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Anti-Mary-Poppins

14. August 2017

Wenn ich Kinder hätte, würde ich mir wahrscheinlich nie wieder auch nur irgendeinen Horror-Film anschauen, in dem Kinder die Hauptrolle spielen. Wahrscheinlich hat man ja als Elternteil ohnehin schon genug innere Urängste, das dem eigenen Kind irgendwas zustoßen könnte, da kann man sicherlich gut auf Filme verzichten, die einem genau das 80 oder 90 Minuten noch einmal vor Augen führen. Noch schlimmer wird es dann wie im Fall von „Emelie“, wenn dann auch noch die Babysitterin zum wahren Teufel wird. Für Eltern, die noch irgendwie Vertrauen zu ihrem Babysitter haben wollen, ist dieser Film daher wirklich nichts.

Dan (Chris Beetem) und seine Frau Joyce (Susan Pourfar) wollen ihren Hochzeitstag feiern und engagieren deswegen eine Babysitterin. Üblicherweise macht das die junge Maggie (Elizabeth Jayne Hong), doch die hat an diesem Abend keine Zeit und empfiehlt ihre Freundin Anna. Papa Dan holt dann die Sitterin (Sarah Bolger) ab, die auf die drei Kinder Jacob (Joshua Rush), Sally (Carly Adams) und den kleinen Christopher (Thomas Bair) aufpassen soll. Doch kaum sind die Eltern aus dem Haus wird „Anna“ sehr merkwürdig. Der 11-jährige Jacob verliert seine anfängliche Verliebtheit gegenüber der Sitterin, schnüffelt in ihren Sachen und findet heraus, dass diese Anna in Wirklichkeit Emelie heißt… und das sie definitiv nicht zum Babysitten da ist.

Hinter dem hübschen Gesicht steckt ein widerliches Monster

Vorweg will ich sagen, dass „Emelie“ allgemein gesagt ein sehr unangenehmer Film ist, der zu Beginn wirklich sehr merkwürdig ist und man sich die ganze Zeit fragt, warum das alles passiert. Emelie erlaubt den Kinder beispielsweise, die Wände zu bemalen oder aus Mamas Kissen Kostüme zu basteln, denn wahre Kreativität braucht Zerstörung. Da denkt man noch, dass sie vielleicht eigentlich wirklich nur eine coolere, wenn auch leicht durchgeknallte Sitterin ist, die Jacob Unmengen an Keksen essen lässt. Doch dann fängt sie vorsichtig an, die Türen zu verriegeln, verfüttert Sallys Hamster an Jacobs Schlange verfüttert und zeigt den Kindern am Ende ein privates Sex-Video der Eltern. Mit einem extrem unangenehmen Gefühl im Magen sitzt man da so vorm Fernseher und fragt sich eigentlich zwei Dinge: „Warum tut Emelie das?“ und „Warum tue ich mir so einen kranken Scheiß eigentlich an?“

Frage Nummer 2 erklärt sich an der Neugier, die Antwort zu Frage 1 zu erfahren. Das Problem an „Emelie“ ist nur, dass die Antwort selbst ihr Verhalten auch nicht erklärt. Ich will an dieser Stelle etwas tun, was ich sonst nicht gerne mache und euch die Antwort verraten… es tut mir Leid, aber ich kann nicht anders meinem Verdruss über diese blöde, blöde Story Luft machen. Emelie möchte aus Gründen, die ich euch nicht verraten möchte, Christopher entführen. Bleibt doch trotzdem die Frage, warum sie die Kinder dann mit privaten Sex-Videos der Eltern und toten Haustieren foltern muss. Soll sie die doch einfach ins Bett schicken, gerne auch mit Valium in der Einschlafmilch, und dann das Kind entführen. Das hätte irgendwo noch Sinn ergeben. Warum diese Tortur für die Kinder (und auch für den Zuschauer) sein muss, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Das war so unnütz und einfach nur da, um einem ansonsten sehr belanglosen Film wenigstens ein bisschen was zu geben, woran man sich später noch erinnern kann.

Nach der großen Auflösung fällt „Emelie“ dann aber in ein dunkles, schwarzes Loch – da Anna / Emelie den Strom ausstellt, um Christopher im Dunkeln wegzuschaffen. Blöd nur, dass Jacob das nicht zulassen will und in bester „Kevin – Allein zu Haus“-Manier versucht, seine Geschwister zu retten. Das Problem ist nur, dass man dann im Film einfach mal gar nichts mehr erkennen kann. Regisseur Michael Thelin schickt uns förmlich blind ins große Finale, aber zu dem Zeitpunkt war mir das dann auch schon relativ egal… einfach weil ich immer noch nicht mit dem ganzen Rest dieser blöden Story klar kam.

Schauspielerisch muss ich jedoch sagen, ist „Emelie“ schon echt gut. Vor allem die drei Kinder-Darsteller waren wirklich erstaunlich gut und sehr natürlich. Gerade bei dem kleinen Thomas Bair, der Christopher spielt, hatte ich das Gefühl, dem hat niemand gesagt, dass das hier ein Film ist. Der war echt sehr, sehr putzig. Sarah Bolger, die große böse Anti-Babysitterin, war auch sehr gut. Sie war wirklich sehr gruselig, weil man anfangs halt nicht weiß, warum sie so merkwürdig ist.

Darstellerisch ist „Emelie“ ein guter Film, der Rest ist widerlich und unangenehm und zum Ende hin einfach nur schwer zu erkennen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (nie wieder Babysitter!)

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4 Kommentare leave one →
  1. 14. August 2017 08:01

    Habe ich letztes Jahr auf dem Fantasy Filmfest gesehen und vergessen, bis ich dein Review las. Kurz nachgeschaut: ich hatte auch 5 Punkte vergeben. Für mehr als einen spannenden Trailer reicht es bei dem Film leider nicht.

    • donpozuelo permalink*
      14. August 2017 14:25

      Eben. Danke. Idee an und für sich fies genug, um interessant zu sein. In der Durchführung hapert es dann aber doch extrem

  2. 14. August 2017 10:28

    Joa so doll war er nicht, komischerweise kann ich mich aber auch nach über einem Jahr noch an den Film erinnern. Das ist nicht immer der Fall :))

    • donpozuelo permalink*
      14. August 2017 14:26

      Es ist auch einer dieser Filme, an den man sich definitiv noch lange erinnern wird. Eben allein wegen des Anfangs und all der merkwürdigen Sachen, die Emelie mit den Kindern macht.

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