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Die magischen Schwestern

27. September 2017

Wenn man mir einen Film als „Ghibli auf LSD“ anpreist, dann werde ich natürlich neugierig. Klingt schließlich sehr interessant… das klingt nach etwas, das entweder richtig richtig gut sein könnte oder halt richtig richtig schlecht. „Ghibli auf LSD“ ist dabei aber auch so eine typische Floskel wie „Hitchcock hätte diesen Film geliebt“ oder keine Ahnung, irgendwas in die Richtung halt. Ich habe mich aber, wie gesagt, von der Floskel beeinflussen lassen… und wurde nur halb enttäuscht. „Yoyo & Nene – Die magischen Schwestern“ hat tatsächlich ein bisschen was von Ghibli, aber auf LSD war man hier nur ganz kurz, danach ebbt der Drogen-Wahn dann auch schon wieder nach… und ich weiß leider noch nicht so ganz, ob ich das gut finde oder nicht – aber vielleicht weiß ich mehr, wenn ich mit diesem Beitrag fertig bin 😀

„Yoyo & Nene“ leben im Königreich der Zauberer und betreiben ihre kleine Firma „Yoyo & Nene“, mit der sie Leuten gegen Flüche und andere Zaubereien helfen. Ach ja, falls ich vergessen habe, es zu erwähnen, Yoyo und Nene sind Hexen, Magierinnen, Zauberinnen. Und eines Tages, nachdem sie gerade eine Kundin von einem besonders schweren Fluch befreit haben, wächst auf einmal ein riesiger Baum direkt vor ihrem Haus, auf dem sich ihnen unbekannte (für uns sehr vertraute) Hochhäuser befinden. Beim Durchstöbern dieser fremdartigen Häuser gerät Yoyo in einen Fahrstuhl und landet plötzlich in unserer Welt. Hier trifft sie auf den Jungen Takahiro, seinen Bruder Takeo und ihre kleine Nichte Aki. Die drei haben ein Problem, denn Takahiros und Takeos Eltern haben sich in merkwürdige, flauschige Monster verwandelt… und stellen Yoyo ein, um den Fluch zu brechen. Doch diese Aufgabe, in dieser fremden Welt, werden für Yoyo zu ihrem schwersten Job überhaupt.

Zauberschwestern mit Totenkopf-Mieze

Den Ghibli-Faktor hat man gleich in den ersten Sekunden… ach ja, und den LSD-Faktor auch. Denn „Yoyo & Nene“ stürzt sich mit seinem Zuschauer direkt ins Getümmel der Fluchbeseitigung. Und da erleben wir dann Yoyo und Nene im Kampf gegen ein Seifenblasen-artiges Monster, das sie mit ihrer Magie bekämpfen. Der Ghibli-Faktor entsteht zum Beginn dadurch, dass die kleine Yoyo auf ihrem Hexenbesen ein wenig an Ghiblis Hexe Kiki erinnert. Der LSD-Anteil entsteht durch die Farbexplosion, die man hier erlebt. Yoyo und Nenes Magie entsteht durch das Zeichnen kleiner Smileys, die zum Schutz vor Angriffen oder für Angriffe selbst genutzt werden können. Wie da riesige Elefanten herbeigezaubert werden können, bleibt wohl Yoyos Geheimnis – und vor allem, warum die hilfreich zum Bekämpfen von Flüchen sind.

Ich war auf jeden Fall nach den ersten paar Minuten sofort verliebt in diesen Film, der sich sofort mit einer Farbgewalt, viel Fantasie und witzigen Charakteren (es gibt auch einen sprechenden Frosch mit Eisenhandschuhen, der offensichtlich irgendwann auch mal verzaubert wurde) punktet. Und das Coole ist, dass der Film sich nicht lange um Erklärungen kümmert, wir sehen die Schwestern in Action und das führt uns dann auch gleich in diese zauberhafte Welt ein, mehr braucht es da nicht.

Wenn ich ein bisschen meckern müsste, dann fand ich es ein bisschen schade, dass „Yoyo & Nene“ nach dem fulminanten Start ein bisschen abschwächt. „Abschwächt“ ist vielleicht das falsche Wort, aber nach dem Fantasie-Overload wirkt „unsere“ Welt fast schon ein bisschen langweilig und irgendwie hatte ich die ganze Zeit gehofft, Yoyo würde für ein bisschen mehr witzigen Chaos sorgen… und vor allem würde der LSD-Trip ein bisschen länger anhalten. Stattdessen wird „Yoyo & Nene“ ein bisschen ernster, die Bedrohung für beide Welten mit jeder Minute größer und Yoyo scheint in dieser neuen Welt zu verzweifeln.

Klar, ich hätte mich gefreut, mehr von der bunten Fantasie-Welt zu sehen, aber letztendlich wäre das dann vielleicht auch zu viel gewesen. Somit ist der Ton-Wechsel gar nicht so verkehrt… zumal er ja langsam von statten geht. Yoyo in der neuen Welt sorgt immer noch für genug Aufregung und Spaß, aber mit der Zeit lernt sie viel über sich selbst und über den Fluch, hinter dem eine wunderschöne Geschichte steckt, die durch die Menschen selbst erst zu einem Fluch wurde. Ich will dazu nicht mehr verraten, aber „Yoyo & Nene“ wird mehr und mehr zu einem Fantasy-Drama, das einem am Ende richtig nahe geht.

Es ist eine schöne Geschichte über das Wachsen mit seinen Aufgaben, eine Geschichte über Freundschaft und Geminschaft… einfach ein schöner Anime, der wirklich Spaß macht, am Ende vielleicht etwas zu stark die Moralkeule schwingt, aber trotzdem toll ist.

Wertung: 8 von 10 Punkten (das ist Ghibli auf einer etwas leichteren Droge als LSD, aber immer noch verdammt gut)

2 Kommentare leave one →
  1. 28. September 2017 18:12

    Okay, noch nie davon gehört, aber der landet jetzt sofort auf meiner Watchlist

    • donpozuelo permalink*
      1. Oktober 2017 22:13

      Freut mich immer, wenn ich was Neues vorstellen kann. Bin gespannt, wie du ihn findest.

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