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Die Ratte des FBI

2. August 2017

„Die Sopranos“ lieben ihre Tiere. In der ersten Staffel badete eine kleine Enten-Familie im Pool der Sopranos. Jetzt in der fünften Staffel taucht auf einmal ein echter Bär auf – gerade zu dem Zeitpunkt, als die Familie in Trümmern liegt. Man könnte sicherlich ausreichend darüber diskutieren, philosophieren und palavern, was diese Tier-Symbolik zu bedeuten. Ich finde es tatsächlich einfach nur spannend, scheinen die Tiere doch immer ein wenig auf Tonys Innenleben anzuspielen. Erst die Enten, als er versucht, seine Familie in den Griff zu kriegen, dann der einsame Bär, der für Ärger sorgt. Keine Ahnung, Interpretationen sind hier wahrscheinlich viele möglich. Aber egal, willkommen in „Die Sopranos“ Staffel 5!

Nach der großen Trennung im Finale von Staffel 4 müssen sich Tony (James Gandolfini) und Carmela (Edie Falco) mit der neuen Situation erst einmal zurechtfinden. Was natürlich besonders für Nervensäge Anthony Junior (Robert Iler) zu einem Problem wird und aus ihm eine noch größere Nervensäge macht. Dazu kommt die Entlassung mehrerer „Familienmitglieder“ – darunter unter anderem Tonys Cousin Tony Blundetto (Steve Buscemi). Außerdem gerät Adriana (Drea de Matteo) immer mehr in Bedrängnis vom FBI (daher die Ratte aus dem Titel), was für sie und Christopher (Michael Imperioli)

Cheers!

 

Staffel 5 hatte für mich seine Höhen und Tiefen… und das mehr noch als die anderen Staffeln bisher. Aber selbst mit einigen Hängern sind und bleiben „Die Sopranos“ immer noch aufregende und spannende TV-Unterhaltung. Mein vielleicht größtes Problem hatte ich mal wieder mit der ganzen Dr. Melfi-Geschichte. Gleich in der ersten Folge macht Tony ihr große Avancen… für genau eine Folge verfolgt er sie ein bisschen hartnäckiger, sie stößt ihn ab und das war’s dann auch schon wieder. Ganz ehrlich, ich habe manchmal das Gefühl, dass die Macher Melfi zu Beginn der Serie eingeführt hatten und später nicht mehr so richtig wussten, was sie mit ihr machen sollen (und ja, ich spiele auch wieder auf die immer unnötiger erscheinende Vergewaltigung in Staffel 3). Ich muss ja gestehen, ich hätte es ganz interessant gefunden, wenn sie Melfi und Tony ein bisschen länger in „Liebeskonflikt“ gebracht hätten. So verstreicht diese Folge und Melfi gerät wieder in den Hintergrund.

Dafür gibt es ja wieder ein paar neue Gesichter… und mit Steve Buscemi auch wieder ein recht bekanntes. Anfangs hatte ich so meine Schwierigkeiten mit seinem Tony, aber mit der Zeit gefiel er mir dann doch ganz gut. Letztendlich wird er für ein schönes, trauriges Beispiel dafür, dass man der Familie nicht entkommen kann. Er versucht zwar redlich, auf legitime Art und Weise sein Leben zu leben, scheitert aber doch ziemlich schnell… eine interessante, nicht zu vernachlässigende Perspektive auf diese kleine Mafia-Familie, die so noch nicht in der Serie thematisiert wurde und deswegen ziemlich spannend war.

Doch wie schon in Staffel 4 gehört Staffel 5 für mich auch den Frauen. Und da wieder einmal Edie Falco und Drea de Matteo. Carmelas Geschichte ähnelt eigentlich fast schon ein bisschen der von Steve Buscemis Tony. Sie bekommt jetzt endlich ihre Freiheiten, muss nur leider auch schnell ihre Grenzen erkennen. Man ist halt nicht einfach die Frau eines mächtigen Mafiosi und legt das dann sofort ab. Der Name Soprano liegt wie ein riesiges Feld aus Stolpersteinen vor ihr… und lässt ihr am Ende eigentlich nur eine Möglichkeit. Ich fand’s toll, dass sich Carmela zumindest mal ein kleines bisschen ausleben durfte. Ich fand’s toll, ihre Gewissensbisse mitzuerleben… und ich fand’s interessant, dass ich ihr auf der einen Seite gewünscht habe, Tony zu „entkommen“ und auf der anderen eben nicht. Carmela ist für mich dann doch die First Lady of Crime, auch wenn sie sich dessen vielleicht gar nicht so bewusst ist.

Die hübscheste Ratte seit langem

Noch dramatischer und aufwühlender war jedoch Adrianas Geschichte. Ich weiß gar nicht, wo mir mehr der Atem stockte: als es diesen merkwürdigen Moment zwischen ihr und Tony gibt (was für Christopher zum Problem wird) oder als sie Christopher von ihren Spitzel-Aktivitäten berichtet oder als sie am Ende im Auto sitzt… dieser FBI-Aspekt passte auch extrem gut in die Handlung und war auch langsam echt nötig. Das FBI immer nur so als kleine Nebenrolle darzustellen, hat nicht so ganz gepasst. So war es krass, es kam mit ordentlich Wumms… und ließ mich schockiert und fassungslos zurück.

Ja, Staffel 5 war auch wieder gut. Vielleicht für mich bisher die schwächste, aber dennoch eine würdige Sopranos-Staffel. Wenn ich ehrlich sein soll, will ich gar nicht, dass die Serie aufhört. Aber jetzt wartet nur noch Staffel 6 auf mich… was echt schade ist. Ich werde die Sopranos schon jetzt vermissen. Und die sechste Staffel ganz besonders genießen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (es möge das große Finale kommen!!!)

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