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Ewiger Murmeltiertag

20. September 2017

Es war mal wieder an der Zeit… zu lange war es schon her, dass ich mir Bill Murray in „Groundhog Day“ (oder halt „Täglich grüßt das Murmeltier“) angeguckt hatte. Und da wurde mir dann auch gleich eine vollkommen neue Sache an diesem Film bewusst: Wie wahrscheinlich jeder habe ich diesen Film bislang immer nur mit Bill Murray in Verbindung gebracht. „Groundhog Day“ ist so der Bill-Murray-Film für mich schlechthin. Der perfekte Einstiegsfilm für jeden, der wissen will, was denn eigentlich so toll ist an Bill Murray. „Groundhog Day“ stand immer dafür, weswegen ich mich nie darum gekümmert habe, von wem dieser Film wirklich ist. Hätte mich bis vor kurzem jemand gefragt, wer den Film gedreht, ich wäre wahrscheinlich davon ausgegangen, dass Bill Murray das auch noch selbst gemacht hat. Deswegen war ich mehr als nur ein bisschen erstaunt, als da im Intro auf einmal stand „Directed by Harold Ramis“. Da war ich ein bisschen platt, wenn ich ehrlich sein darf. „Ghostbuster“ Egon führte also auch Regie… und das auch noch bei „Groundhog Day“. Faszinierend… das ich nach all den Jahren, die ich diesen Film schon kenne, erst jetzt mit dieser „bahnbrechenden“ Tatsache konfrontiert werde…

Für jeden, der nicht weiß, worum es in „Groundhog Day“ geht: Bill Murray spielt TV-Wetter-Mann Phil Connors, der zum Murmeltiertag nach Punxsutawney fährt, um über ein alljährliches Ritual zu berichten, bei dem ein Murmeltier das Wetter vorhersagt. Mit Kamera-Mann Larry (Chris Elliott) und Produzentin Rita (Andy McDowell) geht’s los. Ein grummelige Phil macht, was er zu tun hat und will wieder weg, doch ein unerwarteter Blizzard zwingt ihn, eine Nacht in dem kleinen beschaulichen Ort mit dem kompliziert zu schreibenden Namen zu bleiben. Nur wacht er am nächsten Tag auf und es ist wieder Murmeltiertag… und das dann immer wieder und wieder und wieder. Tag für Tag für Tag…

Fahrschule mit Murmeltier

Auch wenn ich jetzt weiß, dass Harold Ramis sowohl für Drehbuch als auch für Regie verantwortlich ist, wird „Groundhog Day“ auf Ewigkeiten ein Bill-Murray-Film bleiben. Das ist sein Film wie vielleicht kein anderer Film… und in diesem kleinen wunderbaren Zeitschleifen-Meisterwerk darf Murray zeigen, was er alles drauf hat – was er natürlich nur kann, weil das Drehbuch einfach so wunderbar mit diesem „Rashomon“-artigen Szenario umgeht: schließlich wiederholt sich jede Szene immer und immer wieder. Doch mit jeder Wiederholung kommen kleine, feine Nuancen dazu. Mit jedem Tag verändert sich Phil Connors ein wenig: von einer anfänglichen Euphorie über die totale Depression bis hin zur Läuterung. Murray durchläuft alle Phasen eines Menschen, der sich damit abfinden muss, dass er einen Tag immer und immer wieder durchlebt.

Regisseur Harold Ramis (ich muss das für mich einfach noch ein paar Mal wiederholen) geht mit diesen Wiederholungen großartig um. Denn in jeder vermeintlich bekannten Szene kann er gekonnt mit unseren Erwartungen spielen. Dabei hilft es natürlich Phil Connors, dass er sich jeden Tag an seinen Vortag erinnern kann – so kann er die Dinge Gott-gleich beeinflussen (was ihm nicht zuletzt auch ein bisschen zu Kopf steigt). „Groundhog Day“ liefert so zwar viele Wiederholungen, aber wiederholt sich nie – dieser Film ist ein perfektes Paradoxon auf Film gebannt (von Harold Ramis 😉 ) und großartig gespielt Bill Murray. Es ist einfach sein Film und wir leiden mit ihm, wir freuen uns mit ihm, wir entdecken gemeinsam mit ihm die Möglichkeiten dieser merkwürdigen Zeitschleife. Ramis schickt uns auf eine emotionale Berg- und Tal-Fahrt, die ich ohne Probleme jeden Tag von Neuem erleben könnte. Murray ist der perfekte Hauptdarsteller für diesen Film, der hier alles aus sich heraus holen kann, was er an komödiantischem Geschick so hat. Dazu kommt Ramis‘ Einfallsreichtum, das perfekte Timing und natürlich tolle Nebendarsteller, die diesem Ein-Tages-Gott die Grundlage für sein tolles Aufspielen geben.

Dabei hinterfragt dann am Ende auch niemand, woher diese Zeitschleife auf einmal kommt. Sie muss nicht erklärt werden. Es war einfach Phil Connors‘ Zeit, ein besserer Mensch zu werden. Fertig! Wenn interessieren da schon Einzelheiten? Wenn „Groundhog Day“ auf einmal so eine Erklär-Bär-Szene gehabt hätte, hätte das einfach den ganzen Film kaputt gemacht, der einfach so funktioniert. Ramis und Murray sei Dank!

Wertung: 10 von 10 Punkten (warum macht heute keiner mehr solche Filme – selbst „Edge of Tomorrow“ kommt da trotz der gleichen Idee nicht ansatzweise ran)

16 Kommentare leave one →
  1. 20. September 2017 08:00

    Oh ja, toller, toller Film! ❤

    Ein echter Klassiker meiner Jugend. Weißt du, ob die remastered Blu-ray inzwischen schon bei uns raus ist? Oder hast du ganz einfach via Stream (oder gar noch DVD) geschaut? 😉

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2017 15:01

      Ich habe den noch auf DVD. Auf Blu-ray würde ich mir den aber tatsächlich sofort holen, wenn die rauskommt.

  2. 20. September 2017 12:15

    „Caddyshack“, „Die schrillen Vier auf Achse“ und die „Reine Nervensache“ Filme sind unter anderem auch unter der Regie von Ramis entstanden. Und Drehbuchautor war er auch noch.

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2017 15:00

      Die ersten beiden habe ich zu meiner Schande nicht gesehen. Aber ich wusste wirklich nicht, dass Ramis so fleißig gewesen ist.

      • 21. September 2017 19:00

        Du hast „Vacation“ nie gesehen? Das solltest du unbedingt nachholen.

        • donpozuelo permalink*
          24. September 2017 21:18

          Ich weiß, ich weiß. Wird gemacht 😀

  3. 21. September 2017 20:19

    Dein Aha-Effekt hatte ich bei einem meiner liebsten 1990er Jahre Filme – „Reality Bites“. Mir wurde erst Jahre später bewusst, das Ben Stiller Regie führte.

    • 23. September 2017 17:33

      Hach – Reality Bites 🙂

    • donpozuelo permalink*
      24. September 2017 21:18

      Auch einer dieser Filme, den ich noch nicht gesehen habe. Sollte ich vielleicht mal endlich machen.

      • 24. September 2017 21:28

        Solltest du unbedingt. Einer meiner liebsten Filme der 1990er Jahre.

        • donpozuelo permalink*
          24. September 2017 22:29

          Ja… schon viel von gehört. Werde gleich mal schauen, ob Netflix oder Amazon Video den irgendwo hat 😉

  4. 27. September 2017 20:50

    Den Film liebe ich auch sehr und sollte ihn unbedingt mal wieder schauen – danke fürs erinnern! 😀

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