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Galaktische Vaterprobleme

28. April 2017

Als 2014 ein Typ aus den 80ern, eine grüne Kriegerin, eine ironie-freie Kampfmaschine, ein sprechender Waschbär und ein merkwürdiges Baumwesen die Kinoleinwand betraten und als „Guardians of the Galaxy“ das MCU aufmöbelten, dachten sich wohl alle, dass Marvel jetzt wirklich einen Schuss weg hat. Da werden gleich fünf neue Charaktere eingeführt – ohne einzelne Origin-Stories und dann auch noch so fernab von dem, was man normalerweise von Marvel gewohnt war. Mit Sicherheit war „Guardians of the Galaxy“ eines der größeren Risiken, die Kevin Feige eingegangen ist… aber er hat gut gepokert und die Guardians wurden ein voller Erfolg. Weswegen man Regisseur James Gunn jetzt wohl komplette Narrenfreiheit für die verrücktesten Marvel-Helden überhaupt gegeben hat… und so ist „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ genau das, was man erwarten könnte und irgendwie auch nicht.

Nachdem Peter Quill – Verzeihung – Starlord (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Rocket (Bradley Cooper) und Groot (Vin Diesel) schon einmal die Galaxie gerettet haben, geraten sie jetzt nach einem Auftrag ins Visier der Sovereign, angeführt von der Hohepriesterin Ayesha (Elizabeth Debicki). Auf der Flucht vor ihr, geraten die Guardians an Ego (Kurt Russell), der Peters lang gesuchter Vater zu sein scheint. Sie begleiten ihn daher auf seinen Planeten, doch sowohl die Sovereign als auch Yondu (Michael Rooker) sind den Wächtern der Galaxie dicht auf den Fersen.

Die üblichen Verdächtigen

„Guardians of the Galaxy Vol.2“ wird selbst die harten „Guardians“-Fans in vielen Dingen vielleicht spalten. Es wird diejenigen geben, die diesen Film furchtbar finden werden und diejenigen, die auch weiterhin das Genie James Gunn lobpreisen werden. Ich neige da dann doch eher zum Letzteren – allerdings mit Vorbehalt. Was man dem zweiten Teil auf jeden Fall stark anmerkt, ist die Tatsache, dass James Gunn scheinbar wirklich freie Hand bekommen hat – gerade was den Humor angeht… und der wird die Gemüter spalten und auch ich fand den manchmal etwas anstrengend. Anstrengend und etwas grenzdebil. Einige Witze kostet Gunn einfach zu lange aus (wenn etwa Ewigkeiten nach Klebeband gesucht wird oder Baby Groot einfach nicht versteht, was er Rocket bringen soll), andere sind irgendwie einfach nur schlecht (wenn Drax zum Beispiel die ganze Zeit Neuzugang Mantis runtermacht – darüber konnte ich einfach nicht lachen) und manches driftet dann auch arg ins Alberne ab (wenn Ego und Peter mit einem Ball aus Licht Fangen spielen). Der Humor ist hier einfach nicht immer wirklich mein Fall gewesen… und das hat mich an vielen Stellen (besonders in der Mitte des Films) immer wieder ein bisschen aus dem Film rausgeworfen. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Drax ein bisschen mehr in den Vordergrund gedrückt wird und das für mich eine Nummer zu viel war…

Gleichzeitig ist das aber auch das Tolle an dem Film… es werden andere Charaktere ein bisschen mehr in den Vordergrund gestellt. Drax habe ich ja schon erwähnt, auch wenn ich von dem nicht so viel hätte sehen müssen. Dieses ständige gequält wirkende Lachen von Bautista war ab einem bestimmten Zeitpunkt echt anstrengend. Dafür war es aber sehr toll, dass Rocket ein bisschen besser zur Geltung kommt. Vor allem aber sind es auch Charaktere außerhalb der Guardians, die mehr an Bedeutung gewinnen – allen voran Michael Rookers Yondu, Peters Vaterfigur, bis der seinen echten Vater trifft. Yondu mochte ich ja schon im ersten Teil, aber jetzt wird da noch ordentlich eine Schippe drauf gelegt – und ganz ehrlich, gegen einen Yondu-Solo-Film hätte ich nichts einzuwenden. Dazu kommt ja dann noch Nebula (Karen Gillan), die ihrer Schwester Gamora das Leben schwer macht – und auch dieses Loki-Hafte hat gut in „Volume 2“ gepasst. Erneut haben wir ein böses Geschwisterchen, das irgendwie so halb gut wird, aber dann doch nicht. Diese Art von Ambivalenz hat extrem gut getan.

So wird dann auch die ganze Gemeinschaft der Guardians aufgepeppt, der Film wirkt noch ein bisschen emotionaler, weil viel mehr an der Gruppendynamik und an dem Selbstbild der einzelnen Guardians gekratzt wird. Hier wird noch deutlicher, dass wir es mit einer Gruppe von Arschlöchern zu tun haben, die keineswegs perfekte Helden sind. Es ist eine dysfunktionale Familie, die aber gerade deswegen so gut funktioniert – nur müssen sie alle ihren Platz in der kleinen Gemeinschaft finden. Das hat Gunn toll herausgearbeitet. Wir kennen diese Charaktere durch den ersten Teil und jetzt spielt Gunn gekonnt mit ihnen und führt uns tiefer in ihre Emotionswelt hinein. Gamora wird mit ihrer Schwester konfrontiert und damit mit ihrer Vergangenheit. Peter trifft auf seinen Vater (übrigens großartig gespielt von Kurt Russell, der wunderbar als Papa Quill passt), Rocket muss seine Rolle hinterfragen und selbst Drax wird manchmal sehr gefühlvoll. Das ist wirklich top.

Staring contest of the freaks

Dazu kommen tolle visuelle Effekte (Egos Planet ist ein absoluter Traum), toller Humor (der halt nur manchmal durch nicht ganz so tollen Humor gestört wird): allein die Anfangsszene ist einfach nur spitze. Hier zeigt sich dann auch wieder, wie gut Gunn den Soundtrack einsetzen kann. Auch in „Volume 2“ passt wieder jeder Song perfekt zu der Szene, unterstreicht wunderbar die Stimmung und bauscht das Ganze sehr gefühlvoll noch weiter auf. Das Rundum-Paket „Guardians of the Galaxy“ stimmt auch im zweiten Teil – nur der Humor ist manchmal etwas merkwürdig. Trotzdem: Ich hatte meinen Spaß! Teil 2 enttäuscht auf keinster Weise!

Wertung: 9 von 10 Punkten (die Guardians werden emotionaler, werden mehr eine Familie – auch wenn der Weg dahin schwer ist)

P.S.: Kultikone David Hasselhoff hat in diesem Film einfach mal den besten Cameo der Marvel-Geschichte! Großartig.

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19 Kommentare leave one →
  1. 28. April 2017 06:40

    „Als 2014 ein Typ aus den 80ern, eine grüne Kriegerin, eine ironie-freie Kampfmaschine, ein sprechender Waschbär und ein merkwürdiges Baumwesen die Kinoleinwand betraten“, dachte ich mir: „Wenn der Film mir gefällt, fress ich einen Besen.“ Ich habe immer meinen alten hier rum stehen 😉

    • donpozuelo permalink*
      28. April 2017 06:52

      Oha… also kein Guardians-Fan? Oder hast du den neuen Besen gefressen, weil der Film soooo toll war? 😀

      • 28. April 2017 07:18

        Ersteres. Wobei ich betonen möchte, dass ich den Guardians BEI WEITEM nicht so schlecht fand wie andere Marvelfilme. Allen voran beide Thor-Filme oder den zweiten Avengers.
        Um ehrlich zu sein fällt mir gerade auf, dass ich mich null an die Handlung in Guardians erinnern kann. Nur daran dass ich Chris Pratt nicht mag, der Waschbär genervt hat und ich mit dem Baum nichts anfangen konnte. Sorry 🙂

        • donpozuelo permalink*
          28. April 2017 07:22

          Hahaha… du musst dich nicht entschuldigen. Story vom ersten war wie jede Story bei Marvel: irgendein Böser will Böses tun. Fertig. Da muss man dann am Ende halt wirklich die Charaktere mögen… sonst ist der Film wirklich öde.

        • 28. April 2017 07:22

          Genau das war das Problem 🙂

        • donpozuelo permalink*
          28. April 2017 07:23

          Absolut verständlich. Für mich ist der erste immer noch einer meiner Lieblingsmarvelfilme.

        • 28. April 2017 07:27

          Ich habe auch kein grundlegendes Problem mit Superheldenfilme. Auch wenn man den Eindruck langsam gewinnen könnte. Ich mochte den ersten Avengersfilm und auch Deadpool war cool. Die X-Men finde ich größtenteils auch stark. Vielleicht liegt es daran, dass ich früher keine Comics gelesen habe und deshalb mit den Figuren des MCU nichts anfangen kann.

        • donpozuelo permalink*
          28. April 2017 07:38

          Vielleicht. Vielleicht gehörst du aber einfach zu den Leuten, die schneller satt waren als andere. So laaangsam reicht es mir dann auch bald… die Filme sind ja doch recht Schema F. Aber noch kann ich das gut ertragen.

        • 28. April 2017 07:58

          Wenn ich mir die Entwicklung meiner Leibesfülle in letzter Zeit anschaue, spricht das ganz klar gegen deine Sättigungsthese 😉
          Und zum Thema Schema F: Ich mag Jurassic World (trotz Pratt)…

        • donpozuelo permalink*
          28. April 2017 08:31

          Hahaha… ich sprach auch nur von der Comicfilmsättigung. Zu allem anderen maße ich mir kein Urteil an.

          Jurassic World mochte ich wiederum nicht. 😉

      • 28. April 2017 07:21

        Ich habe den Film übrigens damals nur geschaut, weil ein guter Freund ihn mir mit den Worten „Ich weiß, du magst keine Superheldenfilme. Aber DEN wirst du lieben“ beworben hat. So schnell kann man sich selbst aus der Facebook Freundesliste entfernen 😀

        • donpozuelo permalink*
          28. April 2017 07:22

          Facebook-Freunde… das ist keine Garantie…

        • 28. April 2017 07:23

          Hehe. Ja ich weiß. Tatsächlich kenne ich den Burschen seit über 25 Jahren 😉

  2. 28. April 2017 22:11

    Irgendwie reizt mich diese Fortsetzung=0 und die (meisten) Kritiken scheinen das zu bestätigen. Den Humor im Trailer mochte ich eigentlich ganz gern. Ist das damit vergleichbar?

    • donpozuelo permalink*
      30. April 2017 23:02

      Der Humor im Trailer ist schon sehr der Humor des Films…

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