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Ein letzter Kampf

25. Oktober 2017

Als ich vor einiger Zeit mit der „Rocky“-Reihe angefangen habe, habe ich nicht sonderlich viel erwartet. Ich bin nicht der größte Sport-Film-Fan, weswegen ich „Rocky“ eigentlich auch nur geguckt habe, weil es so ein Film-Klassiker ist. Doch mit der Zeit wurde ich mehr und mehr Fan der Reihe – und selbst der von vielen verhasste „Rocky V“ hatte in meinen Augen viel Gutes (aber auch einiges, das einfach nicht mehr „Rocky“ war). Jetzt komme ich also zum letzten Teil, ein Film, der 16 Jahre nach „Rocky V“ entstand und den Stallone selbst nur gemacht hat, weil er sich für den fünften Teil schämte. Doch wie gut kann ein Film sein, der nach so langer Zeit versucht, einem großen Franchise ein Ende zu geben? Die Antwort: So gut, dass er für mich zum zweitbesten Film der Reihe zählt.

„Rocky Balboa“ zeigt uns einen gealterten Rocky (Sylvester Stallone): seine Frau Adrian (Talia Shire) ist gestorben, zu seinem Sohn Robert (Milo Ventimiglia) hat er kein gutes Verhältnis, den Box-Sport hat er an den Nagel gehängt und unterhält nur noch die Gäste in seinem kleinen Restaurant „Adrian’s“ mit Geschichten von damals. Während dessen hat der neue Box-Champion Mason Dixon (Antonio Tarver) ganz andere Probleme: Er wird nicht mehr ernst genommen und in einer Computer-Simulation eines Kampfes zwischen ihm und Rocky wird Rocky zum Sieger gewählt. Für Dixons PR-Leute ein gefundenes Fressen: ein richtiger Kampf zwischen Dixon und Rocky soll zeigen, wer der wahre Champion ist.

The Eye of the Tiger is still sparkling…

Stallone hat ja für das Spin-Off „Creed“ eine Oscar-Nominierung bekommen, doch meiner Meinung nach hätte er schon für „Rocky Balboa“ einen Preis verdient. Wow, ich war wirklich nicht auf diesen Film vorbereitet. Ein Film, der 16 Jahre nach dem eigentlichen Ende kommt und dennoch so perfekt das Gefühl von „Rocky“ einfängt, hätte ich nicht mehr für möglich gehalten. Aber man merkt irgendwie in jeder Szene, dass Stallone es noch einmal richtig machen wollte.

„Rocky Balboa“ ist so ein wunderschöner Abschieds- und Liebesbrief an „Rocky“ selbst. Allein für Talia Shire, die aus vertraglichen Gründen wohl nicht mehr mitmachen konnte, findet Stallone so viele kleine, sanfte Momente, um an ihre Adrian zu erinnern. Mit viel Liebe kehrt Stallone zu jedem wichtigen Ort des Originals zurück und würdigt jede ikonische Szene – besonders zu Beginn, wenn sich Rocky am Todestag seiner Frau an Begegnungen mit ihr erinnert, war einfach so rührend – und so großartig von Stallone gespielt.

Dass ist ja auch was, was ich so richtig erst durch „Creed“ gelernt habe: Hinter den ganzen Muskeln steckt doch ein verdammt guter Schauspieler und in „Rocky Balboa“ lässt Stallone das alles so richtig raus. Die ersten zwei Drittel des Films beschäftigt sich Stallone nur mit Rocky und seinen Sorgen: der altgewordene Boxer muss einen Weg finden, mit dem Alt-Werden klar zu kommen, mit gewissen Dingen abzuschließen und seinen Platz in dieser veränderten Welt zu finden. Ich mochte sehr die ganze Geschichte mit seinem Sohn, selbst Burt Young als Paulie war wunderbar. In diesem Film hatte ich tatsächlich das erste Mal Mitleid mit Paulie, der ja sonst immer ein echt ekliger Charakter war. Ganz besonders schön fand ich aber die Beziehung zwischen Rocky und Marie (Geraldine Hughes), die Rocky vor 30 Jahren als junges Mädchen in seinem Viertel getroffen hatte (und an die Szene aus dem ersten Teil konnte ich mich sogar noch gut erinnern). Das war von Stallone auch unglaublich rührend und sanft in Szene gesetzt, dieser Beginn einer Freundschaft, die für Rocky so wichtig ist. Unglaublich gut.

„Rocky Balboa“ ist mehr Drama als Boxer-Sport-Film, „Rocky Balboa“ ist mehr Hommage an „Rocky“ als alles andere – und das ist so gut gemacht. Doch irgendwann kommt in „Rocky Balboa“ auch das Kämpfen dran. Und dann ertönt der Rocky-Theme und die Trainingsmontage setzt ein und meine Gänsehaut bekam Gänsehaut. Nach dem ruhigen Aufbau verabschiedet sich Stallone dann mit einem riesigen Knall und einem letzten großen Kampf, Der mich dann, wie fast jeder Kampf (außer halt „Rocky V“), vollends mitgenommen hat. Es ist ein unglaubliches Phänomen dieser Filme, dass selbst ich den Fernseher anschreie und mitfiebere und dabei irgendwie vergesse, dass ich nur einen Film gucke. Der Kampf Dixon-Balboa war super. Die beiden schenken sich nichts und ähnlich wie im menschlichen Teil des Films muss Rocky auch im Kampf erst so richtig zu sich finden, bevor er zur Höchstform auffahren kann.

„Rocky Balboa“ ist für mich nach dem Original-Rocky der beste Film der Reihe. Und eigentlich reicht es, wenn man nur diese beiden Filme gesehen hat – aber es ist einfach schön zu sehen, dass Stallone es geschafft hat, seinem Baby so einen schönen Abschied zu geben. Das schafft auch nicht jeder.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein alter Rocky hat es immer noch drauf)

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