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Wer tötete Laura Palmer?

30. Juni 2017

Es ist ja bekanntlich Revival-Zeit in Hollywood. Nicht nur Filme bekommen Remakes, Reboots und was weiß ich nicht, auch bei Serien herrscht rege Wiederbelebungsaktivität. Da wird einfach alles, was irgendwann mal beliebt war, wieder ausgepackt. Die alten Stars werden zusammengetrommelt, in der Hoffnung, sie mögen die Fans von damals wieder vor die Bildschirme locken. „Akte X“ hat es gemacht (und bekommt ja jetzt sogar eine neue Staffel), die „Gilmore Girls“ haben es auch gemacht… und die Beispiele könnte man beliebig fortsetzen. Und jetzt im Mai kommt der nächste große Kult-Klassiker, der ein Revival bekommt: David Lynchs „Twin Peaks“…

Zu meiner großen, nicht wieder gut zu machenden Schande muss ich gestehen, noch nie „Twin Peaks“ gesehen zu haben. Ich wusste nicht wirklich, wer diese Laura Palmer überhaupt ist oder warum sie mich interessieren sollte. Ich war so halbwegs damit vertraut, dass Kyle MacLachlan einen FBI-Agenten spielt, der Laura Palmers Tod in der Kleinstadt „Twin Peaks“ aufklären soll… und ich hatte gehört, dass diese Serie, wie es sich für einen David Lynch gehört, ziemlich verrückt sein soll. Und ja, ich wollte die Serie schon immer mal schauen, hatte sie eigentlich immer im Hinterkopf als die Kult-Serie, die ich dringend nachholen muss… doch es kam immer was dazwischen. Doch jetzt so kurz vor knapp vor dem Revival habe auch ich es endlich geschafft, mir „Twin Peaks“ anzuschauen.

Twin Peaks könnte auch Silent Hill sein

Was soll ich sagen? Die erste Staffel hat mich ein wenig perplex zurückgelassen. Perplex, aber nicht weniger fasziniert. Ich hatte alle David-Lynch-Filme im Kopf, die ich so kenne. Ich hatte all die Stimmen im Kopf (manchmal hören sie einfach nicht auf), die mir erzählten, wie verrückt „Twin Peaks“ ist… und dann fing die erste Folge an, mit dieser extrem chilligen Intro-Musik, zu der ich eine alte Fabrik sehe, in der Sägeblätter angefertig werden. Die Musik plätschert ruhig und unaufgeregt vor sich her, in merkwürdigem Grün erscheinen die Namen der Darsteller, ein Schild sagt: „Welcome to Twin Peaks“… das sieht alles nicht nach goßer Mystery-Serie oder sonst was aus. Das fühlt sich mehr an als würde ich gleich eine alte Soap-Opera gucken.

Erste Verwirrung stiften Lynch und sein Kollaborateur Mark Frost allein schon durch dieses kultige Intro… das dennoch auch etwas über die Serie aussagt. Denn ein bisschen ist die erste Staffel auch Soap Opera. In dieser Stadt, in diesem Postkarten-Motiv von einer kleinen Bergstadt, in der eigentlich nur schöne Menschen leben, betrügt jeder jeden. Es gibt keine Person, die nicht irgendwas im Schilde führt, es gibt kein Paar, das sich nicht betrügt, es gibt scheinbar nicht eine aufrichtige Person in diesem Ort… außer FBI-Agent Dale Cooper.

Und auch die Rolle von Cooper ist so wunderbar skurril: Er liest perfekt jeden Menschen und weiß sofort, was los ist. Er steht auf Kaffee und ist sich nicht zu schade, guten, schwarzen Kaffee auch laut zu würdigen. Er liebt Süßes, ob nun Donuts, die Sheriff Truman (Michael Ontkean) immer bereit haben muss oder der Pie in Laden von Norma (Peggy Lipton). Er ist ein willkommener Fremdkörper, die einzig gute Seele in „Twin Peaks“ und ein herrlich skurriler Vogel. Kyle MacLachlan mit den stets perfekt gegelten Haaren, dem Anzug – ein Traum von einem FBI-Agenten, bei dem ich jetzt mittlerweile gut erkennen kann, woher Chris Carter sich seinen Fox Mulder zusammengestellt hat.

Kuuuuuuuchen

Gemeinsam mit ihm suchen wir also nun den Mörder von Laura Palmer (Sheryl Lee), die zu jedem in „Twin Peaks“ in irgendeiner wichtigen Beziehung stand. Und während Cooper ermittelt, versucht auch Lauras beste Freundin Donna (Lara Flynn Boyle) mehr über Lauras Tod herauszufinden. Und damit will ich jetzt nur einen weiteren bekannten Namen erwähnt haben… es würde den Rahmen sprengen, hier jeden einzelnen Charakter zu erwähnen. Ich will nur so viel sagen, „Twin Peaks“ bietet eines der besten Ensembles an, das mir je unter gekommen ist. Lynch und Frost bevölkern dieses beschauliche Städtchen mit den unterschiedlichsten Charakteren, sie überraschen uns immer wieder mit der Hinterlistigkeit einzelner Figuren. „Twin Peaks“ ist ein Ort, in dem niemand das ist, was er oder sie vorgibt zu sein. Es ist wirklich ein bisschen Soap Opera, aber immer wieder mit einem Twist, einer Wendung, die man nun wirklich nicht hat kommen sehen…

Die erste Staffel „Twin Peaks“ war für mich dann viel zu schnell vorbei – geguckt habe ich die acht Folgen an einem Tag und wollte einfach nur mehr: mehr von den Geheimnissen rund um Laura Palmer, mehr von den Geheimnissen aller Bewohner von Twin Peaks, mehr von Agent Cooper, mehr von diesem merkwürdigen Humor, mehr Mystery, mehr von allem.

Diese merkwürdig faszinierende Welt von „Twin Peaks“ mit dieser einlullenden Musik, den arglistigen Soap-Opera-Charakteren, mit dem Geheimnis um Laura, mit Dale Cooper hatte mich eigentlich ab der ersten Folge an vollkommen in ihrem Bann. Bleibt nur zu hoffen, dass das kommende Revival diesen Zauber auch wieder aufleben lassen kann. Ich muss jetzt aber dringend Staffel 2 weiter schauen…

Wertung: 10 von 10 Punkten (hier ist wirklich nichts, wie es scheint – die perfekte Mystery-Soap-Opera)

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11 Kommentare leave one →
  1. 30. Juni 2017 07:51

    Ja, die erste Staffel ist wirklich ziemlich perfekt. Die zweite wird dann teils ein wenig anstrengend. Dennoch viel Spaß damit… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      2. Juli 2017 21:52

      Danke, aber ja, das mit der zweiten Staffel merke ich gerade. Nach der Offenbarung, wer Lauras Mörder ist, zieht es sich ein bisschen wie Kaugummi.

  2. 30. Juni 2017 07:57

    Die erste Staffel ist wirklich fast perfekt. Alleine die erste Folge, wenn die Nachricht vom Tod Laura Palmers die Runde macht, da hat man schon einen Kloß im Hals, obwohl man keine der Figuren kennt. Ganz großes Kino!

    Hatte David Duchovny schon seinen Auftritt? Er hatte ja schon vor Akte X eine FBI Vergangenheit…

    • donpozuelo permalink*
      2. Juli 2017 21:52

      Nope. In der ersten Staffel ist von Duchovny noch nichts zu sehen. Der kommt erst in Staffel 2.

  3. 30. Juni 2017 08:12

    Du hast die erste Staffel an einem Tag geguckt? Respekt! 😀 Mich hatte die Serie so richtig nach Coopers ersten Auftritt, als er im Auto Richtung Twin Peaks sitzt und Diane etwas auf sein Diktiergerät spricht. Für mich eines der besten Figurenintros aller Zeiten.

  4. 2. Juli 2017 17:52

    Douglastannen! ❤

    Aber Hawk ist doch auch eigentlich auch jemand ohne Dreck am stecken. Nicht nur Dale ist ein Herzchen.

    • donpozuelo permalink*
      2. Juli 2017 21:53

      Stimmt. Hawk und Andy und so einige andere. Sie haben nicht alle Dreck am Stecken, das stimmt 😉

  5. 18. September 2017 17:16

    Ha, cool, dass du es geschaut hast! 🙂 Habe auch kürzlich wegen der dritten Staffel einen Rewatch gemacht, da ich mich einfach an zu wenig erinnern konnte und den Hype irgendwie wieder aufleben lassen wollte. Vor ca. 6, 7 oder 8 Jahren muss ich die Serie gesehen haben und fand sie sehr verschroben und habe mich irgendwie an dem Soap-Opera-Teil gestört. Ich wollte auch ganz klar Mystery sehen … nun ja. Heute weiß ich, dass das zum Teil Satire ist mit dem ganzen Soap-Opera-Gedöhns und fand die Staffel viel viel besser als beim ersten Sehen. So kanns gehen …

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