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Happy Hunting!

21. Juli 2017

Lang nicht gesehene Filme und die Erinnerung an sie – das ist schon so eine Sache. Ich erinnere mich noch gut, daran, dass ich auf langes Drängen eines meiner besten Freunde „Scream“ guckte – mit ihm zusammen, dem großen „Scream“-Fan. Und dann ist das ja immer so eine Sache: Man schaut mit einem Über-Fan einen Film und wenn er einem dann nicht gefällt, kommt man ein wenig in Bedrängnis. So ging es mir zumindest bei „Scream“: Ich konnte mit dem Film überhaupt nichts anfangen und überlegte schon die ganze Zeit, was ich am Ende sagen würde. Zum Glück kam dann heraus, das mein Kumpel selbst auch irgendwie überrascht war, wie wenig gut der Film am Ende gewesen ist. Nicht nur deswegen durchforste ich ja im Moment mein DVD-Regal und schaue mir so ein paar der alten Filme an, die ich früher abgöttisch geliebt habe. Bei den Action-Krachern wie „Face / Off“, „The Rock“ und Co. hat das ja alles gut funktioniert… jetzt dachte ich mir, ich packe mal „Cruel Intentions“ aus.

Sebastian Valmont (Ryan Phillippe) ist – salopp gesagt – eine richtiger Schwerenöter, vor dem niemand sicher ist. Niemand außer seiner Stiefschwester Kathryn (Sarah Michelle Gellar). Doch dann macht sie ihm ein verführerisches Angebot: Schafft er es, die keusche Tochter des Schuldirektors, Annette (Reese Witherspoon), zu verführen, darf er mit Kathryn schlafen. Doch Annette wurde vorgewarnt und so hat Sebastian ganz schön an dieser Aufgabe zu knabbern.

Sebastian Grinsebär freut sich

Es ist wirklich gefühlte Ewigkeiten her, dass ich „Cruel Intentions“ gesehen habe. „Cruel Intentions“ war mir aber dennoch gut in Erinnerung geblieben – als sexy Film, als stylischer Film, als ziemlich mutiger Film. Nach gefühlten Ewigkeiten ist der Film zum Glück auch immer noch genau das – mit kleinen Abstrichen.

Sexy ist der Film immer noch, wenn auch manchmal etwas sehr plump in den Versuchen, sexy zu sein. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, das ich älter geworden bin und mehr über das, was ich da schaue nachdenke, aber manche „sexy“ Szenen wirkten auf einmal nicht mehr so unbedingt „sexy“. Sebastians Verführung von Cecile (Selma Blair) zum Beispiel ist nicht mehr ganz so aufregend, wie ich es noch in Erinnerung hatte. Dieses „Ich möchte dich küssen, aber nicht auf den Mund“ erschien mir früher als verdammt cooler Spruch, mittlerweile fand ich’s dann doch etwas… dämlich. Oder auch die ganze Story zwischen Sebastian und Kathryn… gerade in den Momenten, wo sie ihn wirklich ein bisschen heiß macht, war das für mich auch ein bisschen Fremdschämen. Jetzt weiß ich nicht, ob ich prüde geworden bin auf meine alten Jahre, aber so richtig gezogen haben viele dieser „sexy“ Momente einfach nicht mehr.

Es ist auf jeden Fall aber immer noch ein stylischer Film. Aber gut, ist ja auch nicht schwer – wir bewegen uns in der High Society, die sind stets grandios gut angezogen, sehen immer perfekt aus und ganz ehrlich, ich will Sebastians Auto.

Buffy and the Legally Blonde

Mal abgesehen davon, dass „Cruel Intentions“ ein bisschen was von seinem Sex-Appeal für mich verloren hat, ist es immer noch ein großartiger Film. Großartig vor allem wegen der Darsteller und dem Drehbuch. Man merkt dem Film nicht wirklich an, dass er auf einem Roman aus dem Jahr 1782 basiert, denn irgendwie schafft es Regisseur (und Drehbuchautor) Roger Kumble mühelos, dass wir ihm das hier alles sofort abkaufen. Dass diese „spoiled rich kids“ sich die Zeit anders vertreiben als wir Normalos. Dass diese ungeliebten Kinder so sinn- und rücksichtslos mit den Gefühlen anderer spielen. „Cruel Intentions“ ist nicht einfach nur ein „sexy“ Film, es ist auch eine tragische Geschichte… bei der ich am Ende tatsächlich auch ein bisschen Mitleid mit Kathryn habe. Klar ist Sebastian unser tragischer Held (und allein als mein Namensvetter fühle ich noch ein bisschen mehr mit ihm), aber Kathryns Absturz beschäftigt mich jedes Mal überraschenderweise sehr viel mehr. Dieses Bild am Ende, wenn sie auf dem Schulhof vor ihren Klassenkameraden steht und die sie alle entsetzt anschauen – da ist ein Gott vom Olymp gefallen. Ich kann es nicht genau definieren, aber ein bisschen tut selbst sie mir Leid. Sie hat ja auch niemand wirklich je geliebt und das hat aus ihr irgendwann diese kalte Frau, diesen eiskalten Engel gemacht. Ich will sie gar nicht so wirklich in Schutz nehmen, aber irgendwie doch ein bisschen…. keine Ahnung 😀

Wie man es auch sehen mag, „Cruel Intentions“ ist schon immer noch verdammt super. Sarah Michelle Gellar ist eine großartig kaltblütige und hinterhältige Eiskönigin. Ryan Phillippe ein perfekter Schönling, der sich wandelt. Reese Witherspoon ist der im Kampf der Monster gefangene Engel… nur mit Selma Blair kann ich nach so langer Zeit nicht mehr wirklich viel anfangen. Ihre Cecille war mir dieses Mal dann doch zu dumm und naiv. Man möchte sie nehmen und sie wachrütteln und ihr sagen: „Denk doch mal für fünf Sekunden nach!!!“

„Cruel Intentions“ ist trotz meiner Einwände ein toller Film geblieben, ein extrem direkter Film mit tollen Darstellern, einem großartigen Soundtrack und merkwürdigerweise zu vielen Fortsetzungen, von denen ich keine einzige gesehen haben.

Wertung: 9 von 10 Punkten (die eiskalten Engel wirken zwar nicht mehr ganz so sexy, sind aber immer noch verdammt sehenswert)

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8 Kommentare leave one →
  1. 21. Juli 2017 06:49

    Ein toller Film mit, wie du schon schreibst, einem super Soundtrack! Sollte ich auch mal wieder gucken…

    • donpozuelo permalink*
      21. Juli 2017 17:52

      Ist auf jeden Fall wieder guckbar 😉

  2. 23. Juli 2017 08:25

    Hatte auch Mitleid mit ihr und glaube, dass das so beabsichtigt war und sie die eigentlich tragische Figur ist, die ja aus ihrem Leben komplett rausgerissen wird und nur das hat.Toller Film, stimme dir da zu.

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2017 19:27

      Ah, sehr schön. Zustimmung 😀 Das freut mich. Ja, am Ende ist sie wirklich die tragischste Figur von allen, weil sie auch nichts gelernt und sich nicht weiter entwickelt hat. Aber wie soll sie auch? Es war ja auch niemand da, der sich um sie gekümmert hat.

      • 24. Juli 2017 18:50

        Übrigens auch eine sehr schöne Frauenfigur generell. Gedankensprung: Habe gestern die Mumie mal wieder gesehen und war überrascht, wie gut doch Evelyn wegkommt und wie wenig man das aktuell zu sehen bekommt.

        • donpozuelo permalink*
          25. Juli 2017 08:37

          Ja, früher haben sie irgendwie noch bessere Frauenrollen geschrieben als heute… und das obwohl heute so sehr darauf geachtet wird. Sehr merkwürdig

        • 30. Juli 2017 14:54

          Das habe ich genauso gedacht. Andersrum ist es mir früher überhaupt nicht aufgefallen, wenn eine Frauenfigur stark war, zumindest nicht so bewusst in diesem Kontext.

Trackbacks

  1. Jazz ist nicht tot! | Going To The Movies

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