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Rückkampf

23. Juni 2017

Ich bin wirklich niemand, der sich Sport-Events im Fernsehen anschaut. Hat mich noch nie groß interessiert – selbst Fußball ist so eine Sache, die mich nicht so wirklich locken kann. Umso mehr erwische ich mich fasziniert dabei, wie ich bei Sport-Filmen mitgehe – und jetzt besonders bei den „Rocky“-Filmen. Schon beim ersten Teil habe ich kaum noch ruhig sitzen können und habe es vor Aufregung kaum aushalten können, wirklich ruhig zu bleiben. Ich finde das faszinierend – würde ich mir einen normalen Box-Kampf anschauen, würde ich wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise so viel Energie dafür aufbringen. Aber Rocky Balboa schafft es beinah mühelos, selbst mich Sport-Guck-Muffel vom Hocker zu hauen. Und ich greife da schon einmal vorweg, bei „Rocky II“ erging es mir genauso.

„Rocky II“ setzt genau da an, wo „Rocky“ aufgehört hat: Creed (Carl Weathers) gewinnt den Kampf gegen Balboa (Sylvester Stallone), doch der Sieger der Herzen, wie es so schön heißt, ist Rocky. Der hat allerdings Schwierigkeiten, mit dem neuen Ruhm umzugehen, zumal er seiner Adrian (Talia Shire), jetzt sogar seine Ehefrau, versprochen hat, nie wieder zu Boxen. Aber Apollo Creed will jetzt unbedingt den Rückkampf – und nach nur kurzer Zeit willigt Rocky ein.

Nicht schubsen!

Ich mag Stallone als Rocky. Er ist ein einfacher Typ! Das macht ihn irgendwie sympathisch. Eigentlich ist er fast wie ein kleines Kind, was in „Rocky II“ auch noch sehr viel mehr betont wird. Er kann nicht gut lesen, er ist einfach gestrickt, wenn es um seine Wünsche und Träume geht. Ein Motorrad fänd‘ er cool und die Jacke mit dem fetzigen Tiger hinten drauf auch. Rocky Balboa ist ein charmanter Naivling, aber irgendwie ist es genau das, warum er als Underdog so gut funktioniert. Man gönnt ihm jeden kleinen Erfolg. Ich habe allein vor Glück gelacht, als er Adrian auf die unspektakulärste Weise einen Heiratsantrag macht. Es ist süß, die beiden sind süß und Stallone ist süß. Sorry, wenn ich das jetzt so über diesen Action-Star sage, aber sein Rocky ist irgendwie süß. Ein normaler Typ… man mag ihn einfach.

In Teil 2 wird einem das dann noch mehr deutlich, wenn man sieht, wie schwer er es hat, mit seinem neuen Ruhm klarzukommen. Das war eine schöne Note, die dieser Fortsetzung gut getan hat. So konnte man gut vertuschen, dass wir im Grunde eigentlich noch einmal den ersten Rocky gucken – wieder mit Trainingsmontagen (nur werden jetzt Hühner gejagt) und wieder mit der Laufsequenz und den Stufen. Allerdings – und das ist vielleicht der einzige Kritik-Punkt, den ich an „Rocky II“ so wirklich richten möchte – haben sie es dieses Mal extrem übertrieben mit der Laufsequenz. Im ersten Teil war das wirklich noch alles sehr cool gemacht, aber jetzt… jetzt laufen ihm gefühlt tausend Kinder hinterher, liefern sich Wettrennen und freuen sich bis zum klassischen Freeze Frame mit ihm über ihn. Das war mir dann tatsächlich doch ein bisschen zu viel, aber irgendwie mussten sie wohl die altbekannten Sequenzen aufwerten und da fiel ihnen wohl diese Kinder-Geschichte ein. Abgesehen davon ist die erste Hälfte von „Rocky II“ mitsamt seinen Schwierigkeiten, sein Leben auf die Reihe zu kriegen, sehr gelungen.

Die zweite Hälfte aber ebenfalls. Und dann einfach wieder dieser Kampf. Dieses Mal auch ein bisschen dramatisch-theatralischer in Szene gesetzt – ein paar mehr Zeitlupen für den Oh-Mein-Gott-Effekt, aber abgesehen davon ist auch der Rückkampf zwischen Creed und Balboa ein toller Boxkampf. Und endlich auch einer, der Rocky den verdienten Erfolg bringt. Ohne Scheiß, ich saß bestimmt drei, vier Minuten mit erhobenen Händen vorm Fernseher und habe Rocky gehuldigt. Ich habe mich selbst kaum wieder erkannt, aber dieser Rocky Balboa erwischt mich jedes Mal (bisher).

Stallone, der auch wieder das Drehbuch geschrieben und dieses Mal sogar Regie geführt hat, lebt in seinem Rocky richtig auf. Ich brauche immer noch für die ersten zehn, 15 Minuten Untertitel, um ihn wirklich zu verstehen, aber Stallone ist Rocky. Mehr noch Rocky als Rambo, wenn ich das mal so sagen darf. Ganz gut fand ich auch, dass dieser furchbare Paulie (in Teil 1 ja großartig arschig gespielt von Burt Young) jetzt ein wenig in den Hintergrund gerät und Talia Shire als Adrian noch stärker in den Vordergrund gerückt wird. Sie ist immerhin Rockys Muse, seine Motivation, sein Antrieb. Ich weiß allerdings auch nicht so ganz, wie ich ihre ganzen Schwangerschaftskomplikationen finden soll – das war mir auch fast ein bisschen zu dramatisch, zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt, um Rocky kurz einmal alles zu nehmen, ohne das es am Ende einen großen Effekt auf die Story an sich hat. Immerhin ist Rocky Jr. ein knuffiges Baby mit verdammt cooler Haarpracht.

Alles in allem eine coole Fortsetzung, die es an einigen Stellen etwas übertreibt, nicht mehr so ganz an den Vorgänger rankommt, aber dennoch verdammt sehenswert ist!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (der Underdog wird zum König!)

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3 Kommentare leave one →
  1. 24. Juni 2017 19:02

    Teil 4 ist der beste!

    • donpozuelo permalink*
      25. Juni 2017 22:10

      Oha… das ist doch mal eine Aussage. Da bin ich ja gespannt.

Trackbacks

  1. The Italian Stallion | Going To The Movies

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