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Die Zurückgekehrten

5. Juni 2017

Wenn die Toten zurückkehren, dann wollen sie normalerweise gleich unser Hirn fressen. Oder auch andere Körperteile, denn so sind sie nun einmal – die lebenden Toten. Nichts als fressen im Kopf. Gut, mittlerweile hat selbst der klassische Zombie hier und da ein kleines Update bekommen. Jetzt sind Zombies nicht immer nur diese hirnlosen Hirnfresser, sondern können sich auch mal verlieben und so quasi wieder zum Mensch werden – wie die Teenie-Variante „Warm Bodies“ gezeigt hat. Oder die Toten kommen wieder und haben gar keine Ahnung, dass sie eigentlich tot waren – wie in der französischen Serie „Les Revenants“. Die mag ich ja sehr gern, weswegen ich auch dringend mal mit der zweiten Staffel anfangen muss. Aber um die Serie soll es jetzt mal gar nicht gehen… sondern um den Film. Aber nicht etwa um den Film zur Serie, sondern um den Film, auf dem die Serie basiert.

„Les Revenants“ von Robin Campillo lässt weltweit mehr als 70 Millionen Menschen plötzlich wieder auferstehen und „zurückkehren“. Dabei handeln es sich bei den Zurückkehrern jetzt aber nicht um blutrünstige Killer, nein, sie sind alle mehr oder weniger „normal“. Gut, sie bewegen sich etwas langsamer, ihre Körpertemperatur ist vier Grad kälter als bei gewöhnlichen Menschen, aber ansonsten erscheinen sie wie sonst auch. In einem nicht näher beschriebenen Städtchen tauchen 13.000 Totgeglaubte wieder auf… so auch Martha (Catherine Samie), die Frau des Bürgermeisters, der sechsjährige Sylvain (Saady Delas), der zu seinen Eltern zurückkehrt oder Mathieu (Jonathan Zaccai), der zu seiner Frau Rachel (Geraldine Pailhas) heimkommt. Doch so leicht fällt weder den Lebenden noch den Toten die Wiedereingliederung… zumal die Zurückgekehrten sich auf einmal nachts zu irgendwelchen Versammlungen in der Stadt treffen…

Wer die Serie gesehen hat, der erkennt die zahlreichen Parallelen zum Film sofort. Ob nun der kleine, schweigsame Junge (der in der Serie mit Swann Nambotin noch sehr viel unheimlicher und besser besetzt ist) oder der heimgekehrte Ehemann, der das Leben seiner Frau durcheinanderwirbelt – hier stimmt das „Basiert auf…“ bestens. Doch am liebsten hätte ich schon gewusst, wie „Les Revenants“ auch mich wirkt ohne die Vorkenntnis der Serie. Denn was die Serie natürlich viel besser hinbekommt als der Film ist die tatsächliche Darstellung der Schwierigkeiten zwischen den Lebenden und den Wieder-Lebenden. Natürlich hat so eine Serie auch viel mehr Zeit und somit auch mehr Möglichkeiten, spannende Geschichten aufzubauen, die herrlich verschachtelt miteinander verwoben sind. Im Film müssen wir uns mit zwei wichtigen Charakteren begnügen: Martha und Mathieu.

Während die „untote“ Frau des Bürgermeisters dafür steht, wie sehr diese „Untoten“ das Leben ihrer Familien durcheinander bringen, erfahren wir durch Mathieu mehr zum Umgang der Allgemeinheit mit den „Untoten“. Da wird über Integration und Eingliederung gesprochen, von den Optionen der Unterbringung, der Finanzierung und der Koordinierung der Massen an neuen „Zuwanderern“, dass man fast meinen möchte, Robin Campillos Film wäre gerade erst vor kurzem mit Einflüssen des aktuellen Zeitgeschehens gedreht worden (doch hat der Film mittlerweile schon stolze 12 Jahre auf dem Buckel). Das Ganze wird dann immer wieder mit der nötigen Prise Mystery gewürzt. Denn die „Untoten“ scheinen auch noch ihre eigenen Pläne zu verfolgen…

Und die Bilder, in denen sie in kleineren Mobs friedlich durch die Straßen wandern, sich in Büros treffen und Karten studieren oder einfach nur still im Badesee stehen und vor sich hin starren, haben eine wahnsinnig unheimliche Wirkung. Denn Campillo erklärt uns das Verhalten dieser friedlichen „Untoten“ nie. Es gibt immer wieder Versuche, ihr Verhalten zu erklären, aber warum sie zurückgekommen sind, bleibt äußerst spekulativ. Was gleichzeitig irgendwie sehr cool ist, andererseits auch ein bisschen frustrierend: „Les Revenants“ endet nämlich genau so mysteriös wie er angefangen hat und lässt uns mit Fragezeichen auf der Stirn zurück, ob der Dinge, die wir gerade gesehen haben. Ich hoffe, dass die Serie in dieser Hinsicht ein bisschen klarer enden wird – was mich auch mal wieder schwer daran erinnert, dass ich die Serie endlich mal weiter schauen sollte.

Nichtsdestotrotz ist „Les Revenants“ ein sehr melancholisch-hypnotischer Film, der uns gerade durch die vielen Fragen, die er aufwirft, an die Handlung fesselt. Und immer in den richtigen Abständen bietet uns Campillo einen kleinen weiteren Leckerbissen, der unsere Neugierde einmal mehr nährt. Insgesamt auf jeden Fall eine ziemlich faszinierende Variante der Zombie-Gestalt, die mir im Serien-Format noch ein bisschen besser gefällt… da haben sich die Macher wirklich die besten Sachen herausgepickt und noch mal eine Schippe draufgepackt. Trotzdem soll man sich ja immer an seine Wurzeln erinnern, weswegen ich den Film jedem Serien-Fan nur ans Herz legen kann.

Wertung: 7 von 10 Punkten (faszinierend und frustrierend zugleich… faszinierend…)

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6 Kommentare leave one →
  1. 5. Juni 2017 11:33

    Huch, wusste ich gar nicht, dass es da auch einen Spielfilm gibt. Ich kenne nur die französische Serie. Und ja, ich muss sie auch endlich weitergucken. Man man, wo nur die Zeit hernehmen? :))

  2. 15. Juni 2017 22:20

    Mensch, klasse, dass du den besprichst – der steht auch schon länger auf meiner Liste. Tatsächlich gucke ich seit ein paar Tagen die zweite Staffel von Les Revenannts und denke, dass ich es besser hätte sein lassen sollen. Die erste Staffel ist von null auf 100 eine meiner liebsten Serien geworden, aber die zweite kann das nicht halten, finde ich. Wenn ich aber deine Review hier so lese, denke ich, dass sie eine ähnliche Schiene fährt wie der Film hier.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2017 18:53

      Ach echt? So schlimm mit der zweiten Staffel? Das ist ja schade. Naja, vielleicht ist es dann sogar ein Glück, dass ich sie bisher noch nicht geguckt habe 😉

  3. 16. Juni 2017 15:17

    Asche auf mein Haupt 😛 Ich hab auch nicht gewusst, dass es zu der Serie, die ich echt gut fand, einen Spielfilm gibt! Hab ich noch einen Titel für meine To-Watch-Liste…

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2017 18:56

      Ich hatte es vorher auch nicht gewusst. Und vor allem nicht, dass der Film schon etwas älter ist.

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