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Amnesie-Agentin

18. September 2017

Je mehr ich jetzt so von „Alias“ sehe, desto mehr denke ich mir, dass J.J. Abrams hier noch so all die Dinge ausprobiert hat, die er dann mit „LOST“ zur Perfektion gebracht hat. Es gibt das große Mysterium, was denn nun eigentlich der Plan von diesem merkwürdigen Rambaldi ist. Es gibt viele verschiedene Charaktere, die sich gefühlt auch alle zwei Minuten was anderes von sich erzählen… und dann gibt’s da noch die vielen anderen Rätsel und Cliffhanger. Nur in Staffel 3 macht Abrams jetzt etwas, was a) so wirklich gar nicht geht und b) er zum Glück in „LOST“ nie gemacht hat. Aber ich greife vor…

Der Cliffhanger von Staffel 2 bestand ja darin, dass Sidney (Jennifer Garner) plötzlich aufwacht und feststellen muss, dass zwei Jahre vergangen sind. Während sie verschwunden war, hat sich so einiges getan: ihr geliebter Vaughn (Michael Vartan) hat geheiratet und sein Frauchen Lauren Reed (Melissa George) arbeitet für die Justiz ebenfalls mit der CIA zusammen. Papa Jack (Victor Garber) sitzt im Knast (kommt aber dank Sidney schnell wieder frei) und Arvin Sloane (Ron Rifkin) gehört auf einmal zu den Guten. Zusammen jagen sie jetzt eine neue Geheimorganisation namens „The Covenant“, für die unter anderem Bösewicht-Schönling Sark (David Anders) arbeitet. „The Covenant“ ist dann auch dafür verantwortlich, dass Sidney 2 Jahre verschwunden ist. Sie setzt nun also alles daran, herauszufinden, was sie in diesen 2 Jahren angestellt hat und enthüllt dabei mal wieder so einiges aufregendes Zeug.

Der unglaubliche Cliffhanger war ja schon in Staffel 2 die Antwort darauf, wie sie die Ereignisse der Staffel noch toppen wollen. Und die erste Hälfte von Staffel 3 war wirklich auch sehr aufregend. Vor allem weil man – wie Sidney – nicht wusste, was eigentlich los war. Dazu gab es dann noch diesen blöden Robert Lindsey, gespielt von Kurt Fuller, der zu einem wunderbar hassenswerten Charakter wurde, weil er ständig Steine in Sidneys Weg schmiss, die Wahrheit herauszufinden.Doch die Wahrheit ist ja bekanntlich irgendwo da draußen und Stück für Stück sammelten wir mit Sidney die einzelnen Puzzle-Teile zusammen. Das war gut, das war spannend, das war aufregend… selbst ein David Cronenberg tauchte plötzlich in einer Gastrolle auf und ließ Sidney durchs Träumen in ihre Erinnerungen steigen. Das war wirklich sehr aufregend. Bis dann Folge 11 daher kam und den größten und langweiligsten Fehler aller Zeiten begeht.

Terry O’Quinn durfte kurz mal Pause als John Locke machen und für eine Folge als FBI Director Kendall zurückkehren. Und was Abrams hier macht, ist etwas, auf das er zum Glück später in „LOST“ verzichtet hat: Er schickt uns den Erklärbär, der dann ganz, ganz ausführlich erläutert, was denn nun wirklich passiert ist – bis ins letzte kleine Detail. Da war den Machern wohl das Puzzle zu risikoreich und so zerplatzt die schönes Mystery-Blase mal mitten in der Staffel. Das war echt ein fieser Schlag in die Magenkuhle und eigentlich auch vollkommen unnötig.

Danach schwächt die Staffel ein bisschen ab für mich… und vor allem kommt dieser Soap-Opera-Charakter kommt wieder sehr viel stärker hervor. Was sich vor allem darin zeigte, dass die absurdesten Ideen, die ich zum weiteren Verlauf der Staffel hatte, auch bewahrheiteten: ich hatte schon lange geahnt, dass Sloane mehr mit Sidney verbindet – und dann kommt diese Folge, in der er ein Verhältnis mit ihrer Mutter eingesteht (obwohl ja dann noch das Sidney-Agentenschwesterchen aus dem Hut gezaubert wird). Mir war klar, dass Lauren Reed noch etwas verbirgt – was mich da nur tatsächlich interessiert hätte, wäre, wie sie es geschafft hat, innerhalb von anderthalb Jahren Vaughn von sich zu überzeugen. Zwischendurch gibt es dann noch mit Sark und Lauren das Anti-Alias-Pärchen, es wird wieder nach Rambaldi gesucht und es gibt dann wieder einen Cliffhanger, der uns auf Staffel 4 vertrösten soll.

Wie gesagt, die krasse Auflösungsfolge hat Staffel 3 ein bisschen für mich ruiniert. Danach geht es dann zwar noch ordentlich weiter, aber es hat nicht mehr die gleiche Stimmung wie vorher. Ron Rifkin ist nach wie vor mein Lieblings-Alias-Mensch. Dieses Mal dicht gefolgt von David Anders, der als Sark einfach nur eine verdammt coole Sau ist und einen wunderschön ambivalenten Charakter zwischen all diesen Boy- und Girl-Scouts abgibt.

Ich bin dennoch ganz gespannt, was es nun am Ende mit diesem Rambaldi auf sich hat und hoffe einfach mal, dass Abrams mir das nicht auch mit so einer furchtbaren Erklär-Folge ruiniert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein bisschen mehr Mut zum eigenen Rätsel wäre wünschenswert gewesen)

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5 Kommentare leave one →
  1. 18. September 2017 18:21

    Die Serie ist ja durchaus so ein Guilty Pleasure für mich, auch wenn mich dieser Mysteryaspekt graduell mehr auf die Palme brachte und der von dir angesprochene Soap-Opera-Einfluss immer lächerlicher wurde. Trotzdem hatte mich die Serie immer mehr fasziniert und gepackt, als LOST.

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2017 15:03

      Mehr gefesselt als LOST??? Uff… das kann ich nun wirklich nicht sagen. LOST steht da für mich meilenweit drüber. 😉

      • 30. September 2017 23:15

        Ja, ich fand mich in LOST leider nie so recht rein. Immerhin war ich vom Ende nicht so angefressen, wie ein Großteil der Fans. Da war ich dann doch lieber bei der toughen Agentin und den (immer weiter hergeholten) Mysterien.

        • donpozuelo permalink*
          1. Oktober 2017 22:11

          Ich mochte das Ende von LOST immer sehr 😀

Trackbacks

  1. Die Schwester der Agentin | Going To The Movies

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