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Old people moving

2. Oktober 2017

Manchmal muss man sich schon fragen, wie so einige Filmemacher ihre Filme pitchen… und dann auch tatsächlich noch Geld dafür bekommen. Am besten funktioniert das dann wohl noch, wenn man große Stars hat, die in diesem Film mitmachen wollen – egal, worum es geht. Stars sind halt für ein bisschen was immer noch gut. Doch selbst große Namen können aus dem Plot-Pitch „old people moving“ nicht besonders viel rausholen. Und leider können auch ein Morgan Freeman und eine Diane Keaton aus „Ruth & Alex“ keinen tollen Film machen.

Die Beiden wollen das Apartment verkaufen, in dem sie seit 40 Jahren gelebt haben – und müssen sich nun dem wilden Bewerber-Ansturm stellen. Also rennen haufenweise Menschen in Ruth‘ und Alex‘ Wohnung rum. Während Ruth von der ganzen Aktion ziemlich begeistert ist, hat Alex seine Zweifel.

Der kleine Dach-Garten

Das ist mehr oder weniger die ganze Geschichte. Ernsthaft. Anderthalb Stunden müssen wir Morgan Freeman und Diane Keaton dabei zusehen, wie sie ihr Apartment verkaufen wollen. Zwischendurch wollen sie dann auch noch selbst ein neues für sich kaufen, haben Probleme mit ihrem kleinen Hündchen Dorothy und müssen mit dem Markt an sich kämpfen, der durch einen vermeintlichen Terror-Anschlag ins Wanken gerät. Nur mehr gibt es leider wirklich nicht…

Man könnte den Film als kleine Kritik an Gendrifizierung sehen, doch dafür bedient sich der Film zu vieler Klischees, um einfach nur Lacher zu erzeugen. Man könnte auch versuchen, die kleinen Nebengeschichte mit der Jagd nach einem Terroristen, mit irgendwas zu bewerten. Vielleicht möchte uns der Film hier zeigen, wie schnell wir vorschnell urteilen. Nur leider funktioniert das auch nicht so richtig, weil es nie wirklich thematisiert wird. Man könnte wohl vieles versuchen, aber es würde nichts an der Tatsache ändern, dass „Ruth & Alex“ ein sehr langatmiger Film ist, der nicht wirklich etwas zu erzählen. Das größte Problem ist dabei aber, dass der Film eigentlich schon was zu erzählen hätte…

In einigen kurzen Rückblenden erleben wir die Anfänge von Ruth und Alex, wir erfahren von seinen Zweifeln als Künstler, wir erfahren von ihren Schwierigkeiten mit der eigenen Familie, weil Ruth‘ Familie nicht verstehen kann, dass sie einen Afroamerikaner geheiratet und wir erfahren auch, dass die beiden keine Kinder kriegen können. Hier wäre jetzt die Möglichkeit gewesen, die Geschichte mehr über die Rückblenden aufzuziehen und die Suche nach einem neuen Apartment nur als Rahmenhandlung zu nehmen. Doch Regisseur Richard Locraine entscheidet sich dagegen. Warum??? Keine Ahnung, vielleicht liegt es an der Roman-Vorlage von Jill Ciment. Vielleicht geht es darin wirklich nur um zwei alte Menschen, die umziehen wollen. Aber selbst dann hätte man es filmisch anders gestalten können. Um einfach auch ein bisschen mehr Tempo in die Geschichte zu bringen… denn die wirklich spannenden Momente sind die kurzen Rückblenden. Was nicht nur daran liegt, dass die Episoden faszinierende Aspekte aufweisen als der Umzug zweier alter Menschen. Auch die beiden Jungdarsteller Korey Jackson und Claire van der Bloom funktionieren gut zusammen und schaffen es in den wenigen Minuten, die der Film bei ihnen verbringt, mich mehr zu fesseln als Diane Keaton und Morgan Freeman.

Die beiden sind auch gut… und wenn sie nicht wären, würde dieser Film nur noch schnarchiger werden. Denn wenigstens stimmt die Chemie zwischen Keaton und Freeman und es macht auch ein bisschen Spaß, den beiden beim Apartment-Hunting zu zusehen. Aber letztendlich verpasst der Film seine Chance und nutzt sein Potenzial nicht. Denn „Ruth & Alex“ hätte ein Film werden können, der das Junge und das Alte miteinander verbindet, die Probleme der Jugend denen des Alters gegenüberstellt und damit vielleicht wirklich mal eine Aussage macht, die irgendwen interessiert. Dass Umziehen scheiße ist, dass alte Leute aus hippen Bezirken gedrängt werden und dass alle ein bisschen paranoid sind, das alles wussten wir doch eh schon lange.

Wertung: 4 von 10 Punkten (langweilig, langweilig… obwohl so viele Möglichkeiten da gewesen wären)

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