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Berufsskeptiker

1. Mai 2017

Nachdem ich ja letztens „Free Fire“ mit Cillian Murphy noch ein zweites Mal im Kino geguckt habe, dachte ich mir so: „Mensch, Cillian Murphy hat ja fast ausschließlich in guten Filmen mitgespielt!“ Zumindest habe ich bislang noch keinen wirklich miesen Film gesehen. Also entweder der gute Mann ist wirklich sehr penibel in den Rollen, die er sich aussucht oder ich habe zu wenige von seinen Filmen gesehen. So oder so blieb mir dieser Gedanke die ganze Zeit im Kopf und da erinnerte ich mich, dass ich doch tatsächlich schon seit Jahren (wirklich!!!) einen Film von ihm im Regal stehen habe, denn ich noch nicht gesehen habe: „Red Lights“, in dem nicht nur Murphy, sondern auch noch Sigourney Weaver UND Robert De Niro mitspielen. Warum ich diesen Film jahrelang habe warten lassen, ist mir ein Rätsel. Aber jetzt hat das ein Ende und ich habe ich endlich geguckt.

In „Red Lights“ geht es aber keineswegs darum, dass Murphy Prostituierten hinterherjagt. Nein, stattdessen spielt Tom Buckley, der gemeinsam mit der Professorin Margaret Matheson (Sigourney Weaver) paranormale Phänomene untersucht, um so die zahlreichen Schwindler zu entlarven. Dann taucht auf einmal – 30 Jahre nach seinem letzten Auftritt – Simon Silver (Robert De Niro) auf, ein weltberühmtes Medium. Matheson und Buckley wollen aber auch ihn als Schwindler entlarven – was jedoch gar nicht so einfach ist.

Are you talkin‘ to me?

Ich muss sagen, eine Sache hat mich die ganze Zeit extrem an „Red Lights“ irritiert – und zwar, dass dieser Film offenbar in einer Parallelwelt zu existieren scheint, die unserer verblüffend ähnlich sieht – mit dem einzigen, kleinen aber feinen Unterschied, dass Hellseher und Medien von der Masse der Menschen förmlich verehrt werden. Und: Das eine komplette Universität gleich zwei Abteilungen hat, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Es scheint in der Welt von „Red Lights“ unzählige Hellseher und vor allem Wunderheiler zu geben, die sich nicht einmal auf religiöse Kleingruppen beschränken müssen, sondern ganze Konzerthallen füllen – interessanterweise aber auch immer nur die eine Halle, in der Matheson und Buckley ihre eigene Loge haben, in der sie alle technischen Spielereien vorinstalliert haben, um die Scharlatane zu entlarven. Daran musste ich mich tatsächlich erst einmal ein bisschen gewöhnen… denn Matheson und Buckley haben erstaunlich viel zu tun – und erinnerten mich dann schwer an Mulder und Scully (wenn Scully sehr viel älter als Mulder wäre und es keinerlei amoröse Spannungen zwischen den Beiden geben würde).

Aber ja, Weaver und Murphy bekommen so einige Aufträge in bester X-Files-Manier auf die Suche nach dem Paranormalen zu gehen. Nur wäre „Red Lights“ eindeutig mehr ein Film für Scully, denn hier betrügen alle. Was der Film dann dennoch mit „Akte X“ gemein hat, ist einfach die Tatsache, dass Weaver und Murphy ein gutes Team abgeben. Später kommt dann noch Elizabeth Olsen – lange vor ihrer Zeit als „Scarlett Witch“ – dazu. Die etwas anderen Ghostbuster, wenn man so möchte. Weaver fand ich sehr stark, auch wenn der Film klar den Fokus auf Cillian Murphy richtet, der mal wieder eine tolle Leistung abliefert. De Niro kam mir persönlich ein bisschen zu kurz, aber allein die Tatsache, dass es mal keine Komödie ist, ist schon viel wert.

Insgesamt zieht sich der Film dennoch ein bisschen sehr in die Länge. Liegt vielleicht daran, dass Regisseur Rodrigo Cortes sich mehr damit auskennt, Ryan Reynolds zu vergraben (der gute Mann drehte „Buried“!). Die einzelnen Aufträge sind ja ganz interessant, aber irgendwie tut sich Cortes schwer, so richtig auf den Konflikt zwischen Matheson, Buckley und Silver einzugehen. Silver wird mal eben einfach so dazu gebracht, warum und wieso müssen und dürfen wir nicht fragen. Der Film würde sonst einfach keinen Sinn ergeben. Irgendwas Großes braucht dieser Film halt noch… und das kommt dann mit einem kleinen, aber feinen Twist am Ende, der den ganzen Film in ein anderes Licht stellt. Ich will nicht sagen, dass Cortes ein bisschen den Shyamalan macht, aber ja, Cortes macht ein bisschen den Shyamalan. Jetzt müsste ich „Red Lights“ vielleicht noch ein zweites Mal schauen, um zu ergründen, ob dieser Twist tatsächlich auch gut in die Story integriert wird, aber so ein letztes großes Wow war es einigermaßen in Ordnung.

Alles in allem ist „Red Lights“ ein passabler Film, der seinen „Akte X“-Thema gut einführt, sich dann ein bisschen zu sehr damit aufhält, den vermeintlichen Bösewicht unspektakulär und viel zu einfach einzuführen, nur um dann am Ende mit einem großen, durchaus interessanten Twist aufzuwarten, der viel interessanter ist und viel besser als Wegpunkt für eine Geschichte funktioniert hätte.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Cillian Murphy macht weiterhin durchaus passable Filme 😉 Oder kennt ihr einen wirklich beschissenen Film mit ihm?)

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18 Kommentare leave one →
  1. 1. Mai 2017 09:05

    „In time“ mit Justin Timberlake war jetzt wirklich nicht so bombig.
    Mein Geheimtipp ist übrigens „Retreat“. Den hatte ich auch schon mal vorgestellt.

    • donpozuelo permalink*
      1. Mai 2017 09:08

      Stimmt. „In Time“ war wirklich nicht gut. Hab ich schon verdrängt. Und ja, „Retreat“ steht noch auf meiner Liste.

  2. 1. Mai 2017 09:46

    Leider spielt Cillian auch in Transcendence und im Im Herzen der See mit. Auch wenn die nicht ganz so dumm sind wie In Time.

    Red Lights hatte ich mal bei MM entdeckt, dann den Metascore (36) nachgekuckt und den Film für immer ignoriert. ^^

    • donpozuelo permalink*
      1. Mai 2017 09:48

      Oh Gott… stimmt. Transcendence hatte ich auch verdrängt. Uff… Im Herzen der See ging so. Fand ich noch halbwegs erträglich. Red Lights kann man sich aber wirklich angucken.

      • 1. Mai 2017 10:34

        Ich fand Im Herzen der See ganz gut 🙂

        • donpozuelo permalink*
          1. Mai 2017 10:35

          Ich hatte mir irgendwie mehr von dem Film erhofft. Der zog sich am Ende ganz schön.

  3. 1. Mai 2017 11:19

    Ich liebe den Film, obwohl ich Murphy nicht mag. Damals hatte er so schlechte Kritiken, vielleicht war ich deshalb so angenehm überrascht.
    Ist auf jeden Fall genau mein Genre, Parallelwelt hin oder her :))))

    • donpozuelo permalink*
      1. Mai 2017 11:20

      Von Liebe würde ich bei diesem Film nicht sprechen, aber er ist schon echt gut. Das wäre tatsächlich ein Film, von dem ich ne Fortsetzung geguckt hätte 😉

  4. 1. Mai 2017 12:11

    Den Film wollte ich auch unbedingt sehen, weil ich Murphy-Fan bin. Leider habe ich den dann doch irgendwie verpasst… Ein schlechter Film mit Murphy ist übrigens „28 Days Later“, aber das sehen wohl nicht viele so^^

    • donpozuelo permalink*
      1. Mai 2017 12:17

      Von Murphy-Fan zu Murphy-Fan kann ich dir den nur empfehlen. Bin allerdings doch etwas schockiert, dass du „28 Days Later“ nicht magst. Woran liegt’s?

      • 1. Mai 2017 12:27

        Ich weiß es gar nicht genau, fand den hauptsächlich einfach nur langweilig…

        • donpozuelo permalink*
          1. Mai 2017 12:29

          Hmm… müsste den auch noch mal gucken. Ist schon zu lange her. Damals mochte ich den aber sehr… bin nur kein Fan der Fortsetzung. Ich pack den mal auf meine To-Do-Liste 😉

  5. 2. Mai 2017 09:09

    Ich kenne auch einen: „Sunshine“ von Danny Boyle

    • donpozuelo permalink*
      2. Mai 2017 09:14

      Habe ich zu meiner Schande so gar nicht mehr in Erinnerung.

      • 2. Mai 2017 15:19

        Spricht umso mehr gegen den Film – ist mir vor allem wegen seines furchtbaren Ended in Erinnerung geblieben.

        • donpozuelo permalink*
          2. Mai 2017 21:32

          Ich habe nicht einmal daran eine Erinnerung… spricht wirklich nicht so für den Film 😉

  6. 13. Mai 2017 17:22

    Oh man … Red Lights ist echt so einer der Filme, die bei mir ganz hoch im Kurs stehen und die ich sehr liebe, aber irgendwie scheinbar niemand sonst XD Wobei er ja bei dir auch nicht direkt schlecht angekommen ist, aber auch nicht die Begeisterungsstürme auslöst wie bei mir einst.
    Mich hat an dem Film sehr das Spiel mit den Erwartungen gepackt. Silver schien so perfekt zu sein, dass ich dachte, dass es hier bestimmt keinen Schwindel gibt. Es gab eine Szene, da hatte er mich so richtig, dass war glaube ich die als Buckley ihn alleine aufsucht. Und andere Erwartungen wurden auch zerstört – z.B. dachte ich, dass wenn einer ihn auffliegen lässt, dann würde das Sigourney Weavers Charakter sein. Das hat sich auch recht schnell erübrigt. Deswegen war ich sehr überrascht über den Twist, den ich auch wirklich nicht habe kommen sehen. Nicht mal erahnt. Und auch nach mehrmaligem Schauen muss ich sagen; er fügt sich verdammt gut ein und ist robust gegen ein zweites und drittes Schauen.

    Was die Sache mit den Medien und Schwindlern und ihren begeisterten Anhängern betrifft, war ich auch etwas verwundert, aber das ist gar nicht so sehr Parallelwelt wie man meint, befürchte ich. Als ich ein Teenager war, gab es eine Reihe von Schwindlern, die die Nummer versucht haben per Post abzuziehen. Das war krass wieviele das waren. Meine Oma war dafür (leider) empfänglich, daher weiß ich das. Und in Amerika gibt es ja auch einige Sekten und Coaches, die ganz gut Hallen füllen. Das was so irreal wirkt ist ja, dass es scheinbar soviele Anhänger gibt Aber ich glaube das Geheimnis ist, dass die Leute einfach bereit sind irre weit für die Typen zu fahren.

    • donpozuelo permalink*
      15. Mai 2017 17:46

      Du hast Recht, das Spiel mit den Erwartungen ist in diesem Film schon wirklich gut. Und ja, es gibt viele Wendungen, die man wirklich nicht einmal erahnen kann. Das war wirklich mal wieder sehr schön, sowas zu sehen.

      Ich werde den bestimmt noch einmal schauen. Gerade solche „twistreichen“ Filme zeigen ja beim erneuten Gucken erst, wie gut sie wirklich sind.

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