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Dr. Jekyll und Mr. Fury

14. Juni 2017

Das Kino findet mehr Universen als es die NASA jemals könnte. Und mittlerweile wird dieses Heraufbeschwören von Kino-Universen immer dreister und dreister. Marvel hat es ja erst mit der Zeit wirklich das MCU genannt, selbst DC hat sich erst mit „Man of Steel“ und Co. dazu entschieden, sich jetzt das DCEU im Kino zu nennen und sogar bei „Kong“ und „Godzilla“ hat man einen erfolgreichen Film abgewartet, bevor man so etwas wie das „MonsterVerse“ kundgab. Bei Universal ist man da anders: Da ist man gleich mutig und sagt: „Wir starten jetzt das Dark Universe!“ Warum sie so forsch sind? Nun, sie nehmen sich die Monster, die Universal schon einmal sehr groß werden ließen – wie Dracula, Frankensteins Monster, den Wolfmann, den Unsichtbaren und und und… Deswegen also jetzt das „Dark Universe“, das Kino-Universum, in dem die klassischen Horror-Monster leben und in einer Welt existieren… den Einstieg soll dabei „Die Mumie“ machen – mit Tom Cruise. Doch ganz ehrlich, wenn das der Startschuss in ein neues Kino-Universum war, dann war es ein ziemlicher Schuss in den Ofen.

Die Geschichte ist schnell erzählt – vor Ewigkeiten gab’s mal eine ägyptische Prinzessin namens Ahmanet (Sofia Boutella), die war furchtbar böse und wollte den ägyptischen Gott Set heraufbeschwören. Bevor sie das konnte, wurde sie bei lebendigem Leib mumifiziert und begraben. In unserer Zeit stößt Schatzsucher / Grabräuber / Abenteurer Nick Morton (Tom Cruise) auf die Grabstätte und befreit Ahmanet. Er wird daraufhin verflucht, um ihr neuer Wirt für Set zu sein. Um dagegen anzukämpfen, trifft er auf Dr. Jekyll (Russell Crowe) und seine Mitarbeiterin Jennifer (Annabelle Wallis), die in einer geheimen Organisation arbeiten, die sich dem Studium und dem Kampf gegen Monster widmet.

Mission: Mummy

„Die Mumie“ ist echt sehr langweilig – man muss es einfach mal so knallhart sagen. Anfangs dachte ich noch: „Oh, die ganzen Leute, die alle so wegen diesem Film schimpfen, übertreiben doch!“… denn der Anfang war tatsächlich sogar noch recht cool inszeniert. Da macht Tom Cruise noch so ein bisschen einen auf Nathan Drake aus „Uncharted“: schießen, rennen, klettern und danach verborgene Schätze finden. Danach kommt der coole Flugzeug-Stunt, den man auch schon aus dem Trailer kennt und von dem Cruise überall in Interviews erzählt, dass der natürlich echt in Schwerelosigkeit gedreht wurde. Wow… Tom Cruise macht verrückte Sachen, verrückt!

Leider nimmt der Film danach konsequent ab, weil er leider nie so wirklich konsequent ist. Das Traurigste vorweg: Die Mumie wird in „Die Mumie“ mit jeder verbleibenden Minute nebensächlicher. Stattdessen taucht irgendwann Russell Crowe auf und führt sich ein bisschen wie Nick Fury bei den Avengers auf. Er macht uns den nervigen Erklär-Bär und labert halt einfach viel von Monstern und Monstern und Monstern. Es reicht nicht nur, dass der Film schon zu Beginn ein „Dark Universe“-Logo zeigt. Nein, Russell Crowe, dessen Geheimorganisation wahrscheinlich der Rote Faden dieses Universum sein soll, muss uns alles ordentlich und ausführlich erklären. Das macht zwar vielleicht ein bisschen neugierig auf die weiteren Filme (in denen Javier Bardem Frankensteins Monster und Johnny Depp den Unsichtbaren spielen soll), aber der „Mumie“ hilft das nicht wirklich weiter. Da verliert man mal eben sein Hauptmonster aus den Augen, um auf kommende Ereignisse vorzubereiten.

Sie hat ihren eigenen Film gesehen…

Dazu hilft es einfach auch nicht, dass dieser Film nie zu wissen scheint, welchen Ton er nun anschlagen soll. Es gibt Momente am Anfang des Films (wenn die Mumie noch nicht aussieht wie Sofia Boutella), die sind sogar ein bisschen unheimlich. Doch dann gibt es neben den langen Erklär-Momenten auch Momente merkwürdigen Humors, die dann wieder in sehr ernste umschlagen. „Die Mumie“ wäre gern Horror-Film, Abenteuer, Origin fürs „Dark Universe“ und Sommer-Blockbuster in einem und scheitert einfach daran. Eine stringente Story ohne den offensichtlichen „Dark Universe“-Stempel hätte einfach mehr Sinn gemacht.

Tom Cruise kann „Die Mumie“ dabei auch nicht wirklich retten, obwohl sie mit seinem Charakter zum Ende sehr merkwürdige Dinge anstellen, die ihn scheinbar auch für das lange „Dark Universe“ vorbereiten sollen. Cruise kann aber nicht so wirklich seinen Cruise-Charme spielen lassen, obwohl er immer noch das Beste am Film ist. „Kingsman“-Kampf-Amazone Sofia Boutella geht leider als Mumie dank ödem Hintergrund schnell unter und Annabelle Wallis ist leider nur hübsche Stichwortgeberin für Cruise. Crowe ging gerade noch, hatte halt nur sehr darunter zu leiden, eigentlich nur Mr. Exposition zu sein.

Mit „Die Mumie“ macht sich das „Dark Universe“ keinen Gefallen und man möchte schon Angst haben, dass dieses Universum hier untergeht, bevor es überhaupt erblühen konnte.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ganz ehrlich, dann lieber wieder „Die Mumie“ mit Brendan Fraser, die fand ich damals wenigstens noch sehr, sehr cool)

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8 Kommentare leave one →
  1. 14. Juni 2017 08:03

    Ich fand schon den Trailer ziemlich doof. Die Brendan-Fraser-Teile, gerade den ersten und mit Abstrichen den zweiten, mochte ich damals sehr gerne. Haben sich nicht ernst genommen und ein wenig Indy-Atmosphäre transportiert.

    • donpozuelo permalink*
      15. Juni 2017 21:23

      Gerade die Indy-Atmosphäre war, was mich damals so extrem angesprochen hat. Muss die auch mal wieder schauen.

  2. 14. Juni 2017 11:10

    Warum kann ich nicht Gefällt mir klicken? Strange.
    Jedenfalls teile ich deine EInschätzung. Ich habe mir als Trostpreis auch gleich nochmal die Mumie mit Fraser angesehen. Aber junge, junge, die Effekte sind nicht gut gealtert.

    • donpozuelo permalink*
      15. Juni 2017 21:22

      Strange. Bei allen anderen funktioniert es.

      Dass mit den Effekten bei der Fraser-Mumie kann ich mir gut vorstellen. Ich will mir die aber auch nochmal anschauen.

  3. 14. Juni 2017 18:00

    Oje… Das zieht jetzt aber schon runter 😔

    • donpozuelo permalink*
      15. Juni 2017 21:20

      Sorry. Aber der Film ist leider wirklich nicht gut.

  4. 18. Juni 2017 17:31

    Ich habe das mit dem Dark Universe irgendwie erst recht spät mitbekommen in den ganzen Film-Nachrichten. Anfangs dachte ich nur „Oh nein … warum müssen sie denn jetzt den Film mit Brendan Fraser remaken?? Denen ist ja nichts heilig. Was kommt als nächstes – ein Remake von Fluch der Karibirik. Damn“ und dann machte das mit dem Dark Universe schon Sinn. zu dumm nur, dass mein Antrieb den Film zu schauen fast gleich null ist … . Vielleicht wäre es auch einfach mal passend gewesen sich was Neues auszudenken oder zumindest nicht mit der Mumie zu starten, die jeder noch gut von Brendan Fraser kennt.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2017 19:01

      Ja… ich finde auch, sie hätten mit was Neuerem anfangen können. Vielleicht tatsächlich „Creature from the Black Lagoon“. Und das Ganze halt weniger als Blockbuster, sondern tatsächlich ernster und gruseliger. So wird sich jetzt Javier Bardem als nächstes als Frankensteins Monster beweisen müssen.

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