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Die Evolution des Bösen

19. Mai 2017

Ich glaube, ich wäre kein guter Weltraum-Kolonist! Nach all den Science-Fiction-Horror-Filmen, die ich bisher so gesehen habe, wäre ich viel zu ängstlich. Ich würde hinter jedem Felsvorsprung Gefahr wittern, egal wie oft man mir sagt, dass alles sicher ist. Im All ist nichts sicher. Im All hört dich ja auch keiner schreien – wie auch: Für den Fall, dass ich ein Kolonist wäre, ist wohl davon auszugehen, dass mich auf der Erde definitiv niemand mehr rufen hören wird. Ich würde in meinem Weltraum-Anzug einfach in der Rakete hocken und darauf warten, bis ich mich irgendwo anders verkriechen kann. Denn, wie schon erwähnt, wenn mich Sci-Fi-Horror-Filme eins gelehrt haben, dann das im All alles viel zu gefährlich ist. Ich wäre definitiv kein guter Weltraum-Kolonist, ich wäre nicht dumm genug, fremdes, unbekanntes Zeug, das auf einem fremden Planeten rumliegt, anzufassen. Das ist nämlich scheinbar extrem wichtig – zumindest wenn man den Charakteren von Ridley Scott Glauben schenkt. Die waren schon so blöd in „Prometheus“ und haben mit merkwürdigen Weltraum-Kobras gespielt und in der Fortsetzung „Alien: Covenant“ sind sie leider nicht viel intelligenter.

Die Crew der Covenant ist mit etwa 2000 Kolonisten unterwegs zu einem neuen, bewohnbaren Planeten, als sie einen Notruf abfangen. Von einem Planeten, der viel dichter ist und auch bewohnbar wäre. Also entscheidet sich Captain Oram (Billy Crudup) für eine Kursänderung – gegen das Veto von Terra-Forming-Expertin Daniels (Katherine Waterston). Auf diesem neuen Planeten angekommen, passieren dann natürlich wieder schreckliche Dinge – die Crew stößt auf ein altes Raumschiff und auf einen alten Bekannten der einstigen Prometheus, den Androiden David (Michael Fassbender). Und wir müssen nicht allzulange warten, bis auch das Titel gebende Alien wieder auftaucht.

Alien-Futter kommt in Dosen

Das Gute vielleicht mal gleich vorweg: „Alien: Covenant“ ist tatsächlich eher das uns schon lange versprochene Prequel zur „Alien“-Reihe als „Prometheus“ es je war. Dennoch gibt sich „Covenant“ auch Mühe, ein guter zweiter Teil in dieser neuen Prequel-Saga zu sein. Zumindest werden die merkwürdigen Konstrukteure noch mal erwähnt, wirklich so viel mehr über diese Gott-gleichen Wesen erfahren wir aber auch nicht. Dafür erklärt uns Scott nun endlich den Ursprung der Xenomorphs. Und ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich das jetzt schon so ausführlich wissen wollte. Klar, ein Prequel muss sowas ja irgendwann zur Sprache bringen, doch mit „Alien: Covenant“ ist nun auch das letzte Geheimnisse um das Monster aus dem All gelöst. Ich gebe zu, die ganze Story, wie das Alien zu dem wurde, was wir aus der alten Reihe kennen, ist schon verdammt cool, aber irgendwie platzt damit auch ein bisschen eine Blase. Das Mysterium Xenomorph ist nun endgültig entschlüsselt.

Dafür baut Scott mit dem wieder auftauchenden David einen tollen Charakter auf, der dann tatsächlich auch zum Nachdenken. Cool gelungen ist dabei auch das Zwischenspiel zwischen David und dem neuen Androiden der Covenant, Walter, ebenfalls gespielt von Michael Fassbender. Wenn hier diese beiden Generationen von Androiden aufeinander treffen, mit ihren unterschiedlichen Ansichten darüber, was ihre Aufgabe gegenüber ihren Erschaffern ist, ist das das Highlight des Films (bis auf eine äußerst, äußerst merkwürdige Szene, in der die beiden Flöte spielen – wer diese Szene durchgewunken hat, gehört bestraft!)

Abgesehen von der ganzen David-Walter-Geschichte tue ich mich echt schwer mit „Alien: Covenant“. Was mal wieder an der unbegrenzten Dummheit der Charaktere liegt, die mir auch komplett egal waren. Seit „Prometheus“ bevölkert Ridley Scott diese Alien-Filme wirklich nur noch mit den uninteressantesten und vor allem dümmsten Menschen, die die Welt finden konnte (vielleicht wurden die ja auch einfach nur strafversetzt). Jede Entscheidung ist diesem Film ist das dämlichste und überholteste Horror-Klischee, das man sich nur vorstellen kann. Natürlich trennen sich alle und natürlich weiß man dann sofort, wer als nächstes dran ist. Natürlich hat so ein riesiges Kolonnie-Schiff nur ein einziges Shuttle und natürlich weht gerade mal wieder ein heftiger Sturm, der die Kommunikation zum Mutterschiff unmöglich macht. All das gibt es besser und könnte ein Ridley Scott auch echt besser machen.

Zum Ende hin wird aus der „Prometheus“-Fortsetzung dann ein „Alien“-Abklatsch, in dem Scott sich selbst in so ziemlich jeder Hinsicht kopiert – ist ja okay, so lange man es nur besser macht. Besser heißt in diesem Fall bei Scott aber leider nur blutiger. Ansonsten liefert Scott hier Alien-Horror von der Stange ohne wirkliche Überraschungen. Wie gesagt, das haben wir alles im ersten Teil schon gesehen – mit mehr Atmosphäre, mehr wirklich gutem Alien-Horror. Jetzt ist es nur plakatives Gore-Gemetzel. Was schade ist, hat „Covenant“ doch ein paar echt gute Ansätze.

So bleibt am Ende von „Alien: Covenant“ eine coole Fassbender-Performance und abermals tolle Bilder einer fremden Welt im Kopf. Immerhin gibt es auch noch coolere Alien-Action als in „Prometheus“, aber mehr dann auch nicht…

Wertung: 6 von 10 Punkten (optisch ein großer Hingucker, bei dem wirklich jedes Sci-Fi-Herz höher schlagen wird. Erzählerisch bleibt wieder extrem viel Luft nach oben)

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6 Kommentare leave one →
  1. 20. Mai 2017 11:07

    Ich sehe in COVENANT einen großen Zwiespalt. Zum einen ist der Film alleine schon durch seinen Titel als deutlicheres Prequel zur Tetralogie gekennzeichnet, auch die stärkere Präsenz des Xenomorphs drängt diesen Eindruck auf. Inhaltlich ist der Film aber durchaus mehr PROMETHEUS-Fortsetzung, nicht nur in der Art der Handlungsstruktur, sondern auch in seinen Themen und metaphysischen Ansätzen.
    Das Entzweigerissensein merkt man Scotts Regie dann auch deutlich an: Die Szenen mit dem Alien sind lieblos gestaltet, der CGI-Xenomorph teilweise lächerlich dargestellt, die Crew einem Horrorfilm üblich eher tollpatschig (immerhin sind es ja diesmal keine ausgewiesenen Wissenschaftler wie in PROMETHEUS, sondern wohl auch sehr „normale“ Menschen). Auf der anderen Seite gibt es den Prolog, die megalomanischen Züge Davids, die religiös-mythologischen Ideen des Drehbuchs, die deutlich interessanter ausfallen – aber eben nichts mit dem Kern der ALIEN-Reihe zu tun haben.
    ALIEN zeichnete sich einmal dadurch aus, was die Marketingzeile „In space no one hears you scream“ perfekt auf den Punkt brachte. Ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, von den Nachfolgefilmen ähnliches zu erwarten und merke im Anschluss immer, dass dies bereits ab dem zweiten Teil ALIENS nie wieder von den Filmemachern intendiert war.

    Problematisch an COVENANT ist eben nur, dass diese Zutaten der alten ALIEN-Formel wieder von Scott beschworen werden, aber für sein eigentliches Vorhaben unnötiger Ballast sind.

    • donpozuelo permalink*
      21. Mai 2017 08:57

      Jupp… besser hätte man es nicht zusammenfassen können. Ich denke mal, dass Scott versucht hat, der Kritik an „Prometheus“, es sei kein richtiges Prequel gewesen, gerecht werden wollte und dann halt alles so stark mit einander vermischt hat. Die Alien-Sequenzen fand ich in „Covenant“ halt auch null spannend oder atmosphärisch, es war einfach nur brutal und schnell gemacht. Da fand ich dieses Mal die ganzen „Prometheus“-Themen tatsächlich ein bisschen interessanter.

  2. 29. Mai 2017 19:02

    Oh man schade … ich habe mir schon gedacht, dass sie nicht viel Neues bringen und die altbewährte Rezeptur aufwärmen. Aber das mit der Flötenspiel-Szene macht mich jetzt neugierig … hmmm 😀

    • donpozuelo permalink*
      30. Mai 2017 08:51

      Hahaha… ja, diese Flötenszene. Die war echt merkwürdig und dann auch selbst vom Dialog so albern zweideutig. Ich weiß echt nicht, was Scott sich dabei gedacht hat 😀

Trackbacks

  1. Kritik: Alien: Covenant – filmexe

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