereits früh zur Adoption freigegeben hat. Doch Ricky ist schwer vermittelbar, auch wenn sich Paula (Rachel House) von der Kinderfürsorge viel Mühe gibt. Dann endlich findet Ricky auf der Farm von Bella (Rima Te Wiata) und ihrem grummeligen Mann Hector (Sam Neill) ein Zuhause, in dem es ihm dank Bella auch schon bald wirklich gut geht. Doch dann stirbt Bella und die Fürsorge will Ricky wieder zurückholen. Der täuscht seinen Tod vor (und brennt dabei die Scheune nieder) und läuft davon. Zum Glück hat Hector ihn bald gefunden und gemeinsam verstecken die beiden sich in den Wäldern Neuseelands, wo sie schon bald von der Paula und – interessanterweise – der Armee gesucht und gejagt werden.

Skux life

„Hunt for the Wilderpeople“ hat mich von Anfang an absolut begeistert… das lag an der witzigen und rührenden Geschichte, den tollen Darstellern – auf das ich alles noch zu sprechen komme, zum großen Teil lag es aber auch daran, dass sich dieser Film anfühlte, als hätte Wes Anderson ihn gedreht. Das kommt nicht von ungefähr – die verschrobenen Charaktere, die Musik, teilweise selbst der Schnitt und der vor allem der Humor erinnerte mich in diesem Film schon sehr an Anderson. „Moonrise Kingdom“, um ganz genau zu sein, der ja auch die Flucht und die Jagd zum Thema hat. Das hat mich auf jeden Fall gleich noch sehr viel mehr an diesen Film gefesselt – ohne dass ich jetzt so dumme Sprüche raushauen möchte wie: „Taika Waititi ist der neuseeländische Wes Anderson!“ Waititi hat da schon auch seinen eigenen Stil, aber ein bisschen Anderson steckt in diesem Film auf jeden Fall drin.

Doch kehren wir zurück zum Anfang. „Hunt for the Wilderpeople“ (oder wie er auf deutsch heißt: „Wo die wilden Menschen jagen“, was nicht wirklich Sinn ergibt, außer man möchte den Film mit „Wo die wilden Kerle leben“ in Verbindung bringen, was auch nicht wirklich Sinn ergibt) ist ein großartiger Film, ein Film, in den man sich einfach nur verlieben muss. Das liegt in erster Linie an dem jungen Julien Dennison und Sam Neill. Dennisons Ricky Baker ist einfach nur cool – ein kleiner Möchtegern-Gangster, der auf eine wilde Reise geht, um zu sich selbst zu finden. „Hunt for the Wilderpeople“ ist seine Coming-Of-Age-Geschichte. Es ist sein „Stand By Me“ – nur halt in schräg, absurd und witzig. Witzig, weil Dennison einfach so schön schrullig spielt – der kleine dicke Junge, der die ganze Jagd anfangs mehr als eine Art Abenteuer ansieht und dann mit seinen Aufgaben wächst. Absurd, weil halt irgendwann einfach die Armee hinter ihm her ist. Schräg, weil dieser Film so merkwürdig-kultige Dialoge abliefert wie den zwischen Paula und Ricky, in dem sie sich mit dem Terminator vergleicht und Ricky als Sarah Connor bezeichnet, aber die Sarah Connor aus dem ersten Teil, die noch nicht wirklich wusste, was Sache ist. Julien Dennison ist einfach nur großartig – ohne ihn wäre „Hunt for the Wilderpeople“ nicht ansatzweise so gut – egal, wie viele Running Gags und merkwürdige Typen Waititi in diesem Film vom Stapel lässt.

Dazu kommt ein umwerfend grummeliger Brummbär namens Sam Neill, der ebenfalls so etwas wie eine Coming-Of-Age-Geschichte bekommt, auch wenn man das bei alten, grummeligen Typen, die zur Einsicht kommen, dass es im Leben noch mehr gibt als nur sie, ja nicht unbedingt so nennt. Zusammen sind Neill und Dennison einfach nur unschlagbar und machen aus diesem kleinen Abenteuer-Trip einen wirklich rührenden Film.

Waititi balanciert gekonnt komische mit anrührenden Szenen, behält einfach immer die Waage zwischen Tragik und Komik. „Hunt for the Wilderpeople“ ist wohl das, was man wirklich bestens als „Feel-Good-Movie“ bezeichnen könnte. Diesen Film kann man sich immer wieder anschauen und er wird wahrscheinlich einfach nicht langweilig werden. Die Schönheit der neuseeländischen Natur in Verbindung mit einer wunderschönen und ruhig erzählten Geschichte mit tollen Charakteren ist Unterhaltung pur.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein wunderschöner Film, der an Wes Anderson erinnert, aber dennoch vollkommen Waititi ist)

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5 Kommentare leave one →
  1. 30. Oktober 2017 12:10

    Oh, ich liebe diesen Film. Der ist ja seit einiger Zeit auf Netflix zu sehen, aber Kino war natürlich besser 🙂

    • donpozuelo permalink*
      30. Oktober 2017 17:29

      Klar, jeder Fim ist im Kino irgendwie schöner. Aber ich hab’s halt nur auf Netflix geschafft. Aber ein toller Film würde wohl auch noch auf dem Telefon gut funktionieren 😀

      Ich fand den Film aber auch sehr toll und werde den sicherlich noch öfter schauen.

  2. 31. Oktober 2017 11:20

    Ah – da ist das Ding 🙂 Ja, superschöner Film, in Deutschland lief er Anfang des Jahres auf den Fantasy Filmfest Nights. Auch wenn er da vielleicht nicht richtig hingepasst hat, war der Film ein absolutes Highlight.

    • donpozuelo permalink*
      31. Oktober 2017 20:09

      Fantasy Filmfest Nights… und dann dieser Film? Das passt wirklich nicht so ganz zusammen. Aber egal. Hauptsache im Kino gesehen 😀

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  1. Donnergott vs. grünes Monster | Going To The Movies

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