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Ritter des Bordells

15. Mai 2017

Bevor sich jetzt jemand wundert: nein, das ist jetzt kein Artikel zu irgendeinem Erotik-Schundfilm. Stattdessen geht es eher um Guy Ritchies Version der Sage um König Arthur und seine Ritter der Tafelrunde. Ja, ich hatte es ja bereits angekündigt, dass ich diesen Film gucken will und jetzt ist es dann auch passiert. Ich war, wie ebenfalls schon erwähnt, auf so ziemlich alles vorbereitet: von ganz großem Mist bis zu einem bahnbrechenden Meisterwerk. Ich darf jetzt mit ein wenig Stolz verkünden, dass sich Ritchies „King Arthur“ gut in der Mitte dieser Skala aufhält.

Der junge Arthur (Charlie Hunnam) wurde von Prostituierten in Londinium aufgezogen und wächst zu einem schlagfertigen Mann heran, der mit seinen Freunden nicht nur die Damen des Bordells beschützt, sondern sich auch unter den Kleingangstern einen Namen gemacht hat. Doch dann wird Arthur auf einmal gefangen genommen und mit zahlreichen anderen jungen Männern nach Camelot verschleppt. Hier herrscht der böse König Vortigern (Jude Law), der nach dem wahren König sucht: denn das Schwert aus dem Stein, Excalibur, ist aus den Fluten des Sees aufgetaucht und Vortigern will sicher gehen, dass er den Mann, der das Schwert befreien kann, gleich gefangennehmen kann. Natürlich zieht Arthur das Schwert aus dem Stein, und natürlich wird ihm dann bewusst gemacht, dass er der wahre König ist. Doch um diesen Platz einzunehmen, muss er erst einmal selbst daran glauben, lernen, das Schwert ordentlich zu führen und natürlich Vortigern beseitigen.

Zieh, zieh, zieh…

Es ist ein wenig her, seit ein Guy Ritchie wirklich mit etwas überzeugen konnte. Wenn ich ehrlich sein soll, ist von seinen aktuellen Filmen nichts wirklich dabei, was im Gedächtnis bleibt. „Man from U.N.C.L.E.“ war ein netter Zeitvertreib, aber ich habe so mehr oder weniger auch schon wieder vergessen, worum es eigentlich genau ging. Denke ich an Guy Ritchie, dann denke ich doch eher an Filme wie „Snatch“ oder „Bube, Dame, König, grAs“. Selbst an die Sherlock-Filme von ihm will ich da nicht wirklich denken. Deswegen war ich schon ein bisschen skeptisch, ob „King Arthur“ was taugen würde… aber ich möchte mal behaupten, dass dieses Mittelalter-Fantasy-Spektakel mehr Guy Ritchie ist, als die letzten seiner Filme.

Nach einem wahrhaft epischen Intro, in dem wir den Verrat an Arthurs Vater (Eric Bana) durch seinen Bruder Vortigern erleben, fängt ein Film an, der genau so gut „Snatch 2 – Jetzt im Mittelalter“ hätte heißen können. Die Ritchie-Typen schnellen Schnitte rattern auf der Leinwand an uns vorbei und erzählen so eine witzige Geschichte darüber, wie Arthurs Tag so verlief. Erinnert euch an den Anfang von „Snatch“, wenn es um den Diamenten-Diebstahl geht. Oder erinnert euch an Michael Pena in „Ant-Man“, wenn er erzählt, von wem er was gehört. In diesem irren Erzähltempo baut Ritchie diesen jungen Arthur als intelligenten, charmanten Ganoven auf, der gut weiß, wie er auf sich aufzupassen hat. Gerade die Dialoge sprühen geradezu über vor Ritchies persönlicher Note und hätten genauso gut aus einem seiner alten Klassiker stammen können – es wirkt so surreal und funktioniert dennoch bestens, wenn sich diese „Ritter“ die Sätze nur so um die Ohren hauen.

Irres Tempo trifft dann auch auf den Rest des Films zu… man möchte manchmal meinen, Ritchie hastet zu sehr durch diesen Film und findet keine Ruhe, aber so ganz stimmt das dann auch nicht. Ja, die einzelnen Action-Sequenzen legen ein unglaubliches Tempo vor, aber es passt zu dieser Ritchie’esken Neuinterpretation. Das ist halt kein Boorman „Excalibur“, hier geht es nicht um „Genauigkeit“, hier geht es um Spaß. Und den hat man auf jeden Fall. Ritchie drückt dieser alten Sage seinen ganz eigenen Stempel auf, macht ein Action-Film und ein Heist-Movie mit Fantasy-Elementen draus.

Dennoch findet Ritchie auch ruhige Momente, in denen er sich dann aber leider hauptsächlich nur um Arthur selbst kümmert. Und hier kommen wir dann vielleicht zu den Minus-Punkten, die sich „King Arthur“ bei mir einholt: Wie es sich für einen Guy-Ritchie-Film der alten Schule gehört, quillt dieser Film fast über vor Charakteren, doch wirklich heraus sticht keiner davon – außer halt Arthur, weil es sich ja um ihn dreht. Alle anderen – ob nun „Game of Thrones“-Star Aidan Gillen, Djimon Hounsou oder selbst ein Jude Law – wirken ein wenig blass, verkommen zu Stichwort-Gebern ohne wirkliche Tiefe. Sie funktionieren zwar als Ensemble ziemlich gut, doch am Ende des Films erinnert man sich kaum an einen von ihnen zurück. Gerade bei Jude Law ist das echt schade, denn er zeigt tolle Ansätze zu einem wirklich fiesen Schurken, der einige tragisch-skrupellose Entscheidungen trifft, um seine Macht zu erhalten.

Zudem verhunzt Ritchie so ein bisschen das große Finale, in dem er es hinter zu viel CGI versteckt und uns nicht unbedingt den befriedigenden Endkampf liefert, den man nach dieser Handlung erwartet.

Alles in allem ist „King Arthur“ rasantes Fantasy-Action-Kino mit einem tollen Charlie Hunnam, der diesen Film tatsächlich gut trägt. Alles andere rauscht ein bisschen an einem vorbei. Dennoch hatte ich meinen Spaß mit diesem Film, weiß allerdings nicht wirklich was ich davon halten soll, dass schon jetzt eine ganze Reihe zu Arthur geplant ist, sollte „King Arthur“ genug Geld einspielen….

Wertung: 7 von 10 Punkten (die Origin-Story von König Arthur frei erzählt nach Guy Ritchie)

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12 Kommentare leave one →
  1. 15. Mai 2017 10:24

    Mich hätte ein Erotik-Schundfilm mehr interessiert, glaube ich.

    • donpozuelo permalink*
      15. Mai 2017 10:30

      Hahaha… beim nächsten Mal dann.

      • 15. Mai 2017 19:29

        Wäre zumindest mal ganz interessant zu lesen. Vielleicht überrascht er sogar mit tiefgründiger Story und starken Charakteren.

        • donpozuelo permalink*
          15. Mai 2017 19:42

          Tiefgründig wird es da mit Sicherheit 😉

  2. 15. Mai 2017 16:28

    Dat lass ick mal auf mich zukommen. Der einzig wahre King Arthur-Film ist ohnehin „Excalibur“ . Da wird nie nicht irgendein anderer Streifen rankommen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      15. Mai 2017 17:24

      Das steht ja sowieso außer Frage. Deswegen habe ich EXCALIBUR ja auch vorher nochmal geguckt. Der ist einfach zu toll.

  3. 15. Mai 2017 17:58

    Das Einzige, was mich an diesem Film interessiert, ist ja Chalie Hunnam. Aber ins Jino werde ich es wohl trotzdem nicht schaffen…da ist der Anreiz doch nicht groß genug. 😉

    • donpozuelo permalink*
      15. Mai 2017 17:59

      Also Fans von Hunnam kommen hier volm auf ihre Kosten. Da würde sich ein Kinobesuch schon lohnen. 😉

      • 15. Mai 2017 18:01

        Hach, hmm. Wenn das Thema nur mehr meins wäre und nicht so ein Sagen-Gedöns… 😀

        • donpozuelo permalink*
          15. Mai 2017 18:07

          Ach so… na dann warte vielleicht wirklich eher auf die Heimkino-Variante.

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