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The Italian Stallion

29. Mai 2017

Nachdem ich jetzt mit „Harry Potter“ endlich eine Reihe hinter mich gebracht habe, die ich vorher noch nie gesehen hatte, wird es Zeit für eine neue Reihe. Aber vielleicht eine, die mich dann ein bisschen mehr begeistert… und da fiel mir dann doch auch ziemlich schnell der perfekte Kandidat ein: Sylvester Stallones „Rocky“-Reihe. Ich habe letztes Jahr „Creed“ gesehen und war da ja schon schwer begeistert von dem Boxen, von der Underdog-Story und auch von Stallone selbst. Allerdings hatte ich „Creed“ gesehen, ohne vorher auch nur einen „Rocky“-Film gesehen zu haben. Ein kurzer Besuch bei amazon und das Problem war behoben, als stolzer Besitzer der Rocky-Box muss ich mich jetzt einfach mal Stallones Boxer widmen.

Rocky Balboa (Sylvester Stallone) verdingt sich als Geldeintreiber und Gelegenheitsboxer. Er lebt sein Leben in Philadelphia ruhig vor sich hin, flirtet ein wenig mit Adrian (Talia Shire), der Schwester seines besten Freundes Paulie (Burt Young) und das war’s auch schon. Rockys große Stunde schlägt, als der amtierende und ungeschlagene Schwergewichts-Boxweltmeister Apollo Creed (Carl Weathers) einen neuen Gegner sucht. Im Zeichen des amerikanischen Traums will er einem totalen Niemand eine Chance geben und wählt unter allen Boxern „The Italian Stallion“ Rocky Balboa aus.

Beating the meat 😉

Auch wenn man „Rocky“ vorher noch nicht gesehen hat, kommt der Film mit ordentlich Vorschusslorbeeren daher: zehn Oscar-Nominierungen, davon drei gewonnen – und dann auch noch unter anderem als „Bester Film“ ausgezeichnet. Das ist schon was. Viel bemerkenswerter ist dann aber doch, dass Stallone das Drehbuch selbst geschrieben hat. Nun, bemerkenswert klingt vielleicht ein bisschen gemein: Aber so ein Stallone ist halt bisher auch immer eher so ein Action-Held gewesen. Das Pendant zu Arnie Schwarzenegger. Wild draufhauen, drauf schießen und fertig. Da erwartet man jetzt nicht unbedingt einen Drehbuchautoren, der dann auch noch für den Oscar nominiert wird. Aber alle Vorurteile mal beiseite: „Rocky“ ist ein famoser Film. Auch wenn ich ein wenig brauchte, um mit dem ganzen Geschehen klarzukommen.

Denn „Rocky“ lässt sich erst einmal ein bisschen Zeit, um uns Balboa und sein Umwelt näher zu bringen. Wir streifen mit Rocky durch die unschönen Straßen, vorbei an kleinen, mickrigen Häusern, wo die Jugendlichen an den Ecken die ganze Zeit nur rumlungern, Alkohol trinken und singen. Rockys Welt ist ein wenig trostlos, Rockys Leben ist ein wenig trostlos. Hier haben wir einen Mann mit Potenzial, der es wegwirft wie Dreck. Was vielleicht daran liegt, dass er sich mit furchtbaren Menschen umgibt.

Ganz ehrlich, Burt Youngs Paulie habe ich von der ersten Minute an gehasst wie die Pest. So ein blödes Arschloch, so ein gemeiner, undankbarer Kerl. Jedes Mal, wenn der irgendwas Blödes über seine Schwester oder sonst wen gesagt hatte, wünschte ich mir insgeheim, dass Rocky ihm einfach auf die Fresse hauen würde. Dieser Paulie hat perfekt zu diesem Philadelphia-Loch, in dem Rocky lebt, gepasst. Nur Rocky halt nicht… und Adrian auch nicht.

Das fand ich erschreckend, aber clever aufgebaut. Man gewinnt dadurch ein viel besseres Gefühl für Rocky. Man versteht seine Ängste und Gefühle, seine Wünsche und Hoffnungen und fiebert am Ende sehr viel mehr mit ihm mit. Gut, das ganze Vorgeplänkel mit Adrian ist vorhersehbar und auch ein wenig schmalzig, aber irgendwie sehr herzerwärmend und süß. Natürlich verbirgt sich hinter der Brille (die sie danach nie wieder zu brauchen scheint) ein kleiner hübscher Schwan. Und natürlich gehen sie erst Schlittschuhlaufen und kommen sich dann langsam näher (übrigens eine meiner Lieblingsszenen im Film, die Szene in der Eishalle). Es fesselt einen dann doch… gerade weil man diesen Rocky als zerbrechlichen Mann kennenlernt, der doch auch nur auf seine Chance hofft und sich am Ende nur für die Liebe interessiert. Rocky ist schon fast ein romantischer Held, ein Stallone-untypischer Kerl, aber großartig gespielt.

Stallone lebt diese Rolle des Boxers gut aus. Ich mochte ihn ja schon als alten Rocky in „Creed“, aber als junger, frischer Rocky fand ich ihn auch super. Dass er im Original so ziemlich jeden Satz mit „you know“ beendet, wirkt sonderbar, aber irgendwie auch glaubwürdig (und liefert gleichzeiti die perfekte Grundlage für ein Rocky-Trinkspiel: Pro „you know“ einen Kurzen und man schafft es nicht einmal bis zur Hälfte des Films).

Wenn man sich zu „Rocky“ dann noch die Entstehungsgeschichte durchliest, was alles irgendwie beim Dreh nicht rund lief und es dann trotzdem in den Film geschafft hat, ist das schon bemerkenswert: Dieser Film ist ein bisschen wie seine Figur selbst. Er hat eine Chance bekommen und konnte sie mit Müh und Not nutzen und wurde der Größte. „Rocky“ hat mich – Achtung, schlechter Wortwitz – echt umgehauen. Ich war gerührt und begeistert und am Ende beim großen Kampf nicht mehr auf meinem Platz. Da habe ich richtig mitgefiebert… das war großartig. Ein toller Film, ein toller Stallone… ich bin gespannt, was mich mit den Nachfolgern so erwartet.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein schmalziger Film, der sich das aber gekonnt zunutze macht und einen dann nicht mehr loslässt)

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13 Kommentare leave one →
  1. 29. Mai 2017 07:57

    Ich habe die Filme bisher auch noch nicht gesehen, seit letztem Jahr aber auch endlich die Box. Deine Besprechung macht mir Hoffnung, dass die Filme dennoch zünden… 🙂

    • 29. Mai 2017 11:43

      Ich kann mit Boxfilmen absolut überhaupt nix anfangen und der Sport geht mir auch einfach komplett am Arsch vorbei, aber Rocky hat selbst bei mir funktioniert. Sehe da also keine große Gefahr, wenn dich das Thema einigermaßen interessiert.

      • donpozuelo permalink*
        29. Mai 2017 11:56

        Ich steh jetzt auch nicht so auf Boxen oder Boxerfilme, aber Rocky könnte echt mein Ding werden. 😉

        • 29. Mai 2017 12:05

          Ich hab nicht alle gesehen. Irgendwann wurds mir dann doch zu langweilig. Mit Teil 3 oder 4 hab ich aufgehört. Ist ja auch im Groben immer der gleiche Film.

        • donpozuelo permalink*
          30. Mai 2017 08:49

          Ja, das glaube ich gern. Aber naja, ich denke mal, ich werde die Box durcharbeiten… und einfach hoffen, dass mich auch die anderen Filme noch irgendwie begeistern können 😉

    • donpozuelo permalink*
      29. Mai 2017 11:55

      Auf jeden Fall. Man braucht zwar anfangs Untertitel, um Stallone zu verstehen, aber ich fand Rocky echt gut. Ein bisschen cheesy, aber cool…

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