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Rocky vs. die Sowjetunion

11. September 2017

Es ist ja selten so, dass Film-Reihen ihr Niveau halten können. Da gibt es immer mal Ausreißer – nach oben und nach unten. Bei Stallones Rocky-Reihe scheint das tatsächlich mal anders zu sein, da hält sich das Niveau. Aber letztendlich auch nur, weil Stallone am Rezept „Rocky“ nie groß rumdoktort. Er weiß ganz genau, was die Leute sehen wollen: Rocky! Einen scheinbar unbesiegbaren Gegner! Eine Trainingsmontage! Einen ruhigen Moment mit Adrian (Talia Shire)! Einen großartigen Box-Kampf, der Rocky alles abfordert! Das ist Gesetz der „Rocky“-Reihe. Das muss alles vorkommen. Daran wird nicht geschraubt… und es funktioniert. Es funktioniert sogar im vierten Teil.

Da taucht auf einmal der unmenschliche Hüne Ivan Drago (Dolph Lundgren) aus der Sowjetunion auf, der einen Schaukampf gegen Apollo Creed (Carl Weathers) kämpfen möchte – um damit die Überlegenheit der Russen unter Beweis zu stellen. Immerhin trainiert Drago mit den neuesten Computer-Methoden unter der strengen Aufsicht russischer Wissenschaftler und seiner Frau Ludmilla (Brigitte Nielsen). Apollo lässt sich natürlich auf den Kampf ein – und bezahlt das mit seinem Leben. Daraufhin ist es natürlich Rockys Pflicht, diese Maschine zu besiegen. Also reist Rocky nach Russland… und der Kampf des Jahrhunderts beginnt.

I must break you!

Wow… einfach nur wow! „Rocky IV“ hat mich ein bisschen sprachlos zurückgelassen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Nicht mit dem Tod von Apollo (auch wenn ich durch „Creed“ ja schon gespoilert wurde), nicht mit der puren Essenz der 80er Jahre, die aus jeder Pore dieses Films tropft! „Rocky IV“ ist die 80er Jahre in 90 Minuten. Kalter Krieg, Glam-Rock-Hymnen, verrückte technische Spielsachen – check, check und check! Allerdings muss ich jetzt echt mal fragen: Was zur Hölle sollte dieser merkwürdige Roboter, den Rocky Paulie (Burt Young) schenkt? Ich meine, der war cool und ich will auch so einen, aber was zur Hölle war das? Es hätte nur noch gefehlt, dass Rocky das Ding als Sparring-Partner benutzt, um besser gegen den Terminator Drago anzukämpfen. Oh Mann, das war wirklich verrückt.

Rock wird auch groß geschrieben. Wahrscheinlich hat man mit „Eye of the Tiger“ in „Rocky III“ gemerkt, das man mit der passenden Musik auch noch ordentlich Kohle verdienen kann. Also kloppt man den Soundtrack zu „Rocky IV“ voll damit… und am besten gleich so, dass man die Szene aus dem Film gleich so als Musik-Clip für MTV verwenden kann. Deswegen taucht mal eben James Brown auf und röhrt sein „Living in America“, Survivor darf noch einen Rocky-Hit mit „Burning Heart“ abliefern und John Cafferty untermalt die Trainingsmontage, in der Rocky in der eisigen Kälte von Russland Berge besteigt, mit seinen „Hearts on Fire“. Jeder Song WIRD komplett ausgespielt, jeder Song passt aber auch perfekt. „Rocky IV“ ist eigentlich ein großes Musik-Video! Aber zu großartigen Songs, die Gänsehaut garantieren.

Und am Ende kämpft Rocky dann noch gegen den Kalten Krieg, gegen die Engstirnigkeit der Menschen, gegen das Sinnbild der Sowjetunion: Ivan Drago. Dolph Lundgren ist ein perfekter Übermensch, eine kalte Killer-Maschine, bei der sich wahrscheinlich selbst der Terminator in seine Schaltkreise machen würde. Dieser Kampf Rocky vs. Drago ist dann auch einer der heftigsten der ganzen Rocky-Reihe. Gemäß seinem Motto „I must break you“ ist Ivan Drago ein wahres Monster im Ring… und einmal mehr erlebe ich das „Rocky“-Phänomen, dass ich mich nicht mehr ruhig auf der Couch halten kann, wenn Rocky kämpft. Ich schreie, ich feuere ihn an. Ich zucke zusammen, wenn er eine geknallt kriegt – was hier ja besonders oft passiert. Und Lundgren hat Stallone ja sogar wirklich ins Krankenhaus geprügelt. So eine Story ist natürlich immer gut für einen Box-Film, aber wenn man den Kampf sieht, glaubt man das auch sofort. Es ist wirklich heftig, was hier abgeht. Die schenken sich wirklich gar nichts… und um so größer ist dann die Erleichterung, wenn der Kampf vorbei ist.

„Rocky IV“ ist großartig. Ich liebe den Film – vielleicht gerade weil er so ein bisschen over the top ist. Rocky vs. Drago ist Stallones Beitrag zum Kampf USA vs. Sowjetunion. Wenn nur David Hasselhoff einen Song zum Soundtrack beigetragen hätte, wäre der Kalte Krieg schon 1985 vorbei gewesen und alle hätten sich Freude strahlend in den Armen gelegen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (dieser Film ist so cheesy, aber es ist einfach nur toll)

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