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Die Transformers der Tafelrunde

10. Juli 2017

Es gibt keine Entschuldigung, keine Erklärung. Nichts, was mein Verhalten entschuldigen könnte. Mir ist das Ganze auch unendlich peinlich – so peinlich, dass ich schon überlegt habe, meine Schmach und Schande gar nicht erst öffentlich Preis zu geben. Aber vielleicht muss ich mich selbst vorführen und die Schmährufe ertragen, um es endlich zu lernen. Wer weiß, vielleicht bin ich wirklich ein Junkie und auf irgendeine tief, tief unterbewusste Art und Weise süchtig danach. Aber wonach? Mich selbst leiden zu sehen? Es kann ja nur das sein. Ein normaler, klar denkender Mensch würde doch schneller lernen. Ich erinnere mich an das englische Sprichwort: „Fool me once, shame on you! Fool me twice, shame on me!“ Doch wenn man schon vier Mal so richtig krass verarscht wurde, warum lässt man sich dann noch ein fünftes Mal auf etwas ein, von dem man eigentlich weiß, dass es nur furchtbar werden kann? Ist das schon wie diese Beziehungen, in der ein Partner den anderen schlägt, misshandelt und quält, aber man dennoch nicht loskommt? Bin ich etwa die Harley Quinn zu Michal Bays Joker?

Vier Filme hat er gemacht und kein einziger davon hat mir je wirklich gefallen. Doch kaum kommt er mit einem fünften Teil – „Transformers 5: The Last Knight“ – um die Ecke hocke ich trotz langem Hin und Her am Ende doch auf einmal im Kino und lasse mich von dieser gequirrlten Scheiß umspülen. Einmal mehr wird die Erde bedroht, dieses Mal von Quintessa, einer Magierin / Gottheit, die mitsamt dem halb zerstörten Planeten Cybertron zur Erde kommt, um die Erde zu vernichten und Cybertron wieder zur vollen Blüte zu bringen. Auf der Erde gibt es ein Artefakt, dass zur Vernichtung beitragen kann: Der Stab von Merlin. Jupp… Michael Bay geht in die Vollen und scheißt auf alles. Die Transformers kämpften schon mit Merlin und jetzt geht es noch einmal so richtig zur Sache.

Der Film in einem Bild zusammengefasst

Es fängt an, wie mit jedem Transformers-Film, den ich je gesehen habe (und ich habe sie ja zu meiner Schande wirklich alle gesehen): Die ersten paar Minute habe ich noch Hoffnung. Stanley Tucci als Merlin am Anfang war ja tatsächlich sogar noch irgendwo ein bisschen witzig. Der komische Transformer-Drache mit drei Köpfen sah auch noch cool aus (und man musste nicht so lange auf ihn warten wie auf die Dinobots in Teil 4)… aber Michael Bay kann einfach keine Story mehr in der Hand halten. Statt tatsächlich dieses absurde Fantasy-Element irgendwie aufrechtzuerhalten, verfällt er wieder in alte Muster.

Die Hoffnung stirbt mit jeder fortschreitenden Minute mehr und mehr. Das Gewusel an Transformers wird größer und größer, mein Interesse schwindet und schwindet. Diese Charaktere werden einfach nie zu Charakteren. Sie sind nur großes Spielzeug, das laute Geräusche macht und schön bunt ist und cool aussieht. Den Fantasy-Kram darf man erst einmal ein Weile vergessen, stattdessen kommt so Transformers-Apokalypse. Ein paar der typischen Kämpfe, ein paar debil-dumme Sprüche und das war’s. Mark Wahlberg versucht zwischendurch genau das Gleiche, geht aber in diesem Wust an CGI-Metall-Bergen wie jeder andere menschliche Charakter unter. Stattdessen versucht man einfach noch mehr auf die kindliche Naivität anzuspielen: Da gibt’s dann ein paar Baby-Dinobots und einen BB8-Abklatsch-Transformer, der sicherlich einen guten Merchandise-Artikel abgibt.

Irgendwann kehrt man dann auch zu dieser Fantasy-Geschichte zurück… und ab diesem Punkt versucht ein Michael Bay dann britisch zu sein – inklusive dem Versuch, britischen Humor zu kopieren, was so richtig grandios in die Hose geht. Dass ein Anthony Hopkins wirklich so große Sorgen und ein so geringes Selbstwertgefühl hat, sich auf diese Rolle in diesem Film einzulassen, ist unfassbar (aber hey, wer bin ich, ihn zu verurteilen?). Aber Hopkins und sein Roboter-Butler-Sidekick sind leider auch extrem grenzwertig. Immerhin führen sie den üblichen Transformers-Film wieder zurück zu diesem ganzen Fantasy-Quatsch mit Merlin, der Tafelrunde, Stonehenge, bla bla bla. Ein bisschen mehr Verschwörungstheorie und wir hätten das Galileo Mystery Team rufen können.

Roboter mit Schwert

Die Story ist also mal wieder keine wirkliche Story, sondern so Episoden-Zeug, von dem Bay glaubte, es wäre cool (deswegen gibt’s dann auch diese fünf Minuten mit Nazis vs. Transformers). Die Action wird wie in den Vorgängern so öde und langweilig. Es ist einfach nur laut und unübersichtlich, hektisch und unkoordiniert – ein Wirrwarr aus Pixeln, das einen mehr und mehr verwirrt und nervt. Dazu dann halt noch der „britische“ Humor, oder was Bay dafür hält, eine Gruppe von Darstellern, die auch nicht hätten da sein müssen. Oben drauf gibt es Laura Haddock, die ihre Brüste und Beine schön zur Schau stellen kann…

Es war zu erwarten, es ist genau so eingetroffen und trotzdem war ich da, um davon berichten zu können. Es war dumm, langweilig, zwischendurch hatte ich arge Mühe, die Augen offen zu halten und danach habe ich mich schmutzig gefühlt. Weswegen ich gleich noch einmal „Wonder Woman“ gucken gegangen bin, um mich reinzuwaschen.

Wertung: 3 von 10 Punkten (ich hoffe, ich kann den Entzug nun endgültig schaffen und mir sowas ersparen)

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14 Kommentare leave one →
  1. 10. Juli 2017 13:11

    Hopkins hält Michael Bay ja für ein Genie, da ist es doch kein Wunder, dass er mal in einem seiner Filme mitmacht.

    Ich fand ja nebenbei den ersten Transformers sogar recht okay. Klar, kein Meisterwerk, aber da war das alles eben noch etwas zurückhaltender und die Transformers wirkten noch wie Charaktere, weil es eben auch nicht 3000 davon gab, wie dann in den Fortsetzungen. Megan Fox ist natürlich das Grauen und der Film mindestens ne halbe Stunde zu lang, aber immerhin hat der mich weniger gelangweilt, als man vermuten sollte. Teil 2 war dann wirklich richtig übel und der Dritte existiert halt auch und bringt das Kunststück fertig, Megan Fox durch jemanden mit noch weniger Talent zu ersetzen. Danach hatte ich dann aber auch die Schnauze voll von der Reihe. Habe auch das Gefühl, alles gesehen zu haben, was es da zu sehen gibt.

    • donpozuelo permalink*
      10. Juli 2017 13:35

      Ist das so mit Hopkins? War mir gar nicht bewusst. Dann muss der gute Mann ja doch so richtig benebelt sein.

      Und ja, es gibt nichts mehr zu sehen, man kann ja ohnehin schon kaum noch was in den Schlachten erkennen. Die Transformers werden mehr und mehr – und das war’s. Inszenatorisch wie erzählerisch ist das die Luft einfach wirklich raus.

      Aber es scheint immer noch genügend Leuten wirklich zu gefallen. Im Kino saßen hinter uns ein paar Leute, die mehrmals laut gelacht und den ganzen Film sehr gefeiert haben.

      • 10. Juli 2017 14:15

        Hat er tatsächlich so gesagt. Bay sei ein Genie und gleichzusetzen mit Spielberg, Stone, Scorsese usw.

        Ist auch okay, wenn die Leute daran Spaß haben. Mir fehlt da einfach das richtige „Gen“, um mich immer wieder fast drei Stunden auf diesen Mumpitz einzulassen. Das kann man mal machen, aber 5 Teile davon brauchte wohl wirklich niemand. Ich sags mal so: Es wäre wohl kaum jemand am heulen gewesen, wenn man nach zB Teil 3 aufgehört hätte. Interessant wäre vielleicht, wenn man mal jemand anderen das Ruder übernehmen lassen würde, aber da Hollywood ja mittlerweile komplett im Michael Bay Modus schwelgt, nützt das ja dann auch nix mehr. Also halte ich mich wohl einfach weiter davon fern.

        • donpozuelo permalink*
          10. Juli 2017 14:19

          Gleichzusetzen mit Spielberg, Stone und Scorsese. Uff, das muss aber jemand schwer auf Droge gewesen sein 😀

          Mir fehlt das Gen auch, aber ja, vielleicht hätte jemand anderes als Regisseur besser funktioniert. Jemand, der sich weniger auf CGI stützt und auch mal eine richtige Story erzählen kann.

        • 10. Juli 2017 14:24

          Ja, aber wie gesagt: Wo findet man den noch in Hollywood? Oder anders gefragt, wenn lassen die Studios sowas noch machen? Es ist doch mittlerweile wirklich fast alles nur noch CGI-Geballer, mit ein paar Leuten, die zwischendurch auch mal durchs Bild hüpfen dürfen.

        • donpozuelo permalink*
          10. Juli 2017 14:37

          Das ist wohl wahr. Gerade bei den großen Filmen ist das kaum noch weg zu denken

        • 10. Juli 2017 14:49

          Eben. Ist nun mal der momentane Style. Mit etwas Glück ändert sich das in 10 Jahren wieder, aber bis dahin müssen wir wohl noch so einiges ertragen.

  2. 11. Juli 2017 11:48

    Nett geschrieben. Und dennoch: Selber Schuld 😀
    Vielleicht hätte Hopkins seine Karriere auch schon vor ein paar beenden sollen…

    • donpozuelo permalink*
      12. Juli 2017 07:51

      Ich weiß, dass ich selber Schuld bin. Und ja, diesen Film hätte sich Hopkins echt sparen können.

  3. 16. Juli 2017 13:09

    Psssst. Ich hab bisher auch alle Teile gesehen (nur den hier noch nicht, da ich mich nicht im Kino erwischen lassen will)…

    • donpozuelo permalink*
      16. Juli 2017 21:14

      Sehr gut. Ich bin also nicht der Einzige. Und keine Sorge, dein Geheimnis ist bei mir sicher 😀

  4. 22. Juli 2017 11:07

    Ok … also manchmal hat man eben Bock auf ein Guilty Pleasure. Manchmal auch auf eins, dass kein Pleasure ist. Ich habe neulich beispielsweise Swept Away gesehen. Das hat sogar etwas Spaß gemacht, einfach nur weil man denkt „Oh man da hat Guy Ritchie versucht es zu retten“ oder „Kann mir mal bitte einer Erklärung woher die Reaktion jetzt plötzlich kommt?“
    Also von daher würde ich dich nicht verurteilen 😉
    Aber Anthony Hopkins … dass der sich für den Scheiß hergibt … ich weiß nicht.
    Aber ob du es glaubst oder nicht, jetzt wo ich von Roboter-Butlern und Merlin lese, finde ich zwar, dass das nach totalem scheiß klingt, aber irgendwie bin ich jetzt trotz deiner Bewertung neugierig geworden XD

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2017 19:26

      Hahaha… ja, spätestens bei Merlin wäre ich auch neugierig geworden. Ich mag ja eigentlich diese ganze Artur-Saga. Aber dieser Merlin taucht nur in den ersten paar Minuten auf und wird dann höchstens noch erwähnt. Von daher sollte man den Film nicht wegen ihm schauen. Und der Robo-Butler war einfach nur anstrengend.

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