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Das Böse im Wald

21. August 2017

Willkommen zurück in „Twin Peaks“, jenem beschaulichen TV-Ort der 90er Jahre, in dem der Kaffee einfach nur fabelhaft und der Kuchen köstlich ist. Willkommen zurück in „Twin Peaks“, diesem Ort voller Geheimnisse, wo jeder nie so wirklich das zu sein scheint, was er oder sie vorgibt zu sein. Willkommen zurück in „Twin Peaks“, wo wir auch in Staffel 2 immer noch gespannt darauf warten, eine Antwort auf die alles entscheidende Frage zu bekommen: „Wer tötete Laura Palmer?“.

Immer noch könnte es jeder in dieser kleinen Stadt sein und immer noch versucht Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) den wahren Mörder zu finden. Wir hören dazu immer häufiger den Namen Bob (Frank Silva), doch wenn dann wirklich offenbart wird, wie und von wem Laura getötet wurde, braucht man erst einmal eine Verschnaufpause. Eine Verschnaufpause, die auch Cooper nutzen will, doch leider nicht bekommt: sein ehemaliger Partner Windom Earle (Kenneth Welsh) taucht plötzlich in Twin Peaks auf und will Rache: Cooper hatte eine Affäre mit seiner Frau, die Earle daraufhin in seinem Wahn umbrachte. Und als wenn das alles noch nicht genug wäre, muss Cooper auch noch das Geheimnis um die Herkunft von Killer Bob lüften und das Geheimnis um die „White Lodge“ und die „Black Lodge“ lüften.

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Die erste Staffel von „Twin Peaks“ lebt ja wirklich davon, dass wir gemeinsam mit Agent Cooper hinter die Kulisse einer vermeintlichen Bilderbuch-Stadt schauen und wir nach und nach all die kleinen Kuriositäten, Geheimnisse und sonderbaren Dinge aufdecken, die hinter der schönen Oberfläche lauern. Das hat natürlich dann irgendwann diesen Soap-Opera-Charme, wo jeder mit jedem schläft, jeder jeden mit irgendwas oder irgendwem betrügt, aber die Frage nach dem Mörder von Laura Palmer lässt das Ganze so unendlich spannend werden, dass man es kaum aushalten kann, weiter zu schauen. Staffel 2 setzt da natürlich perfekt an – und erweitert das noch durch ein bisschen Mystery (sprich: Dales Visionen oder später, wenn Major Briggs [Scullys Papa] von UFOs und sonstigem erzählt). Bis zu neunten Folge der zweiten Staffel lebt „Twin Peaks“ nach wie vor von der Frage nach Lauras Mörder… und steht dabei der ersten Staffel in nichts nach. Es ist immer noch die gleiche aufregende Mischung aus Krimi, Surrealismus, Komödie, Drama und Mystery – und vor allem die Offenbarung des Tathergangs hat zumindest mich echt aus den Socken gehauen (weil ich zum Glück keinen Spoilern zur Serie erlegen war).

Danach hätte dann theoretisch Schluss sein können… und wenn man sich so anschaut, was da zwischendurch kommt, hätte da Schluss sein MÜSSEN. Ab Folge 10 an verliert sich „Twin Peaks“ dann zu sehr in der Soap Opera. Totgeglaubte tauchen wieder auf, es geht mehr um die kleinen Intrigen und Liebeleien als um das große Ganze. Hatte ich die erste Staffel und die ersten 9 Folgen gefühlt in einem Rutsch durchgeguckt, musste ich mich nun extrem durch die einzelnen Folgen quälen. Da wird Cooper dann suspendiert, da taucht plötzlich David Duchovny als Transgender Denise auf, da plätschert „Twin Peaks“ so mit eher ziemlich langweiligen Folgen so vor sich her – weil einfach eine Richtung fehlt. „Wer tötet Laura Palmer?“ ist beantwortet, die nächste interessante Frage wäre dann: „Wer ist Bob?“. Doch darauf konzentriert sich die Staffel erst einmal nicht. Einzelne verstreute Bemerkungen deuten noch hier und da mal drauf hin, aber ansonsten versinkt die zweite Staffel zu sehr in einem Wust aus uninteressanten Charakter-Entwicklungen, die die Geschichte sehr zum Erlahmen bringen.

Gut, die Frage, wer der Vater von Sheriff-Vorzimmer-Dame Lucy ist, war ja noch ganz witzig, zumal ich den „einfachen“ Andy immer sehr mochte. Aber ob nun die Story mit der plötzlich super-starken Nadine, die ihr Gedächtnis verloren hat und sich wieder für einen Teenager hält oder die ganze Nummer mit Benjamin Horne, der zwischenzeitig auch mal ein bisschen verrückt wird – es gab viele kleine Nebenhandlungen, die sehr unnötig wirkten.

Selbst dieser Windom Earle kommt erst so richtig zum Ende der Staffel in Fahrt – überhaupt sind so die letzten drei Folgen von Staffel 2 auf einmal wieder genau das, was ich wollte. Da wird es wieder ein bisschen übersinnlicher, ein bisschen verrückter, aber auch ein bisschen geordneter. Im Finale haut David Lynch dann noch einmal alles raus und schickt Cooper (und uns) auf einen herrlich surrealen und tatsächlich sehr gruseligen Trip zur Black Lodge (in der Laura Palmer dann sogar erzählt, dass sie Cooper in 25 Jahren wieder sehen wird – was ja dann nahezu perfekt mit dem jetzigen Revival zusammenpasst).

Staffel 2 hängt in der Mitte einfach extrem durch, dafür ist der Anfang stark und das Finale so ein richtig schöner Mindfuck. Dennoch würde es echt reichen, sich die ersten neun und dann die letzten drei Folgen anzuschauen – und man hätte nichts wirklich Wichtiges verpasst. Eigentlich ein bisschen schade, dass die Serie so einen Hänger hat.

Wertung: 7 von 10 Punkten (12 von 23 Folgen sind ja tatsächlich noch ziemlich gut, den Rest muss man ein bisschen verschmerzen)

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6 Kommentare leave one →
  1. 21. August 2017 19:52

    Yep, sehe ich ganz genauso. Nun Staffel 3?

    • 21. August 2017 23:14

      Puh, Staffel 3 :/

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2017 07:23

      Erstmal der Film, dann vielleicht auch Staffel 3. Sofern sie denn irgendwo anders als nur auf Sky zu sehen ist.

  2. 18. September 2017 17:17

    Bei Staffel 2 kann ich mich deiner Meinung nur anschließen … das mit Windom Earl wirkte wie ein unnötiger Zeitvertreib um alles in die Länge zu ziehen … sehr schade.

Trackbacks

  1. Die letzten Tage der Laura Palmer | Going To The Movies

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