Skip to content

Dirty Harry… und Sally

21. Juni 2017

Der Name Adam McKay hatte für mich bis vor kurzem keine wirkliche Bedeutung. Bis ich von einem Freund „Stiefbrüder“ ans Herz gelegt bekam. Da stand der Name Adam McKay für leicht debile, sehr alberne, aber tatsächlich auch sehr witzige Unterhaltung. Im weiteren Verlauf erfuhr ich dann, dass McKay ja auch noch so andere Perlen der Komödie geschaffen hat – wie „Anchorman“ , „Ricky Bobby“ oder „Die Etwas anderen Cops“. Somit hatte McKay für mich den Komödien-Stempel weg. Bis er dann auf einmal letztes Jahr mit „The Big Short“ um die Ecke kam, mir auf intelligente und amüsante Weise die ganze Finanzkrise erklärte und dafür auch noch den Oscar für das beste Drehbuch gewann. Jetzt war ich dann vollständig verwirrt. Und der gleiche Typ macht jetzt eine romantische Komödie??? Das musste ich sehen.

„Sleeping with other people“ heißt der Film und okay, McKay hat ihn nur produziert, aber trotzdem… es ist die Geschichte von Lainey (Alison Brie), die Probleme hat, sich zu binden. Ihren Verlobten betrügt sich ständig mit Dr. Matt Sobvechik (Adam Scott), den sie auf merkwürdige Art und Weise vergöttert. Und weil sie ein wenig Sex besessen ist. Weswegen man ihr empfiehlt, doch mal in eine Selbsthilfe-Gruppe zu gehen. Da trifft sie dann auf Jake (Jason Sudeikis), ebenfalls ein Typ mit Bindungsproblemen, der von einer Frau zur nächsten springt. Jake und Lainey hatten vor Jahren mal ihr erstes Mal miteinander und seitdem nie wieder was… und diese Beiden werden jetzt zu guten Freunden. Aber können Mann und Frau wirklich nur Freunde sein?

Pool Party…

Eine Frage, der sich ja auch schon Rob Reiner in „Harry und Sally“ stellte… und es ist nicht gerade wenig, was von „Harry und Sally“ in „Sleeping with other people“ steckt. Damit will ich nicht sagen, dass der Film ein modernes Rip-Off ist, sondern will viel mehr deutlich machen, dass der Film mal ein bisschen anders ist als die typische romantische Komödie. „Sleeping with other people“ kann wirklich was und ist dabei halt wirklich eine etwas versautere Version von „Harry und Sally“.

Außer der Tatsache, dass die beiden ihr erstes Mal mit einander haben, spielt Sex zwischen den Beiden erst einmal keine Rolle. Sie finden sich zwar attraktiv, reden aber doch mehr über das, was der Titel des Films vorschlägt: Sex mit anderen Leuten. Und dabei sind die beiden erfrischend ehrlich… und nehmen wirklich kein Blatt vor den Mund. „Sleeping with other people“ gelingt es dabei, diese Freundschaft zwischen Lainey und Jake glaubhaft aufzubauen… und gleichzeitig der RomCom treu zu bleiben. Denn natürlich erwartet man irgendwann, dass diese beiden besten Freunde zusammenkommen.

Bei all der Ehrlichkeit und dem guten Witz den „Sleeping with other people“ versprüht, hat der Film für mich dann am Ende doch ein kleines Problem. Nämlich das Ende. Es gibt so zwei, drei Momente im Film, an dem man einen Schlusspunkt hätte setzen können. Wäre das passiert, wäre „Sleeping with other people“ ein nahezu grandioser Film gewesen, weil die Macher die Eier in der Hose gehabt hätten, auf das klassische Happy-End zu verzichten. Aber die vielen Konjunktive lassen es ja schon erahnen, wir bekommen das klassische Happy-End, das leider ein bisschen zu kitschig und vor allem seinen Charakteren nicht so wirklich gerecht wird. Denn an diesem Punkt agieren die beiden wirklich einfach nur wie so billige RomCom-Charaktere. Da gewinnt für mich dann am Ende doch „Harry und Sally“ vor „Sleeping with other people“.

Aber das Ende macht den Film jetzt nicht kaputt. Wie gesagt, es ist mal eine ehrliche Komödie, die mit viel Charme, Ironie und gutem Wortwitz das Thema Männer und Frauen behandelt. Und dazu kommt natürlich auch das Pärchen vor der Kamera. Jetzt ist Jason Sudeikis nicht unbedingt das, was man sich unter einem Playboy vorstellen mag, aber er ist gut. Er ist charmant, er ist gerissen (gerade, wenn es um Frauen geht) und er hat auch diese liebenswerte Seite. Etwas stärker noch ist aber „Community“-Star Alison Brie, die auch immer ein bisschen mehr im Vordergrund steht. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich ihre Community-Annie vom Fleck weg heiraten würde und das trifft dann auch ein bisschen auf Alison Brie zu. Und da stört es natürlich nicht, dass sie sich in „Sleeping with other people“ von einer sehr freizügigen Seite zeigt. Aber sie jetzt nur darauf zu reduzieren, wäre fatal. Denn gerade ihre Lainey ist in diesem Film schon eine sehr tragische Figur, die einfach nicht mit ihrem Leben klar kommt. Eine Sache, die auch Jake mit ihr gemein hat. So formen sie eine Freundschaft nach dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid!“.

„Sleeping with other people“ dürfte jeden RomCom-Liebhaber überraschen, weil eben erst wirklich ganz zum Ende der wahre RomCom-Kram durchkommt. Und jeder RomCom-Hasser dürfte überrascht sein, wie geradeheraus dieser Film doch ist. Und „Harry und Sally“-Fans kriegen hier ein Update auf die Frage: „Können Männer und Frauen einfach nur Freunde sein“ (allerdings ohne Billy-Cristal-Monolog am Ende).

Wertung: 8 von 10 Punkten (Adam McKay hat halt doch ein Händchen für das etwas Skurrilere)

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: