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Die letzten Tage der Laura Palmer

28. August 2017

Es gehört ja zum Pflicht-Programm, sich nach „Twin Peaks – Staffel 1“ und „Twin Peaks – Staffel 2“ auch noch den dazugehörigen Film „Twin Peaks – Fire Walk wíth Me“ anzuschauen. Und wer bin ich denn, dass ich dieser Pflicht nicht nachgehen würde? Doch ich muss sagen, dass ich nach dem etwas faden Geschmack von Staffel 2 nicht so wirklich Lust hatte auf diesen Film, von dem ich bis dato nur gelesen hatte, dass er bei seiner Premiere in Cannes ausgebuht wurde und David Lynch ursprünglich eine 4-Stunden-Fassung hatte, die er nun stark auf zwei heruntergekürzt hatte, um „Fire Walk with Me“ veröffentlichen zu können. Klingt alles nicht wirklich viel versprechend, aber nun hatte ich „Twin Peaks“ schon mal angefangen, da wollte ich es auch ordentlich zu Ende bringen (bevor ich mich dann irgendwann an die neue dritte Staffel wagen würde.

Die Überschrift zu dieser Kritik sagt eigentlich schon alles, was man zur Handlung von „Fire Walk with Me“ wissen muss: Der Film ist so gesehen ein Prequel zur Serie und zeigt uns die Ereignisse vor Laura Palmers Tod. Wir lernen dabei vor allem Laura (Sheryl Lee) kennen, die nur nach außen das perfekte Mädchen aus der perfekten Kleinstadt spielt. In Wirklichkeit ist Laura den Drogen verfallen, dem Sex und der Angst vor ihrem Vater Leland (Ray Wise). Selbst ihre beste Freundin Donna (Moira Kelly) kann ihr nicht wirklich weiterhelfen, egal wie sehr sie es versucht.

Sie hat sich vorher die Hände nicht gewaschen.

Ich sage es gleich frei heraus: Ich fand „Fire Walk with Me“ furchtbar langweilig… und letztendlich auch extrem unnötig. In der Serie haben wir doch durch Cooper (Kyle MacLachlan) und seine Ermittlungen alles Wichtige über Laura Palmer erfahren. Der Film kann dem nichts weiter hinzufügen – außer natürlich die sehr expliziten Bilder, die wir durch die Serie einfach nur so in unserem Kopf hatten und uns nun direkt noch einmal anschauen dürfen.

Dabei verliert „Fire Walk with Me“ diesen typischen Twin-Peaks-Charme… wobei das eigentlich ganz cool war. Der Film ist keine weitere Soap-Opera, wir durchlaufen nicht noch einmal all die verschiedenen Schicksale der Bewohner von Twin Peaks. „Fire Walk with Me“ ist Lauras Film, weswegen sie auch im Mittelpunkt steht. Der Film ist mehr Drama, mehr der Versuch einer Studie darüber, wie das scheinbar glückliche Mädchen von nebenan dunkle Geheimnisse haben kann. Der Film versucht uns klar zu machen, was bei Laura Palmer alles schief gegangen ist… aber wie gesagt, es bleibt leider bei dem Versuch. So richtig will die Geschichte nie zünden, weil sie meiner Meinung zu sehr an der Oberfläche kratzt. Wir haben mehr über Laura Palmers wirkliche Probleme in der Serie erfahren als in dem ganzen Film, der sich irgendwie nur so wirklich um ihre Sex-Eskapaden und ihre Drogen-Exzesse schert.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich irgendwann echt Schwierigkeiten hatte, mein Interesse an dem Film aufrechtzuerhalten. Vielleicht entzog sich mir irgendwann auch die Magie von „Fire Walk with Me“, aber dann tut es mir noch umso mehr Leid. Der Serie wird der Film nicht gerecht, ich finde, selbst Laura Palmer wird der Film nicht wirklich gerecht. In der Serie lebte sie wenigstens noch in den Erinnerungen der Bewohner von „Twin Peaks“ weiter… und auch wenn wir mehr und mehr von ihrem wahren Ich erfuhren, blieb sie doch immer noch diese schöne Mädchen, das einen tragischen Tod sterben musste. Sie wurde ein Idol, die Antriebskraft für so viele Menschen in Twin Peaks, auf sich selbst zu schauen und sich mit dem Gedanken zu konfrontieren, dass hinter dem schönen Schein noch so viel mehr stecken kann. Mit „Fire Walk with Me“ nimmt David Lynch der Faszination Laura Palmer viel von ihrer Kraft.

Für mich wirklich ein sehr unnötiger Film, der am Ende wahrscheinlich nur Sheryl Lee etwas gebracht hat – nämlich die Möglichkeit, ein bisschen länger Laura Palmer zu sein. Kyle MacLachlan beschränkt sich auf einen sehr kurzen Auftritt, andere Darsteller der Serie kommen gar nicht erst vor und selbst die neuen Darsteller wirken manchmal etwas fehl am Platz. Dazu kommt noch ein extrem kurzer Auftritt von Schmuse-Sänger Chris Isaak und ein noch viel, viel kürzerer Auftritt von David Bowie – und am Ende weiß man nicht, was man von all dem halten soll.

„Fire Walk with Me“ hätte sich Lynch meiner Meinung einfach komplett sparen können.

Wertung: 3 von 10 Punkten (unnötiges Prequel, das Laura Palmer eher entzaubert)

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6 Kommentare leave one →
  1. 28. August 2017 08:59

    Ah, interessant. Ich fand den Film sehr spannend und für ein Prequel sehr sinnvoll. Ist aber auch schon wieder lange her, meine Sichtung.

    • donpozuelo permalink*
      28. August 2017 20:14

      Als Prequel-Idee ist der ganz nett, aber in der Umsetzung fand ich ihn echt nicht gut.

  2. 28. August 2017 09:52

    Kann die Langeweile auch nicht verstehen. Mir hat er gefallen.

    • donpozuelo permalink*
      28. August 2017 20:13

      Mir nicht 😀 Fand den echt anstrengend und irgendwo einfach unnötig.

  3. 18. September 2017 17:23

    Oh je, jetzt kommt noch eine die Nachtritt 😉 Nein, ich will gar nicht treten. Aber tatsächlich ist es so, dass ich den Film auch ziemlich interessant und spannend fand. Es wurden einige Details klarer wie beispielsweise Laura, Leland und Elizabeth Banks zusammenhängen. Das kann man sich mit viel Fantasie natürlich denken, aber ohne es je „gesehen“ zu haben, wirkt es doch immer wie weit hergeholt und eine fiese Lücke in der Handlung. Während ich außerdem Laura Palmer in der Serie als sehr unsympathisch erlebt habe und um jetzt mal ausfallend zu werden für eine Bitch gehalten habe, hat mir der Film geholfen den Widerspruch ihrer Person zu verstehen. Ich hab auch neulich darüber geschrieben …. http://miss-booleana.de/2017/09/08/serienlandschaft-twin-peaks-rewatch-fire-walk-with-me-review-und-fragen-fuer-staffel-3/ da erkläre ich das vielleicht besser, was ich meine.

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2017 15:04

      Werde ich mir mal in Ruhe durchlesen. Hast du Staffel 3 eigentlich schon gesehen?

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