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Vampir-WG

27. Oktober 2017

Kevin Feige lässt für die Marvel-Filme ja immer die unterschiedlichsten Regisseure vor die Kamera. Regisseure, von denen man nicht unbedingt meinen möchte, sie wären gemacht für die große Superhelden-Maschinerie, in der Millionen von Dollar ausgegeben werden, damit Typen in Kostümen vor Green Screen durch die Luft fliegen. Das ging in Phase 1 los, als ein Shakespeare-Regisseur namens Kenneth Branagh das erste Thor-Abenteuer drehte, das geht bis heute weiter, wenn ein Horror-Regisseur einen Marvel-Zauberer zum Leben erweckt oder demnächst ein mir unbekannter neuseeländischer Regisseur „Thor 3“ in die Kinos bringt. Ich muss ja gestehen, ich musste schmunzeln, als ich das erste Mal den Namen Taika Waititi hörte – ja, ich bin noch infantil genug, um das Titi am Ende des Namens schmunzeln zu können (und nein, so richtig tut es mir nicht Leid, aber ich hoffe, ihr könnt mir das trotzdem verzeihen). Doch bevor ich „Thor 3“ gucken gehen würde, wollte ich wissen, wer dieser Waititi ist. Und ein sehr beliebter Film von ihm scheint „5 Zimmer Küche Sarg“ zu sein.

Ein Kamera-Team dreht eine Dokumentation in einer Vampir-WG. Da hätten wir den quirligen Dandy Viago (Taika Waititi selbst), den alten, adligen Vladislav (Jemaine Clement), den jüngsten, Deacon (Jonathan Brugh) und Petyr (Ben Fransham), der sehr stark an Grafen aus „Nosferatu“ erinnert – eine WG, nicht ohne Schwierigkeiten, wie es ja in WGs so üblich ist. Doch dann kommen auch noch Probleme mit Menschen dazu, Werwölfen und womit man sonst so als Vampir in der modernen Zeit konfrontiert wird.

Gruppenfoto mit Biss

Ich mag Mockumentaries – und Taika Waititi hat mit „5 Zimmer Küche Sarg“ definitiv eine sehr sehenswerte gedreht. Jedes Vampir-Klischee wird auf liebevolle Art und Weise aufs Korn genommen. Das Schöne an dem Film ist, wie diese Klischees als normale Alltagsprobleme dargestellt werden: Zum Beispiel, wenn die mal in den Club gehen wollen, aber nur reinkönnen, wenn sie tatsächlich jemand einlädt, einzutreten. Oder wenn es so ein Problem damit gibt, das passende Outfit zu finden, weil man sich ja als Vampir selbst nicht im Spiegel sehen kann. Oder wie man eben versucht, Nahrung zu finden, ohne dabei die Wohnung zu versauen. „5 Zimmer Küche Sarg“ präsentiert uns den Vampir als ganz normalen… naja, Menschen kann man ja nicht sagen, aber eigentlich genau all das.

Das funktioniert, weil die Darsteller allesamt wirklich gut miteinander harmonieren und diese fast schon kindliche Naivität an den Tag legen, wenn es um Neuerungen geht. Ich habe mich zum Beispiel halb kaputt gelacht, als die das erste Mal Internet bekommen und sich auf youTube einen Sonnenuntergang anschauen. Der Humor ist zwar an manchen Stellen etwas eigen, aber durchweg sehr sympathisch. Aber wie gesagt, eben auch, weil die Darsteller so gut funktionieren. Taika Waitit als Schirmherr der WG ist einfach nur spitze, er hatte genau die passende Art für diesen Dandy-Vampir – ein bisschen schräg, liebenswert, eitel. Aber auch die anderen Darsteller passten wie – ja, wie Arsch auf Eimer.

Ich muss auch gestehen, dass ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht erwartet hätte, dass der Film so gut aussehen würde. Anfangs sehen die schwebenden Vampire ein bisschen albern aus. Als könnte man die Seile sehen, wenn man nur auf Pause drücken würde. Doch so mit der Zeit passt es zum Film, aber die Effekte an sich werden besser – und auch blutiger. Wie gesagt, ich weiß nicht, warum ich Low-Budget und simpel erwartet habe, aber „5 Zimmer Küche Sarg“ sieht wirklich gut aus. Oder manchmal auch einfach nur eklig – aber was so ein einziger Pommes bei einem Vampir ausmachen kann, ist schon ziemlich krass 😉

„5 Zimmer Küche Sarg“ ist ein herrlich alberner Film, aber dabei so konsequent und überdreht, dass man einfach nur Spaß damit haben muss. Es ist eine wunderbar absurde Vampir-Komödie, die gekonnt mit alten Klischees spielt und daraus trotzdem etwas Eigenes macht. Die Vampir-WG ist einfach nur kultig – und ja, ich bin jetzt tatsächlich ein bisschen gespannt darauf, was Mr. Waititi aus „Thor 3“ machen wird.

Wertung: 9 von 10 Punkten (jetzt wissen wir, warum Graf Dracula allein lebte)

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9 Kommentare leave one →
  1. 27. Oktober 2017 07:53

    Oh ja, ein herrlicher Film! Da habe ich gelacht, wie bei kaum einem zweiten Film in den letzten Jahren. Mochte ich sehr und finde es auch irgendwie schade, dass Waititi nun für das MCU verheizt wird.

    • donpozuelo permalink*
      27. Oktober 2017 09:57

      Naja… schauen wir mal, wie sehr sie ihn wirklich verheizen. Die Trailer lassen ja schon ein bisschen hoffen, dass der Waititi-Humor da seinen Weg rein gefunden hat.

  2. 27. Oktober 2017 12:01

    Hab den hier noch nicht gesehen, aber sein „Hunt For The Wilder People“ hat mir sehr gut gefallen. Schon wegen Sam Neill mit coolem Hut.

    • donpozuelo permalink*
      27. Oktober 2017 17:11

      „Hunt for the Wilder People“ fand ich großartig. Noch besser als den hier

    • 28. Oktober 2017 12:10

      Oh ja, der war fantastisch!

      • donpozuelo permalink*
        28. Oktober 2017 15:56

        Absolut. Hast du Hunt for the Wilder People schon gesehen?

        • 28. Oktober 2017 16:24

          Ja, den meinte ich 🙂 Den hier besprochenen Film kenne ich dagegen nicht. Und nach der Kritik: Noch nicht!

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