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Rocky-Klon

22. September 2017

Seit ich angefangen habe, die „Rocky“-Filme zu gucken, werde ich immer wieder vor dem fünften Teil gewarnt. Die selbst ernannten wahren Rocky-Fans hassen den fünften Teil der Reihe, weil der kein Rocky-Film mehr sei. Nun scheint dieser Hass nicht ganz unberechtigt, wenn selbst ein Sylvester Stallone sagt, er habe den Film nur aus Gier gemacht. Selbst Stallone scheint nicht zufrieden mit Teil 5 zu sein. Das ging dann sogar soweit, dass er Jahre später mit „Rocky Balboa“ noch einen sechsten Teil drehte, um Rocky würdig zu verabschieden. Nun ja, das sind alles keine guten Aussichten auf „Rocky V“, weswegen ich es lange hinaus gezögert hatte, mir den Film anzuschauen, aber die Reihe will ja zu Ende geschaut werden, also habe ich es gewagt. Und muss gestehen, dass ich den Hass auf „Rocky V“ nur bedingt verstehen kann.

Nach seinem Kampf gegen Ivan Drago kehrt Rocky (Stallone) wieder nach Hause zurück. Allerdings nicht für sehr lange, denn sein blöder Schwager Paulie (Burt Young) hat es irgendwie geschafft, dass Rocky ein Dokument unterzeichnet hat, das seinem Anwalt die Gewalt über Rockys gesamtes Vermögen gibt. Der Anwalt hat alles schön in Risikogeschäften verballert und Rocky ist nun pleite. Mit seiner Frau Adrian (Talia Shire) und Sohnemann Rocky Jr. (Sage Stallone) muss Balboa nun dahin zurückziehen, wo er hergekommen ist – in den alten Teil von Philadelphia, wo sie in Paulies Haus leben müssen. Hier lernt Rocky dann auch den jungen Boxer Tommy Gunn (Tommy Morrison) kennen, der unbedingt der Beste sein will. Nach anfänglichen Sorgen beginnt Rocky Tommy zu trainieren und der feiert auch schon bald große Erfolge – vorerst nur als Rocky-Klon, wie ihn die Presse bezeichnet, später auch allein, als er mal eben seinen Trainer für die Aussicht auf mehr Geld und Ruhm verrät.

Mein Trainer Rocky

Nach all den Warnungen hatte ich mit einem wirklich, wirklich furchtbaren Film gerechnet. Aber „Rocky V“ ist kein schlechter Film, er wirkt nur an vielen Stellen etwas lieblos. Allein der Versuch, Rocky wieder an seine Anfänge zurückzubringen, wirkt schon sehr plump. Diese Pleite-Geschichte ist extrem schlecht konstruiert, Hauptsache, Rocky fällt so richtig auf den Arsch. Das Ganze hätte man sicherlich auch mit ein bisschen mehr Finesse angehen können. Aber gut, „Rocky V“ sollte so etwas wie ein Abschluss sein, weswegen man unbedingt noch einmal zu den Wurzeln zurückkehren wollte.

Das ist auf der einen Seite ganz nett, die Bilder der etwas heruntergekommenen Gegend von Philadelphia, in der wir Rocky das erste Mal antrafen, sind schon toll. Aber letztendlich macht der Film nichts aus diesen ganzen Anspielungen und Easter Eggs. Es sind kurze Momentaufnahmen, kleine Erinnerungsfetzen und das war’s dann auch schon wieder. Auch hier hätte ein bisschen Finesse nicht geschadet.

Was mir allerdings tatsächlich ziemlich gut gefallen hat, war die ganze Rocky-Tommy-Gunn-Nummer. Mal abgesehen davon, dass der Boxer Tommy Morrison wirklich ein furchtbarer Schauspieler und ein ziemlich beschissene Wahl für die Rolle war, die einen erfahrenen Schauspieler gebraucht hätte, um diesen Charakter glaubhafter wirken zu lassen. Morrison ist einfach nur ein grober Klotz, dem man schon beim Sprechen ansieht, dass er hier nichts zu suchen hat. Und dennoch mochte ich die Story an sich.

Rocky hat mit Tommy einen Schützling gefunden, den er unter seine Fittiche nehmen kann – so wie es damals Mickey (Burgess Meredith) getan hat. Tommy übernimmt die Rocky-Underdog-Rolle, dieses Mal allerdings mit einem bekannten Trainer, der mehr Aufmerksamkeit erlangt als der Boxer selbst. Von Anfang an wird hier schon der kommende Ärger vorprogrammiert. Ich mochte Rocky als Trainer, der sich hier mal ein bisschen ausleben konnte. Es ist dieses Beispiel von ambitionierten Eltern, die durch ihre Schützlinge ihre eigenen Träume ausleben wollen. Und da Rocky ja in den Ruhestand gezwungen wurde, lebt er seine Box-Träume durch Tommy aus. Eine echt interessante Geschichte…

… die dadurch noch ein bisschen interessanter gemacht wird, dass Rocky durch seine Arbeit mit Tommy seinen eigenen Sohn komplett vernachlässigt. Der versucht verzweifelt, die Anerkennung seines Vaters zu erlangen, bekommt die aber nicht und wird so ein bisschen ein rebellischer böser Junge mit furchtbaren Ohrringen. Auch hier liegt wieder das Problem beim Schauspieler Stallones Sohn Sage kann die Rolle nicht wirklich ausfüllen, dabei ist seine Entwicklung doch sehr interessant.

Der Einzige, der von all dem ein wenig profitiert, ist Sylvester Stallone selbst, denn sein Rocky hat in diesem Film ein paar sehr schöne Charakter-Momente, in denen Stallone tatsächlich auch seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann.

Das Schlimmste an „Rocky V“ ist aber die Tatsache, dass wir Rocky kaum kämpfen sehen – und ich denke mal, das hat damals viele Zuschauer gestört. „Rocky V“ ist wirklich ein Film über einen Rocky im Ruhestand, der durch andere kämpft. Das hätte Stallone auch lieber so lassen sollen, doch einen letzten Kampf schreibt er sich dann doch noch ins Drehbuch und der versaut dann den ganzen Film: Denn statt im Ring kämpft Rocky auf der Straße gegen Tommy Gunn – in einem Kampf, der nichts mehr mit Boxen, der nichts mehr mit Rocky zu tun hat. Der einen leider auch kalt lässt.

„Rocky V“ ist kein typischer Rocky-Film, er versprüht nicht mehr dieses Flair eines Rocky-Films, aber er hat ein paar interessante Ansätze, die mit den richtigen Darstellern und dem Verzicht auf den Straßenkampf sicherlich zu einem guten Film hätten führen können. Naja, bin ich mal gespannt auf den viel gelobten sechsten Teil.

Wertung: 6 von 10 Punkten (das wäre einfach wirklich kein würdiger Abschluss für eine sonst immer sehr gute Reihe gewesen)

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