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Ein Brief von John Lennon

3. Juli 2017

Al Pacino… stand für mich immer auf einer Stufe mit Robert De Niro. Beides große tolle Darsteller, die einfach nur toll waren – und deren Filme mich schon früh beeindruckt haben. Ich gebe zu, dass De Niro für mich vor Pacino kam, aber letzten Endes hat das auch nichts zu bedeuten. In meiner frühen Anfangsphase des Guckens von „Erwachsenenfilmen“ gehörte für mich so ziemlich alles von Pacino und De Niro auf den Bildschirm… und ganz ehrlich, Leute fragen mich oft, wen ich gerne mal zu einem Interview treffen würde (da ich ja dank meines Jobs öfter mal die Gelegenheit habe, mit großen und weniger großen Stars zu sprechen) – De Niro und Pacino stehen da immer noch ganz vorn auf der Liste. Nur machen beide ja leider kaum noch wirklich Filme. De Niro noch ein bisschen mehr, aber dafür ist das Meiste, was er jetzt noch macht, leider nicht wirklich gut. Pacino hat sich da noch ein bisschen rarer gemacht, weswegen ich ehrlich gesagt, immer wieder froh bin, mal was Neues von ihm zu entdecken.

So geschehen mit dem Film, der einmal mehr mit einem furchtbaren, schrecklichen und albernen deutschen Titel belegt wurde: „Mr. Collins‘ zweiter Frühling“ (der schlichtere Original-Titel „Danny Collins“ hätte es ja eigentlich auch getan). Hinter diesem Titel, der wie die schlechte Liebesromanze eines alten Mannes klingt, steckt ein bisschen von einer wahren Geschichte: Pacino spielt den einst erfolgreichen Sänger Danny Collins, der mittlerweile einfach nur noch Best-Of-Konzerte spielt und mit alten Hits alte Fans aus dem Häuschen bringt. Ein bisschen Koks, ein bisschen Alkohol, eine viel zu junge Freundin: Collins ist der perfekte alternde Rockstar. Bis zu dem Tag, an dem er einen Brief erhält – einen Brief, den John Lennon vor 40 Jahren an den jungen Collins schrieb, einen Brief, den Collins nie bekam. Auf Grund Lennons Worte will Collins sein Leben umkrempeln. Er sagt seine Tour ab und fährt nach New Jersey, um im Hilton-Hotel von Managerin Mary (Annette Benning) neue Lieder zu schreiben und um seinen Sohn Tom (Bobby Cannavale) zu sehen, den er noch nie getroffen hat.

They lost his little friend…

„Danny Collins“ (ich verweigere einmal mehr den deutschen Titel) basiert lose auf der Geschichte des Sängers Steve Tilston, der tatsächlich mit reichlich Verspätung einen Brief von John Lennon bekam. Das alles dient aber nur als Vorlage für einen Film, den sich die Hilton-Hotel-Kette wohl mal eben so gegönnt hat. Ganz ehrlich, so viel Hilton gab es seit „One Night in Paris“ nicht mehr in einem Film zu sehen. Collins schreibt seine Texte auf den Blöcken des Hilton, schreibt seine Texte mit Stiften, auf denen fett das Logo des Hilton prangt… gleich zum Anfang schwenkt die Kamera langsam und ruhig über das Interieur von Collins‘ Suite, und wir erfahren, wie toll der Service im Hilton doch so ist.

Schaut man über das „vorsichtige“ Hilton-Product-Placement hinweg, das sanft mit dem von Mercedes Benz garniert wurde, findet man da aber die Geschichte eines Mannes, der sein Leben umkrempeln will. In gewisser Weise passt das mit dem „zweiten Frühling“ also schon… und ganz ehrlich, große Überraschungen darf man von „Danny Collins“ jetzt auch nicht erwarten. Der Film folgt den üblichen Klischees: erst ist Sohnemann skeptisch, dann kauft reicher Daddy sich ein bisschen Liebe, es gibt ein paar Probleme, blablabla… Story-technisch betrachtet wäre „Danny Collins“ ein echtes Schnarchfest, das durch keine einzige Innovation glänzt oder dem Zuschauer ein bisschen Aufregung bietet. Alles, was man hier zu sehen bekommt, hat man schon tausendmal gesehen. Man weiß genau, wie das Ganze enden wird…

Trotzdem ist aus diesem Film ein sehenswerter und vor allem sehr charmanter Film geworden – und das wiederum verdanken wir einem wirklich umwerfenden Al Pacino. Jetzt könnte man natürlich meinen, den alternden Star braucht er nicht mehr spielen, der ist er ja eh schon. Aber Pacino hat eine angenehme Leichtigkeit in seinem Spiel, ob er nun mit Annette Benning flirtet, der Frau seines Mannes (Jennifer Garner) nett zuredet… Pacino ist ein Charmeur, dem man gerne zu sieht. Er ist ein sympathischer Kerl, dem man wünscht, er hätte Lennons Brief früher bekommt, dem man aber auch wünscht, dass sein zweiter Frühling glücklich endet, dem man wünscht, er findet seine Muse und findet neue Musik. Denn Pacino zeigt uns auch die Tiefen in diesem zweiten Frühling… und hier zeigt sich dann wieder der Pacino, der ohne große Worte eine tiefe Emotionalität darstellen kann. Es gibt eine Szene im Film, die mich echt schwer begeistert hat… darin will Danny Collins eigentlich seinen neuen Song spielen, der in dem so viel Herzblut steckt, aber das Publikum will sein altes Zeug hören… und man sieht in Pacinos Gesicht all dieses Leid, die Verzweiflung, die Frustration, die Resignation. Pacino bleibt ein toller Schauspieler und rettet diesen Film (zusammen mit seinen nicht weniger umwerfenden, aber nicht so starken Ko-Stars) vor der Mittelmäßigkeit.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Pacino altert mit seinen Rollen und es steht ihm gut)

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