Zum Inhalt springen

Nie wieder ein Babysitter!

23. Oktober 2017

Es gehört ja zum guten Ton eines jeden Filmbloggers dazu, im Oktober vermehrt auf Horror-Filme zu setzen. Und das passt ja auch eigentlich: Draußen wird es kalt, dunkel und ungemütlich – perfekt, um sich mit ein oder zwei guten Horror-Filmen, die Zeit zu vertreiben. Problem ist nur: Finde mal erst mal einen guten Horror-Film. Ich habe meine Hoffnung mal wieder auf Netflix gesetzt und mir „The Babysitter“ angeschaut, der mir empfohlen wurde und der Trailer auch tatsächlich ziemlich witzig aussah. Nur witzige Trailer halten nicht immer, was sie versprechen – sonst wären sie ja auch nicht Trailer.

Cole (Judah Lewis) ist zwar schon 12, seine Eltern bestehen aber trotzdem noch auf einen Babysitter. Was zum Glück für Cole nicht so schlimm ist, denn seine Babysitterin Bee (Samara Weaving – ja, Hugo Weaving ist ihr Onkel) ist heiß. Und sie ist nicht nur heiß, sondern auch noch ein kleiner Nerd, die mit Cole alte Filme guckt und sich über Sci-Fi unterhält. Doch nachdem sie Cole ins Bett gebracht hat, tauchen ihre Freunde auf: Statt wilder Party wollen sie aber lieber ein Menschenopfer bringen, töten erst einen Neuling in der Gruppe, um dann Jagd auf Cole zu machen.

Babysitter-Avengers

Regisseur McG dürfte wohl den meisten wegen der „Charlies‘ Angels“-Filme oder „Terminator Salvation“ ein Begriff sein. Jetzt macht er also für Netflix eine Horror-Komödie und kommt damit leider überhaupt nicht klar. Was extrem schade ist, hat er doch coole Ansätze, die aber einfach im Sand versinken. So bekommt Cole zum Beispiel so kleine Einspieler oder Text-Tafeln, wenn ihn etwas begeistert oder umhaut – halt so ein bisschen wie in „Scott Pilgrim“. Nur weiß ein Edgar Wright wie man mit solchen Spielereien umgeht und McG überhaupt nicht (weswegen sie irgendwann einfach wegfallen und die, die da waren, nur noch merkwürdiger wirken). Aber gut, das hätte man noch verschmerzen können, wenn der Rest des Films gut gewesen wäre.

Der Anfang ist auch tatsächlich noch ganz okay, was vor allem daran liegt, dass Judah Lewis wirklich gut spielt und mit Samara Weaving wirklich gut funktioniert. Die beiden haben eine schöne Chemie und man kann es ihm nicht verübeln, dass er sich in diese Frau verliebt. Doch all das kippt dann ganz schnell und wir befinden uns in „The Babysitter“, der vermeintlichen Horror-Komödie. Die leider ziemlich vorhersehbar wird und sich in kleine, unspannende Episoden aufteilt, in denen jeder von Bees Freunden versucht, Cole zu fangen. Die werden dann so einer nach dem anderen abgefrühstückt – zwar auf blutige, aber irgendwie auch dämliche Art und Weise.

Was ich mich allerdings die ganze Zeit bei diesem Film gefragt habe, ist folgendes: Cole lebt in einer netten Straße voller schmucker Einfamilienhäuser. Es ist Freitag- oder Samstag-Abend und scheinbar ist die komplette Straße einfach mal leer gefegt. Da kommt zwischendurch die Polizei mit Sirenen, da wird Coles halber Keller von ihm in die Luft gesprengt, da rennt er lauthals schreiend durch den Garten – und kein Mensch hört ihn??? Nirgends geht auch nur mal ein Licht an? Und ganz ehrlich, jeder Horror-Film, der mich so zum Denken bringt, hat schon verloren. Das passiert leider in „The Babysitter“ sehr, sehr früh und hört dann auch einfach nicht mehr auf.

Aber wie gesagt, am schlimmsten fand ich diese Einzel-Episoden, die vor Dummheit nur so strotzen und in denen jeder einzelne von Bees Freunden auf die dämmlichste Art und Weise umgebracht wird. „The Babysitter“ versucht verzweifelt witzig zu sein und mit Klischees zu spielen, aber warum, warum bitte, ist zum Beispiel das Haus von Coles Familie im Keller voller Taranteln und Ratten??? Einfach nur, damit es ein bisschen widerlicher ist, wenn Cole sich da unten verstecken muss? Für Leute mit Geld, die in so einem Haus leben, sollte ein Fachmann das doch mal eben schnell wegmachen können. Es gibt noch so einige solcher Beispiele, die verdeutlichen, dass „The Babysitter“ eigentlich schon am Drehbuch hätte scheitern müssen. Da helfen auch gute Darsteller nicht wirklich weiter.

Also an alle Horror-Fans: „The Babysitter“ könnt ihr getrost übergehen. Das ist einfach nur ein Beweis, dass nicht alles bei Netflix sofort zu Gold wird. Bei all den guten Sachen müssen halt auch ein paar schwarze Schafe dabei sein 😉

Wertung: 4 von 10 Punkten (gute Darsteller in einem vorhersehbaren Film, der nie so richtig zündet)

14 Kommentare leave one →
  1. 23. Oktober 2017 12:12

    „Das ist einfach nur ein Beweis, dass nicht alles bei Netflix sofort zu Gold wird.“

    Das trifft auf so ziemlich jeden Netflix-Film zu. Serien könne sie, aber bei Filmen liegt da noch so einiges im Argen.

    • donpozuelo permalink*
      23. Oktober 2017 15:02

      Das stimmt. Jetzt wo du es sagst, bis auf Okja war noch kein so richtig guter Film dabei. Und selbst Okja hatte seine Probleme.

      • 23. Oktober 2017 19:07

        The Meyerowitz Stories, y’all!

        Fand The Babysitter in Ordnung, wenn man weiß, was einen erwartet. Klar, dass das keine Oscars gewinnen wird, aber sehr kurzweilig und ein paar nette Momente.

        • donpozuelo permalink*
          24. Oktober 2017 20:00

          Meyerowitz Stories stehen bei mir tatsächlich als nächstes an.

      • 23. Oktober 2017 19:26

        Probleme haben sie alle. Okja war aber immerhin mal gut gemacht und hatte eine Idee dahinter. Die sonstigen Netflixstreifen wirken auch immer wie eine Kopie von irgendwas, finde ich. Nicht zwingend schlechte Kopien, aber eben auch keine, die irgendwas Neues einbringen.

        • donpozuelo permalink*
          24. Oktober 2017 20:00

          Sie sind halt noch zu sehr in den Serien verankert. Aber das wird sicherlich noch mit den Filmen.

        • 24. Oktober 2017 20:14

          Scorsese wird uns alle retten. Sein „The Irishman“ kann eigentlich kaum schlecht werden und bringt dann vielleicht auch den Umschwung mit sich, den Netflix im Filmbereich braucht.

        • donpozuelo permalink*
          24. Oktober 2017 22:15

          Auf den bin ich tatsächlich auch sehr, sehr gespannt.

        • 24. Oktober 2017 22:45

          Wer nicht …

        • donpozuelo permalink*
          25. Oktober 2017 06:57

          😀

  2. 24. Oktober 2017 19:48

    Ich fand ihn ja ziemlich unterhaltsam… ^^

  3. 8. Dezember 2017 18:17

    Siehst, und den hier fand ich echt spaßig.Würde ich mir (wenn ich Zeit hätte) sogar noch mal ansehen :))

    • donpozuelo permalink*
      11. Dezember 2017 17:07

      Hahaha… nee. Den würde ich mir sparen. Aber zum Glück sind Geschmäcker verschieden 😀

Trackbacks

  1. Brautjagd | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: