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Futter für den Geier

14. Juli 2017

Wenn ich ein Ranking von meinen Lieblingssuperhelden angeben müsste, dann wäre Spider-Man unangefochten die Nummer 1. Danach kämen so erst die anderen. Spidey war aber immer das Beste. Er ist ein wesentlich zugänglicherer Superheld, weil er eigentlich fast normal ist. Er ist kein Gott, er ist kein Alien, er ist nicht superreich. Er ist ein Teenager, der Sorgen an der Schule hat, der Sorgen mit den Mädchen hat, der Sorgen zu Hause hat. Er ist nachvollziehbarer als manch anderer Superheld. Und wenn ich ganz ehrlich sein darf, ich mochte seine Spiele für die PlayStation immer am meisten. Ich weiß noch, wie sehr ich das Spiel „Spider-Man 2“ rauf und runter gezockt habe: ewig lange keine wirklichen Aufgaben erfüllt, aber New York per Netzschwung erforscht. Das hat was, das ist cool. Spidey ist cool.

Allerdings hat Spidey es auf der Film-Leinwand auch nicht wirklich einfach. Erst ist Tobey Maguire dran – und nach drei Filmen ist auf einmal Schluss. Dann taucht plötzlich kurze Zeit später Andrew Garfield auf, erzählt uns noch einmal die gleiche Geschichte, macht seine Sache wider Erwarten doch recht gut, aber auch da ist nach zwei Filmen dann alles wieder vorbei. Und auch wenn ich eigentlich wirklich fast jeden Spidey-Film mochte (ja, „The Amazing Spider-Man 2“ mochte ich wirklich), wollte die freundliche Spinne von nebenan nie so richtig funktionieren. Womit wir dann bei Versuch Nummer 3 wären: mit wieder einem neuen Gesicht, wieder einem Neuanfang!

„Spider-Man: Homecoming“ setzt direkt nach den Ereignissen von „Captain America: Civil War“ an: Peter Parker (Tom Holland) ist heiß darauf, ein waschechter Avenger zu werden, doch Tony Stark (Robert Downey Jr.) hält den Teenager hin. Der solle erst einmal Schule machen und einfach so ein bisschen für Recht und Ordnung in der Nachbarschaft sorgen. So gibt sich Peter dann als Spider-Man die allergrößte Mühe, immerhin hat er auch Spaß daran, seine Kräfte auszutesten. Seine Chance sieht er gekommen, als er auf Adrian Toomes (Michael Keaton) trifft, der als mechanischer Geier Raubzüge begeht, um alte Chitauri-Technik zu steheln, um damit Waffen herzustellen.

Er hängt hier nur so rum

Sein Kurzauftritt in „Civil War“ war schon ein kleines Fest. Da konnte man den jugendliche Dynamik, das Frech-Dreiste, das Übermutige in dem jungen Peter Parker in jeder Sekunde spüren. Qualitäten, die sich in „Homecoming“ wieder zeigen. Da hockt ein Peter ungeduldig im Unterricht, wartet auf die letzte Schulklingel, um endlich Spider-Man zu werden. In seinem Ambitionen, sich wild und ohne groß nachzudenken, in jedes Abenteuer zu stürzen, hat mich dieser neue Spider-Man ein bisschen an Diana Prince aus „Wonder Woman“ erinnert. Der neue Peter Parker hat nicht – wie seine Vorgänger – ein Problem mit seinen zwei Identitäten. „Homecoming“ wird kein Shakespeare-Drama a la „Hamlet“. Peter weiß hier genau, wer er ist und was er sein möchte und er setzt alles daran, es auch so umzusetzen. Wie Diana in „Wonder Woman“ will er nicht lange warten, er will helfen… im Gegensatz zu Diana will Peter aber auch Spaß haben, und den hat er auch.

„Spider-Man: Homecoming“ macht in erster Linie auch wirklich einfach nur Spaß. Weil ein Tom Holland sichtlich Spaß daran hat, Spider-Man zu sein und weil ein Peter Parker sichtlich Spaß daran hat, Spider-Man zu sein. Dazu kommt, dass dieser Peter Parker mal wirklich mehr wie in den Comics ist. Er hat seine verzweifelte Liebe an der Schule (die bezaubernde Laura Harrier als Liz), er hat seinen besten Freund Ned (Jacob Batalon, ein dicker, witziger Sidekick, der aber zum Glück nie so wirklich zum Klischee wird – außer vielleicht, wenn er und Peter ihren ewig langen geheimen Handschlag machen), er jongliert Schule mit Superhelden-Arbeit mit seiner Tante May. Es ist wie „Ferris macht blau!“ (der sogar auf wunderschöne Art und Weise im Film zitiert wird) mit Superkräften, es ist ein bisschen „Breakfast Club“. „Homecoming“ ist manchmal fast mehr Teenie-Komödie als Superhelden-Film, was das Ganze sehr unterhaltsam macht – zumal die Darsteller einfach alle wunderbar mit einander harmonieren.

Weiterer Pluspunkt: „Homecoming“ ist kein „Iron Man 4“, was meine größte Befürchtung war, nachdem Robert Downey Jr. Auf jedem Poster und in jedem Trailer äußerst präsent gezeigt wurde. Iron Man / Tony Stark hat kurze, aber wichtige Auftritte, die aber Peter Parker aber nie die Show stehlen. UND: Michael Keaton ist tatsächlich endlich mal wieder ein guter Marvel-Schurke. Er ist nachvollziehbar in seinen Anfängen, erbarmungslos in seinen Ausführungen und sympathisch-unheimlich. Er ist ein bisschen wie Alfred Molina als Doctor Octopus in „Spider-Man 2“, nur halt weniger tragisch und wirklich sehr viel gemeiner. Keaton, der hier nach „Birdman“ endlich mal wirklich ein Birdman sein darf, ist großartig.

Ich glaube, ich kann es nicht mehr verbergen, ich habe „Spider-Man: Homecoming“ geliebt. Es ist ein toller Spidey-Film, der zum Glück nichts von Spinnenbissen oder toten Onkels erzählt, sondern einfach mal davon ausgeht, dass das nach fünf Filmen nun auch wirklich jeder kapiert haben muss. Regisseur Jon Watts hat einfach verdammt viel Spaß mit dem Film, vereint gekonnt Teenie-Komödie mit Superhelden-Film und Tom Holland hat einfach nur Spaß. Hoffen wir mal, dass dieser Spidey nun ein bisschen länger im Dienst bleibt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Versuch Nummer 6 hat es nun endlich mal wirklich richtig gut gemacht)

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9 Kommentare leave one →
  1. 14. Juli 2017 16:57

    Versuch Nummer 6 hat es nun endlich mal wirklich richtig gut gemacht

    Im Gegensatz zu Spider-Man 2?

    • donpozuelo permalink*
      16. Juli 2017 21:13

      Tatsächlich ein bisschen schon. Ich liebe Spider-Man 2, aber ich finde „Homecoming“ hat die ganze Peter-Parker-Geschichte für mich noch ein bisschen runder hinbekommen.

  2. 28. Juli 2017 17:00

    Hmmmmm das klingt ja ziemlich gut, aber irgendwie bringe ich es nicht über mich für den Film ins Kino zu gehen. Das liegt zum Einen an der Superhelden-Verdrossenheit, die inzwischen auch mich befällt, zum Anderen aber auch einfach daran, dass sie es mit den Remakes übertreiben. Auch wenn du sagst, dass sie hier einige der alten Storys auslassen. Irgendwie haben sie mit der dritten Verfilmung des Stoffs in so kurzer Zeit für mich irgendwie den Bogen überspannt.

    • donpozuelo permalink*
      28. Juli 2017 17:27

      Ja, Spider-Man hat es echt nicht leicht. Aber ich muss wirklich sagen, dieser Film fühlt sich wie ein zweiter Teil zu „Spider-Man“ an… ein Teil ganz ohne Origin-Story. Von daher fand ich das wirklich gut, dass Onkel Ben und Co. nicht noch einmal vorgekommen sind.

      Was die Verdrossenheit angeht, kann ich dich aber durchaus verstehen. Wäre Spider-Man nicht so ein bedeutender Held meiner Kindheit hätte ich es mir vielleicht auch stark überlegt, den Film zu gucken.

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