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Geschichten vom Baum-Monster

12. Mai 2017

Es ist mal wieder passiert: Sehr viele Leute haben mir einen Film ans Herz gelegt, mir davon vorgeschwärmt, wie sehr er sie berührt und zum Weinen gebracht hat. Tja, und nun war ich im Kino und habe nichts davon gespürt. Bin ich etwa innerlich schon abgestorben? Ist mein Herz nur noch ein schwarzes Loch, das durch nichts mehr zum Weinen gebracht werden kann? Gut, davon möchte ich nicht ausgehen, aber irgendwie habe ich mich schon ein bisschen geärgert, nachdem ich aus dem Kino und aus „Sieben Minuten nach Mitternacht“ kam. Ich wollte diesen Film so gerne so richtig krass mögen. Ich wollte, dass dieser Film mein Herz mit so viel trauriger Kino-Glückseligkeit füllt, dass ich im Kino hocke und leise vor mich hin schluchze… doch nichts davon ist passiert, was mich tatsächlich ein bisschen geärgert hat. Aber vielleicht habe ich einfach zu sehr gehofft, endlich mal wieder im Kino weinen zu können, dass der Film diesen Hoffnungen nicht gerecht werden konnte. Dabei liefert „Sieben Minuter nach Mitternacht“ alles, was ein perfekter „tear jerker“ so braucht – aber irgendwo liegt da auch mein Problem.

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ (oder auch „A Monster Calls“) erzählt uns die tragische Geschichte des jungen Conor (Lewis MacDougall), dessen Mutter (Felicity Jones) an Krebs erkrankt ist – und eine Heilung scheint nicht in Sicht. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, muss sich Conor auch noch mit seiner ihm unangenehmen Oma (Sigourney Weaver) herumschlagen, in der Schule wird er von ein paar Jungs terrorisiert und sein Vater (Toby Kebbel), der schon lange von seiner Mutter getrennt ist, ist ihm auch keine Hilfe. In diesem ganzen Gefühlschaos taucht auf einmal – sieben Minuten nach Mitternacht – ein Baum-Monster (Liam Neeson) auf. Es wird Conor drei Geschichten erzählen, danach muss Conor dem Monster eine Wahrheit verkünden.

Michael Bays umweltfreundliche Transformers-Version

Wie gesagt, dieser Film hat alles, was ein perfekter emotional-trauriger Film alles braucht, aber dennoch wollte sich das nicht durch mein mit Stahl ummanteltes Herz dringen. Ich kann aber auch sagen, warum. Es war mir einfach zu viel – und zu viel klischeebehaftetes. Erst die kranke Mutter, dann die „böse“ Oma, dann der verständnislose Vater und dann noch die Schulschläger – eigentlich hätte nur noch gefehlt, dass Conor suizidgefährdet ist. Es war letztendlich jedes Klischee eines jeden tear jerkers vorhanden – nur halt in schnellen, kleinen Dosen, die alle sehr plakativ waren und alle danach schrieen: „Sei jetzt traurig!“ Das hat mich irgendwann sehr schnell sehr gestört… und dabei gibt es ja in „Sieben Minuten nach Mitternacht“ noch einen tollen Dreh: nämlich das Monster und seine Geschichten.

Das war wirklich toll. Also Hut ab vor Liam Neeson, der mit seiner wunderbaren Stimmen ein wunderbares Monster erschaffen hat. Ich ziehe auch den Hut vor Regisseur J. A. Bayona, der die Geschichten des Monsters in den wunderschönsten Wasser-Farb-Animationen darstellt. Mit den drei Geschichten des Monsters und dem traumhaften Zeichentrick-Sequenzen hatte mich „Sieben Minuten nach Mitternacht“ dann doch wieder ein bisschen für sich gewinnen können. Dazu spiegeln die einzelnen Geschichten natürlich auch immer einen Abschnitt aus Conors Leben wieder – das mochte ich dann wieder sehr viel mehr. Das war ein bisschen schöner durchdacht – hier lernen wir gemeinsam mit Conor, dass nicht alles immer so ist, wie es scheint. Dass die vermeintlich Bösen nicht immer wirklich die Bösen sein müssen. Die drei Geschichten (und auch Conors letzte Wahrheit) waren wirklich toll… weswegen ich es echt schade fand, dass das menschliche Drumherum dann dem nicht so richtig standhalten konnte.

Es schwankte bei mir also ständig hin und her – ich habe mich sehr auf die Geschichten nach Mitternacht gefreut, aber weniger auf das, was dazwischen passierte. Da finde ich, hat ein Film wie „Pans Labyrinth“ meiner Meinung nach viel schöner mit diesem Vermischen der Realitäten gespielt. Ich will dennoch sagen, dass „Sieben Minuten nach Mitternacht“ kein schlechter Film ist, er war mir halt in seinen Nicht-Fantasy-Momenten zu allgemein. Die Darsteller sind allesamt toll gewesen, aber das Drehbuch hat mich nicht so ganz überzeugen können.

Aber wie gesagt, dass man auch nur an meinem Roboter-Herz liegen… 😉

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Zeichentrick-Geschichten-Teil ist richtig toll, Liam Neeson ist ein tolles Monster, die Geschichte ist auch schön, aber irgendwie einfach nicht so schön erzählt)

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4 Kommentare leave one →
  1. 13. Mai 2017 08:47

    Hatte die Kritik auch schon gehört, dass er sehr manipulativ ist und man deshalb Abstand davon gewinnt. Du bist also nicht allein 😉

    • donpozuelo permalink*
      13. Mai 2017 15:55

      Sehr gut… und ja, „manipulativ“ ist ein gutes Wort dafür 😉 Das ist der Film tatsächlich.

  2. 29. Mai 2017 18:54

    Ich fand den tatsächlich nicht so manipulativ. Connors Situation ist sehr klischeehaft, aber meistens läuft das schon ziemlich scheiße und alles kommt zusammen. Stattdessen vermute ich, dass das meistens eine Frage der Erwartungen ist. Wenn man dir erzählt, dass der Film ultratoll ist und du garantiert weinen musst, hattest du vielleicht zu hohe Erwartungen? Zumindest geht mir das öfter so.

    • donpozuelo permalink*
      30. Mai 2017 08:50

      Klar, die Erwartungen sind immer hoch, bei Filmen, die im Vorfeld so gelobt werden. Aber ich glaube, mittlerweile habe ich das ganz gut im Griff und warte nicht schon mit den Taschentüchern 😉

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