Skip to content

Made in France

15. September 2017

Der französische Horror-Film hat ja eigentlich einen recht guten Ruf. Vor allem aber hat er dank Filmen wie „Martyrs“ oder „Frontier(s)“ auch einen sehr blutigen Ruf. Denn unseren französischen Freunden kann es scheinbar gar nicht blutig genug sein… was ich immer wieder ein bisschen amüsant finde, wenn man doch bedenkt, dass sie bei uns im Kino hauptsächlich wegen irgendwelcher Komödien gefeiert werden. Aber so wie die Deutschen gefühlt nur ihre eigene Geschichte verarbeiten können und schlechte Komödien drehen, drehen die Franzosen halt neben allem anderen auch noch fiese Horror-Filme.

Ich habe jetzt mal zwei für euch, um die ihr eigentlich einen großen Bogen machen könnt. Zum einen wäre das „High Tension“, zum anderen „Among the Living“.

In „High Tension“ wollen die beiden Studentinnen Alex (Maiween Le Besco) und Marie (Cecile de France) bei Alex’ Eltern auf dem Land ein wenig ausspannen und sich auf ihre Examen vorbereiten. Doch dann taucht nachts plötzlich ein Killer auf, der sich auf blutige Art durchs Haus mordet…

Gleich wird rasiert…

„High Tension“ hält nicht so wirklich, was der Titel verspricht… denn großartige Spannung kommt in Alexandre Ajas Film irgendwie nicht auf. Da hat mir sein Remake von „The Hills Have Eyes“ doch deutlich besser gefallen – aber gut, da stand die Geschichte ja auch schon vorher fest. Bei „High Tension“ war Aja noch selbst mit am Drehbuch beteiligt. Und offensichtlich war die einzige Auflage: „Machen wir es ordentlich fies und blutig… dann stört auch niemanden das Fehlen einer Story!“

Und genau so wird es dann auch… der Film hat zwar einen überraschenden Twist am Ende, doch der führt eigentlich mehr zu ungläubigem Kopfschütteln. Denn dieser Twist hätte irgendwie auch nicht mehr Not getan… aber egal… der Rest ist ja halt blutig.

Blutig und brutal und manchmal schon extrem widerwärtig… zumindest so reiht sich „High Tension“ in die Reihe der französischen Extrem-Horrorfilme perfekt ein. Was ihr hier zu sehen bekommt, ist wirklich nichts für Weicheier und wird in seiner Grausamkeit durch seine Sinnlosigkeit verstärkt. Nach einem „Warum“, wie es eines der Opfer fragt, sollte man nicht suchen… Hauptsache, die Gewaltakte schocken. Das reicht… naja… zumindest reicht es Aja. Mir hat’s nicht gereicht.

Aber dafür hatte ich ja dann „Among the Living“, der auf dem DVD-Cover damit angepriesen wurde, eine Mischung aus „Stand By Me“ und „Inside“ zu sein. „Stand by Me“ sagt mir was, „Inside“ nicht (kennt ihn jemand? Ist er empfehlenswert???).

Die drei Freunde Tom (Zacharie Chasseriaud), Dan (Damien Ferdel) und Victor (Theo Fernandez) schwänzen den letzten Schultag und streunern durch die verlassenen Blackwood-Studios in der Nähe der Stadt. Hier beobachten sie einen maskierten Killer, wie er eine Frau in eines der Häuser verschleppt. Bei dem Versuch ihr zu helfen, wird der Killer auf sie aufmerksam. Zwar können sie entfliehen, doch der Killer findet sie und will sie einem nach den anderen ausschalten.

Wer sich zuerst in die Hose macht vor Schreck, hat verloren.

Wenn in „Among the Living“ zu Beginn schon in einem Fernsehbeitrag die Rede davon ist, dass Soldaten durch Giftgasangriffe verletzt wurden und dass diese Gifte durch ihre Gene weitergegeben werden können, dann weiß man schon in etwa, in welche Richtung es gehen wird. „Among the Living“ ist weniger „Stand By Me“ als vielmehr eine längere „Akte X“-Folge ohne Mulder und Scully. Was an sich ja auch noch cool gewesen wäre, doch leider verliert sich der Film, wie auch schon der besprochene „High Tension“, in seiner Sinnlosigkeit.

Der Teil mit den drei Jungs hatte mich ja echt noch angesprochen, weil ich gedacht hatte, hier bekomme ich wirklich einen fiesen Horror-Streifen aus der Sicht von Kindern. Doch leider wandelt sich der Film sehr schnell und wird mehr oder weniger zu einem Home-Invasion-Streifen mit einem merkwürdigen Killer…

Auch hier kommt dann nur bedingt Spannung auf… zwar schaffen es die Regisseure Alexandre Bustillo und Julien Maury hin und wieder schon, ein bisschen unheimliche Stimmung aufkommen zu lassen, aber so richtig will der Funke nicht überspringen.

„High Tension“ und „Among the Living“ zählen damit zu den beiden Beispielen, in denen französischer Horror nicht unbedingt funktionieren… „High Tension“ setzt einfach zu sehr auf bloße Schockmomente und „Among the Living“ verspielt sein Potenzial mit einer recht vorhersehbaren Story.

Wertung: für beide 4 von 10 Punkten (manchmal geht’s halt auch einfach schief…)

Advertisements
2 Kommentare leave one →
  1. 18. September 2017 18:30

    Hmm, „High Tension“ steht bei mir noch auf der Listemden ich unbedingt mal sehen muss. Dann habe ich die großen Vier der neuen französischen Härte komplett. Hatte von HT nur gehört „wieeeee krasssss der dddddoch“ sei. Nun, für die Schauwerte sicherlich ganz nett, aber ansonsten dürfte es wohl in die Richtung von „Inside“ gehen, der bei mir ziemlich durchfiel: https://infernalcinematicaffairs.wordpress.com/2017/01/18/film-inside-2007-fr/ Geht eben mehr um style denn substance. „Inside“ ist übrigens vom selben Regieduo wie „Among the Living“… auch wenn die Beschreibung ganz nett klang, werde ich den wohl lieber auslassen und eine tatsächliche Folge Akte-X vorziehen. Danke für die Warnung!

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2017 15:02

      Gern geschehen und danke für den Link zu „Inside“. Und auch da danke für die Warnung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: