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Kopfüber

4. Oktober 2017

2012 kam der Film „Upside Down“ in die Kinos und die Trailer sahen echt toll aus. Da ging es irgendwie darum, dass es zwei Welten gab, die dicht beieinander lagen, aber unterschiedliche Anziehungskräfte hatten. Und die eine Welt war reich, die andere arm und es war keinem gestattet, die andere Welt zu betreten – zumal die Anziehungskräfte dort eh anders waren und der „Übergesiedelte“ an der Decke hängen würde. Die Trailer sahen, wie gesagt, echt gut aus, doch die Kritiken waren ziemlich schlecht. Ein Grund, warum ich mich nie getraut habe, „Upside Down“ eine Chance zu geben. Es sei denn, jemand von Euch kann mich vom Gegenteil überzeugen… denn tatsächlich geht es mir in diesem Artikel nicht um „Upside Down“, sondern um einen Film mit einer ähnlichen Prämisse, der aber tatsächlich sehr schön geworden ist: der Anime „Patema Inverted“.

„Patema Inverted“ entführt uns in eine weit entfernte Zukunft, in der das Gleichgewicht der Erde außer Kontrolle geraten ist. Vor langer Zeit versuchten Wissenschaftler, Energie aus der Gravitationskraft der Erde zu gewinnen. Das Experiment schlug fehl und kehrte die Anziehungskraft um, sodass die meisten Menschen einfach in den Himmel geschleudert wurden. Einige Menschen konnten sich jedoch retten und so entstand die Nation Aiga, die in bester „Equilibrium“-Manier das Volk beherrscht und sie vor den gefährlichen Zonen schützen will, an denen die Gravitation nach wie vor verkehrt herum ist. Doch genau aus solch einer Zone fällt die junge Patema, Angehörige eines Volkes, das unter der Erde lebt und immer noch einer „falschen“ Gravitation ausgesetzt ist. In Aiga trifft sie auf den Jungen Eiji, der sie Patema vor den Schergen des Regimes schützen muss und die Wahrheit hinter Aiga dabei erkennt.

Spider-Man-Umarmung ohne Netz

„Patema Inverted“ ist ein wirklich spannender Anime, der sich dieser verrückten verdrehten Schwerkraft vollkommen unterwirft. Gerade zu Beginn des Films, wenn sich Patema und Eiji das erste Mal treffen, dreht sich die Kamera immer wieder, um die Perspektive des anderen deutlich zu machen. Dabei kann schon mal ein wohliges Schwindelgefühl entstehen, dass sehr gut nachvollziehen lässt, wie sich Patema in dieser verkehrten Welt fühlen muss. Sie muss Angst haben, in den Himmel zu fallen; sie muss an der Zimmer-Decke hocken und muss sich an Eiji klammern, der dadurch wiederum wie ein Astronaut fast schwerelos durch seine Welt bewegen kann. Regisseur Yasuhiro Yoshiura gelingt es wirklich gut, diese Leichtigkeit in seine Bilder zu packen… was sich bei einem Zeichentrick-Film sicherlich auch besser bewerkstelligen lässt als bei einem Realfilm. Die Kamera kann sich hier wunderbar im Kreis drehen… dieser Film ist wirklich ein kleines filmisches Karussell, das Spaß macht.

Gleichzeitig ist die Geschichte rund um diese kaputte Erde unglaublich spannend, denn die wahren Ausmaße erkennt man erst mit der Zeit und selbst dann stellt einen der Film vor mehr Rätsel, die einem zusätzlich den Kopf verdrehen. Gleichzeitig erahnt man ab einem bestimmten Zeitpunkt auch des Rätsels Lösung, was dem Film aber keineswegs schadet. Denn man ist sowieso immer wieder damit beschäftigt, klarzustellen, wer jetzt eigentlich auf dem Kopf steht und wer nicht… bei allen den Kamera-Drehungen kann man da leicht mal durcheinander geraten. Aber ich schweife ab…

Die Story funktioniert vor allem wegen Patema und Eiji so gut. Es ist halt ein bisschen die klassische „Romeo und Julia“-Geschichte. Sie dürfen laut den Regeln ihrer Gesellschaften nicht zusammen sein und tun alles, um es doch möglich zu machen. Nichts neues, aber hier ganz süß gemacht und durch die verdrehte Welt um einen coolen Aspekt erweitert. Auch der böse, tyrannische Herrscher über Aiga trägt dazu bei, das man mit den beiden gut mitfiebert. Er hasst Patemas Volk, weil sie verantwortlich waren für die schlimmen Experimente und er einfach nicht loslassen kann. „Patema Inverted“ ist somit auch ein bisschen die Geschichte von dummer Sturköpfigkeit und verjährten Mutmaßungen, die erst durch eine neue Generation von Querdenkern durchbrochen werden kann.

Neben der spannenden Story, der wirklich umwerfenden Optik und der sympathischen Charaktere glänzt „Patema Inverted“ auch durch die Musik… und wenn ich einem Soundtrack tatsächlich einen Absatz widme, dann muss sie mich schon sehr beeindruckt haben. In den ruhigen Momente erinnerte mich die Musik stark an Akira Yamaoka, der die wunderbare Musik zu „Silent Hill“ komponiert hat. Und auch Komponist Michiru Oshima gelingt es, seiner Musik etwas melancholisch-schwerfälliges und gleichzeitig so extrem poetisches anzuhängen. Der Soundtrack passt sich dabei immer gekonnt den Bildern an, unterstreicht mal die Schwerelosigkeit und dann auch wieder die Auswegslosigkeit von Patema und Eiji. Es ist ein wunderschöner Soundtrack, der wunderbar zum Film passt.

„Patema Inverted“ war für mich schon eine kleine Überraschung. Ein schöner, kleiner Film mit tollen Charakteren und einer Prämisse, die schwindelerregend gut umgesetzt und ausgenutzt wurde.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ich glaube, jetzt muss ich „Upside Down“ wirklich nicht mehr sehen)

2 Kommentare leave one →
  1. 12. Oktober 2017 20:48

    Ui, danke für den Tipp, auf den war ich auch etwas neugierig, konnte mir aber nicht so recht vorstellen, was mich erwartet. 🙂 Klingt jedenfalls sehr gut.

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