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Der Revolvermann

11. August 2017

Stephen King war der Schriftsteller, der mich in die Literatur für Erwachsene eingeführt hat. Mein erstes Buch von ihm war „ES“, danach habe ich mich dann systematisch einfach durch alles gearbeitet, was der Mann geschrieben hatte. So kam es dann auch dazu, dass ich irgendwann anfing, seinen großen Fantasy-Epos „Der Dunkle Turm“ zu lesen – und eigentlich mochte ich das Western-Fantasy-Setting immer sehr. Doch hatte ich das gleiche Problem wie mit jeder lang laufenden Reihe… irgendwann wird die Zeit zwischen den einzelnen Romanen so groß, das man viele Sachen schon wieder vergessen hat und dann eine Weile braucht, um wieder alles zu verstehen. Und gerade Kings „Der Dunkle Turm“ ist auch noch so komplex verwoben mit verschiedenen Zeitlinien und vor allem den unterschiedlichen Werken von King selbst. Richtig geärgert hat mich die Reihe dann mit Band 4 „Glas“, der Füllerfolge von „Der Dunkle Turm“, in der eigentlich nicht wirklich viel von Interesse (für mich) erzählt und die ganze Geschichte mit einem riesigen Flashback verlängert wurde. Danach hatte ich noch mehr Schwierigkeiten, mich mit Kings Epos anzufreunden. Als er dann später noch selbst in der Geschichte auftauchte, hielt ich ihn schon ein bisschen für größenwahnsinnig… und über das eigentliche Ende der Reihe will ich gar nicht erst sprechen, enttäuschte mich das doch nur noch mehr.

Als ich dann hörte, dass ausgerechnet „Der Dunkle Turm“ verfilmt werden sollte, war ich dementsprechend skeptisch – mehr als nur skeptisch. Zumal ja aufgrund des sehr merkwürdigen Endes der Buch-Reihe beim Film immer wieder von einer Fortsetzung anstatt einer reinen Adaption gesprochen wurde. Was aber auch nur alberner PR-Talk ist, um Fans zu beruhigen, falls der Film nicht ganz so ist, wie sie es erwartet haben. Tatsächlich vermischt der Film Geschichten aus drei verschiedenen Büchern zusammen und es entsteht ein etwas halb-garer Fantasy-Mix mit immerhin zwei guten Darstellern.

Der Junge Jake (Tom Taylor) hat in seinen Träumen Visionen von einem Dunklen Turm, der von einem Mann in Schwarz (Matthew McConaughey) angegriffen wird. Dabei wird der Mann in Schwarz von einem Revolvermann namens Roland (Idris Elba) verfolgt, der ihn stoppen will. Jakes Eltern halten ihn für verrückt, doch als Jake eines Tages ein Portal in eine andere Welt findet und dort auf Roland stößt, weiß er, dass er Recht hatte – und zudem in großer Gefahr schwebt, denn der Mann in Schwarz hat es auf Jake abgesehen.

Gut gegen Böse…

Erstaunlicherweise ist „Der Dunkle Turm“ nach knapp 90 Minuten schon wieder vorbei. Ich hatte ja tatsächlich mit einem Mammut-Projekt von zweieinhalb bis drei Stunden gerechnet, aber zum Glück entschied sich Regisseur Nikolaj Arcel bei seiner „Fortsetzung“ der Reihe dagegen. So frühstückt er das erste großen Zusammentreffen zwischen Roland und dem Mann in Schwarz ziemlich rasch ab, was seine Vor- und Nachteile hat.

Vorteil ist, er verliert sich nicht zu sehr in Kings verwirrender Fantasy-Welt. „Der Dunkle Turm“ ist ein Film, der Fans der Reihe mit kleinen Easter Eggs und Hinweisen auf Figuren und Orte der Romane füttert, aber Nicht-Fans nicht im Regen stehen lässt. Der Film funktioniert, ohne das man auch nur eine Zeile aus „Der Dunkle Turm“ und seinen Nachfolgern gelesen hat. Ein weiterer Vorteil der kurzen Laufzeit ist aber auch, dass Arcel sich nicht in zu vielen Erklärungen aufhängt. Man wird eigentlich sofort in die Geschichte geworfen und muss halt auch einfach mal ohne große Erklärung hinnehmen, dass der Mann in Schwarz das Zentrum der Universen, den Dunklen Turm, kaputt machen will, um alle Welten ins Chaos zu stürzen. In einem Hollywood, das mittlerweile jeden kleinen Scheiß ausführlich erklären will, ist das irgendwie ganz angenehm. „Der Dunkle Turm“ hat einen klaren Bösewicht, einen klaren Helden und los geht’s.

Die Action in „Der Dunkle Turm“ sieht ziemlich gut aus. Revolvermann Roland ist scheinbar bei Angelina Jolie in „Wanted“ zur Schule gegangen und kann wunderbar mit seinen Waffen umgehen. Überhaupt liefert Idris Elba einen tollen Revolvermann ab, der vom Schicksal arg geplagt ist und alles versucht, den Mann in Schwarz zu vernichten. Der wird von einem tollen Matthew McConaughey gespielt, der sichtlich Spaß daran hat, endlich mal einen richtigen Bösewicht zu spielen, der allmächtig zu sein scheint. Nur der junge Tom Taylor passt nicht so wirklich zu diesen beiden.

Doch „Der Dunkle Turm“ ist bei weitem nicht perfekt… sondern irgendwo recht mittelmäßig. Der ganze Film schreit förmlich nach einer „Direct-to-DVD“-Veröffentlichung, wären da nicht die beiden großen Namen auf dem Poster. Die Geschichte ist trotz der Kürze recht unbefriedigend erzählt und was ich ehrlich gesagt am schlimmsten fand, war die Tatsache, dass wir nie so richtig in dieser Fantasy-Welt von Roland und dem Dunklen Turm verweilen. Arcel baut eine tolle Welt auf, aber so wirklich Platz bietet er ihr nicht. Es muss halt alles schnell, schnell gehen. Dem fällt dann auch das große Finale zum Opfer, in dem ein als allmächtig aufgebauter Mann in Schwarz recht simpel an seinem großen Plan gehindert wird.

Emotional holt einen „Der Dunkle Turm“ zu keiner Zeit wirklich ab. Es ist halt so ein typischer Gut-gegen-Böse-Film ohne stark in die Tiefe zu gehen. Elba und McConaughey spielen zwar gut, aber die Story gibt ihnen einfach nicht wirklich viel, mit dem sie arbeiten können. Sie sind ein bisschen verschenkt, will ich damit sagen. Gerade, wenn sie mal in unserer Welt sind, wirkt das sehr plump und es gibt viele Szenen, die witzig sein sollen (weil dieser Fremde in unserer Welt ein bisschen überfordert ist), die man sich aber auch hätte sparen können.

„Der Dunkle Turm“ ist einer dieser Filme, den man einfach nicht zwingend im Kino gesehen haben muss. Zuhause im Heimkino reicht vollkommen aus, so viel hat der Film dann doch nicht zu bieten.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ich sehe schwarz für den Dunklen Turm und seine Fortsetzungen)

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