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Raumstation Alpha

24. Juli 2017

Comic-Verfilmungen gibt’s ja mittlerweile wie Sand am Meer – nur das man das Gefühl hat, das Meer geht weiter zurück wegen all dem Sand. Ich muss gestehen, dass selbst bei mir erste Ermüdungserscheinungen auftreten. Noch nicht wirklich bei den aktuellen Sachen (sonst hätte ich „Wonder Woman“ und „Spider-Man“ nicht so gefeiert), aber wenn ich all die Nachrichten über noch mehr neue Comic-Verfilmungen höre, denke ich mir schon: „Irgendwann reicht’s auch!“ (obwohl ich den angekündigten Doctor-Doom-Solo-Film noch durchaus interessant finde 😉 ). Aber die Schwemme an diesen Film hört nicht auf, wird nur mehr und mehr und mehr und mehr… und jetzt kommt noch ein neuer Film dazu, dieses Mal aber aus Europa und von Alt-Meister Luc Besson, der sich seinen Kindheitstraum erfüllt und die französische Comic-Reihe „Valerian und Veronique“ als „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ verfilmt hat.

Raumstation Alpha fing 2020 als kleine Station im Orbit der Erde an, Jahrhunderte später ist Alpha zu einer riesigen schwebenden Stadt im All geworden – der Stadt der tausend Planeten, wo sich zig Millionen verschiedene Lebewesen aufhalten. Doch Alpha ist in Gefahr… und die Agenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) müssen herausfinden, wie sie Alpha retten können.

Mein Gesicht beim Gucken

Ich war ja sehr skeptisch, was „Valerian“ anging. Die Trailer sahen zwar super aus, aber Luc Besson hatte bei mir nach dem Fiasko „Lucy“ erst einmal alle Karten verspielt. Es gruselt mich immer noch ein bisschen, nur an diesen Film zu denken – der eigentlich hätte gut sein können, aber am Ende zu sehr in absoluten Quatsch abdriftete. Doch „Valerian“ sah schon ein bisschen anders aus, der Trailer versprach die Titelgebenden tausend Planeten in einer Stadt, ich hoffte also einfach mal, dass Besson diese Welten auch wirklich zeigen würde. So richtig überzeugt hat mich dann ein Trip in dem Comic-Laden, wo ich mal in einen „Valerian“-Comic schaute. Jede Seite, jedes Panel lief ja über vor bunten Farben, faszinierenden Wesen und großen Welten. Bei so einer Grundlage kann man doch eigentlich nicht viel falsch machen, oder???

Kann man tatsächlich nicht. Und kann auch ein Besson nicht, der ja schon mit „Das fünfte Element“ gezeigt hat, dass er Sci-Fi-Welten eigentlich ganz gut kann – und „Valerian“ ist genau das. Das letzte Mal habe ich so fasziniert auf eine Kino-Welt gestarrt, als ich das erste Mal James Camerons „Avatar“ im Kino gesehen habe. Optisch ist „Valerian“ die Wucht. Die Planeten, die wir mit Valerian und Laureline besuchen oder die Orte in der Raumstation – es sieht alles verdammt gut aus. Ich fühlte mich auch an das erste Mal „Star Wars“ gucken zurückerinnert (eine Reihe, die offensichtlich auch sehr von den „Valerian“-Comics profitiert hat). Der Film liefert Augenschmaus pur, man kann sich nicht satt sehen und es gibt überall noch was Neues zu entdecken. Rein optisch ist „Valerian“ echt eine Comic-Verfilmung, die man gesehen haben muss.

Doch Optik allein reicht ja nicht aus, die Story muss auch noch stimmen – nur wird es hier leider ein bisschen schwierig. „Valerian“ fängt da sehr viel versprechend an: Luc Besson liefert eine kurze Vorgeschichte zu Alpha, entführt uns dann in eine aufregende Welt und nimmt uns anschließend auf eine erste Mission von Valerian und Laureline mit. Das Tempo passt – wir verweilen immer lange genug an einem Ort, um ihn besser kennen zu lernen, die Charaktere werden gut aufgebaut. Die Geschichte ist spannend, ist doch das Mysterium, was Alpha bedroht, verwoben durch ein Ereignis, dass auch unmittelbar mit Agent Valerian zusammenzuhängen scheint (ich will nichts verraten, aber das ist gut gemacht). Der Film lebt vor allem durch die charmanten Darsteller, die eine umwerfend gute Chemie haben. Dane DeHaan finde ich ja eh super, und tatsächlich ist auch eine Cara Delevingne, die ich bisher eigentlich nur aus „Suicide Squad“ kanne, ziemlich cool und überzeugt als schlagfertige Agentin.

Leider ist es dann das entscheidende letzte Viertel, dass „Valerian“ ins Wanken bringt. Bis dahin hat die Action begeistern können, haben die Welten faszinieren können, hat die Geschichte unterhalten können. Bis zu diesem Zeitpunkt ist „Valerian“ perfektes Unterhaltungskino – rasant, spaßig und umwerfend gut anzuschauen. Dann kommt aber das große Finale… hier verliert der Film enorm von seinem Tempo. Wir müssen Sherlock-Holmes-artige Erklärungen ertragen, wer jetzt wie und wo wofür verantwortlich war. Und dabei sind das Dinge, die wir schon wussten, ist die Story doch recht offensichtlich. Dennoch erschien es Besson wichtig, uns das trotzdem alles noch einmal zu erklären. Nach toller Action und viel Abenteuer kommen am Ende einfach nur die Reden – das wäre nicht nötig gewesen.

Dennoch hoffe ich, dass „Valerian“ nicht das gleiche Schicksal erleidet wie einst „John Carter“: Das sind beides tolle Filme gewesen, die tolle Welten erschaffen haben und von denen ich durchaus gerne mehr sehen würde. Und „Valerian“ hat ja über 30 Jahre Comic-Stoff, aus dem man sicherlich noch ein paar gute Storys machen kann.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein tolles Sci-Fi-Spektakel mit einem schwachen Finale)

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9 Kommentare leave one →
  1. 24. Juli 2017 11:47

    Für meinen Geschmack passen Delevingne und DeHaan nicht optimal zusammen, vielleicht auch, weil ich Valerian einfach männlicher im Kopf habe. Clive Owens Figur war auch nicht gerade dankbar, aber Ethan Hawke war großartig 🙂
    Diese endlosen Erklärungen für Dummies sind furchtbar, aber wer weiß, wer ihm da reingeredet hat. Der Film war teuer und Besson hat sicher nicht das alleinige Sagen gehabt.
    Insgesamt gefiel mir der Streifen aber auch gut.

    • donpozuelo permalink*
      25. Juli 2017 08:36

      Heißt das, du kanntest die Comics, wenn du sagst, du hattest Valerian männlicher im Kopf? Oder war das einfach nur deine Erwartung? Ich mochte die beiden, ich mochte auch DeHaan in der Rolle. Zu männlich-macho hätte ich da auch nicht so gut gefunden.

      Und ja, Clive Owens hatte echt eine sehr undankbare Rolle. Da erkennt man schon im Trailer, wer er am Ende ist und so wirklich viel konnte er daraus auch nicht machen. Hawke mochte ich dafür auch sehr, obwohl der mir viel zu kurz kam.

      • 25. Juli 2017 08:47

        Ja klar, dank meines Bruders wurde ich in meiner Kindheit regelmäßig mit Zack-Heften versorgt und Valerian und Veronique war ja einer der dort veröffentlichten Comics.

        • donpozuelo permalink*
          25. Juli 2017 20:32

          Sehr cool. Ich habe jetzt zum ersten Mal einen Blick in die Comics geworfen. Sehen schon ziemlich cool aus, da werde ich sicherlich noch ein bisschen weiterlesen.

          Aber gut, wenn man die Vorlage kennt, ist es wahrscheinlich eh immer schwerer mit der Adaption (vor allem der filmischen) klar zu kommen.

        • 26. Juli 2017 06:59

          Ein großer comicsüchtiger Bruder hat durchaus seine Vorzüge wie ich heute feststelle. Die Hefte habe ich geliebt.

        • donpozuelo permalink*
          26. Juli 2017 22:03

          Das glaube ich dir sofort.

  2. 24. Juli 2017 19:11

    So furchtbar fand ich Lucy gar nicht. Vielleicht waren meine Erwartungen aber auch ganz niedrig… Der hat gut unterhalten

    • donpozuelo permalink*
      25. Juli 2017 08:38

      Ah… nein… „Lucy“ fand ich ganz, ganz schwierig. Nette Ideen, aber miserable Umsetzung. Da hatte ich mir echt so viel mehr von erhofft.

Trackbacks

  1. Valerian – Kritik – Filmexe – Blog über Filme und Serien

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