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Lämmer mit Zähnen

10. Mai 2017

DVD-Hüllen-Texte schreiben, muss echt ein blöder Job sein. Vor allem, weil ich mich manchmal frage, ob ich der Einzige bin, der sich die Sachen wirklich noch durchliest. Aber noch viel mehr, weil diese Herrschaften ja immer was auf die Rückseite schreiben müssen, das den Film gut aussehen lässt. Egal, wie sie den Film finden… eigentlich wäre es doch mal eine witzige Idee, wenn selbst bei wirklich beschissenen Filmen eine ehrliche Meinung stehen würde und nicht irgendein Marketing-Kram, der potenziellen Kunden den Film schmackhaft machen soll. Statt den üblichen Floskeln mal knallharte Ehrlichkeit – aber hey, Ehrlichkeit verkauft keine DVDs. Es klingt natürlich cooler, wenn da steht: „Die Horrorversion von ‚Thelma & Louise‘ oder „[…] bitterböse, brutal und voller schwarzem Humor. Ein abgefahrener Rachetrip, der die Herzen von Genrefans höher schlagen lässt.“ Die erste Aussage ist großer Schwachsinn und beleidigt dazu noch einen Klassiker der Filmgeschichte und die zweite Aussage ist auch einfach nur sehr, sehr fragwürdig.

Aber bevor wir uns darum kümmern, gibt’s kurz eine Einleitung in dieses grausige Machwerk, das sich da „Even Lambs Have Teeth“ nennt. In diesem Film wollen die beiden Freundinnen Sloane (Kirsten Prout) und Katie (Tiera Skovbye) auf einer Ökofarm Geld für einen Trip nach New York verdienen wollen. Leider geraten sie dabei an eine üble Familie, die die Mädchen gefangen nimmt und als Sexsklaven ausbeutet. Jedoch können sich die beiden Freundinnen befreien und drehen den Spieß um… denn diese Lämmer haben Zähne.

Sie wollen nur kurz quälen…

Diesen Film auch nur in Ansätzen mit „Thelma & Louise“ in Verbindung zu bringen, tut einfach nur weh. Als wenn „Thelma & Louise“ ein billiger rape-and-revenge-Streifen wäre. Nur weil in beiden Filmen zwei Frauen in einem Auto sitzen, ist es noch lange kein „Thelma & Louise“ – beim besten Willen nicht. Und die Befreiung der Frauen in „Thelma & Louise“ mit einem billigen Racheplot zu vergleichen, passt auch so gar nicht. Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, „Even Lambs Have Teeth“ mit „Thelma & Louise“ in Verbindung zu bringen, sollte dringend mal „Thelma & Louise“ schauen.

Aber ich will mich jetzt nicht zu sehr daran aufhalten… kommen wir lieber zu dem zweiten DVD-Zitat… das mit dem bitterböse, brutal und voller schwarzem Humor, der das Herz von Genrefans höher schlagen lässt. Ich hoffe, sie meinen damit Horror-Fans, weil ich möchte niemanden kennenlernen, der von sich behauptet, ein Fan von rape-and-revenge-Filmen zu sein. Das klingt einfach nur falsch.

Ist „Even Lambs Have Teeth“ bitterböse? Nein… beziehungsweise möchte der Film es vielleicht gerne sein, aber der Film gibt sich nicht einmal wirklich Mühe in seinem Bereich irgendwas von Bedeutung zu machen. Der Film fängt schon mit einem besorgten FBI-Onkel an, der Katie irgendwelche Code-Wörter mit auf den Weg gibt, wodurch er auch gleich nach zehn Minuten unterwegs ist, als das falsche Wort gesendet wird. Dann haben wir die übliche Hillbilly-Familie, die scheiße ist, einen Sheriff, der auch ziemlich scheiße ist und einen Pastor, der auch scheiße ist. Halt was ganz Neues. Und weil es ausgerechnet die Polizei und die Kirche ist, die hier die Vergewaltigungen dulden (und auch ausnutzen), ist das alles super bitterböse. Nicht wirklich… es ist einfach nur eine blöde Story, die verzweifelt einen Grund sucht, zwei halbnackte Mädels auf einen Rachetrip zu schicken.

Ist „Even Lambs Have Teeth“ brutal? Jupp. Die deutsche DVD-Fassung scheint schon arg geschnitten zu sein, weswegen ich den vollen Grad der Brutalität nicht beurteilen kann und weswegen der ganze böse Rachetrip arg zerstückelt wirkt (hahaha… fünf Euro in die Wortspiel-Kasse), aber ja, es ist brutal. Während uns Regisseur Terry Miles zum Glück jegliche Vergewaltigungsszenen erspart, ergötzt er sich sehr an seinen beiden jungen Darstellerinnen und ihrem Rachetrip. Wer’s mag…

Ist „Even Lambs Have Teeth“ voller schwarzem Humor? Äh… nein. Und das war irgendwie das einzige, was mich an diesem Film tatsächlich noch gereizt hätte: zu sehen, wie jemand versucht, einen rape-and-revenge-Film mit schwarzem Humor zu drehen. Aber wirklich „witzig“ ist an diesem Film nichts – außer vielleicht die Tatsache, das jemand meinte, es würde passen, diesen Film mit „schwarzem Humor“ zu bewerben. Unsere beiden Damen walzen alles ohne Probleme platt, tun dabei ein wenig überheblich und das war’s. Hier ein blöder Spruch, da ein blöder Witz – schwarzer Humor sieht eindeutig anders aus.

Ich weiß wirklich nicht, wer diese Genrefans sein sollen, deren Herzen bei ausgerechnet diesem Film höher schlagen sollen. Vielleicht wegen der unglaublichen Tatsache, gerade knapp 80 Minuten mit so einem Rotz verschwendet zu haben. Vielleicht wegen dem gruseligen Vergleich zu „Thelma & Louise“ (ja, das lässt mir keine Ruhe!). Vielleicht weil dieser Film einfach so miserabel geschrieben, gedreht und geschauspielert ist, dass man eigentlich schon nach fünf Minuten hätte ausmachen müssen. Ich weiß es nicht… ich weiß nur, dass dieser Film wirklich, wirklich für die Katz ist.

Wertung: 2 von 10 Punkten (diese Lämmer haben keinen Biss – und noch einmal fünf Euro in die Wortspiel-Kasse)

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11 Kommentare leave one →
  1. 10. Mai 2017 11:17

    Ich hatte neulich zufällig das Buch „Doctor Sleep“ von Stephen King in der Hand und da stand nur ein Pressezitat drauf. Ungefähr so: „Mit Doctor Sleep setzt Stephen King seinen Erfolgsroman Shining fort.“ Fertig. Mehr nicht. Keine Beweihräuscherung. Das war wohl das neutralste, was ich jemals in so einem Fall gelesen habe. Da kann man es eigentlich auch gleich weglassen.

    • donpozuelo permalink*
      10. Mai 2017 11:22

      Ja… diese Pressetexte sind so oft einfach so unnötig oder fehlleitend.

  2. 10. Mai 2017 19:30

    Ookay, Du bist also einer, der sich tatsächlich auf Filmklappentexte verlässt :))
    Man kann sich ja nicht einmal auf die Inhaltsgaben bei den Movieportalen verlassen. Keine Ahnung, da schreiben wahrscheinlich die gleichen Leute 🙂

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2017 08:35

      Verlassen ist zu viel gesagt… ich lese sie halt und ja, manchmal lasse ich mich von den wilden, wilden Aussagen auch ein bisschen leiten. Aber zu wilde Sachen müssen halt mal erwähnt werden 😉

      Und ja, bei den Movieportalen verstehe ich voll, was du meinst. Manchmal hat man da das Gefühl, die Leute haben die Filme, über die sie da schreiben, nie gesehen.

  3. 11. Mai 2017 21:14

    Das mit den ehrlichen Klappentexten wäre doch eine interessante Idee… Vielleicht lässt sich daraus was machen 😉

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2017 08:37

      Hahaha… ja, da werden sich die Verleiher dann besonders drüber freuen… oder halt am Ende wirklich nur noch auf die guten Filme Klappentexte drucken (was dann automatisch ein Kennzeichen für schlechte Filme wird, auf denen dann gar nichts mehr steht 😉 )

      • 13. Mai 2017 08:20

        Ich habe ein paar lausige Filme hier rum liegen. Mal schauen, was da eigentlich so hinterdauf steht. 😉

        • donpozuelo permalink*
          13. Mai 2017 15:54

          Mach das mal 😉

  4. 20. Mai 2017 14:53

    Ich sollte mal wieder „Thelma and Louise“ schauen.

    • donpozuelo permalink*
      21. Mai 2017 08:53

      Das habe ich mir auch schon gedacht 😉

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