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Burger-Guru

26. April 2017

Früher bin ich gerne zu McDonald’s essen gegangen. Ich kann mich sogar noch gut daran erinnern, dass ich etwa 10 oder 11 war, als ich das erste Mal so ein Happy Meal bekommen habe. Das war schon was. Was wusste ein kleiner Junge aus Rostock schon, wie ein guter Burger zu schmecken hat? Das weiß der kleine Junge tatsächlich erst so richtig, seit er in Berlin lebt und mal so die ein oder andere Burger-Bude ohne die goldenen Bögen besucht hat (und nein, ich rede jetzt nicht von Burger King). Das ist schon ein Unterschied wie Tag und Nacht – so ein richtiger Burger ist einfach was Feines. Obwohl der ein oder andere Gang zu McDonald’s natürlich nicht ausbleibt – so ein Cheeseburger ist für den kleinen Hunger oder als Kater-Futter ganz brauchbar. Wesentlich brauchbarer ist da tatsächlich „The Founder“ – ein Film über die Anfänge und das Werden von McDonald’s.

Da gab es nämlich 1954 einen fahrenden Vertreter namens Ray Kroc (Michael Keaton), der schon alles mögliche verkauft hat – von Klavieren über Klappbetten bis hin zu Milchshake-Maschinen. Und durch diese Maschinen trifft er auch auf die Brüder Dick (Nick Offerman) und Mac (John Carroll Lynch) McDonald, die eine effektive Burger-Bude betreiben: „Von der Bestellung zum Burger in nur 30 Sekunden!“ Ray ist von diesem Konzept so beeindruckt, dass er das McDonalds Speedee-Prinzip als Franchise in ganz Amerika verbreiten möchte. Widerwillig lassen sich die McDonald-Brüder auf einen Deal mit Ray ein – ohne zu wissen, wie das alles enden wird.

The real Big Mac

Wie das endete, wissen wir. Keine Innenstadt kommt mehr ohne McDonald’s aus, keine lange Autobahnfahrt ist jemals gut, wenn man nicht wenigstens einmal bei McDonald’s angehalten hat. Wie das anfing, zeigt uns nun also „The Founder“ – und das ist ein Film, der interessant und unterhaltsam ist. Interessant, weil ich tatsächlich wirklich kaum was darüber wusste, wie McDonald’s überhaupt so groß werden konnte. Dass ein Ray Kroc eigentlich mehr durch Immobiliengeschäfte den Ruhm von McDonald’s steigern konnte, wusste ich zum Beispiel nicht. Man lernt wirklich eine Menge über diese übergroße Burger-Kette – und dabei ist „The Founder“ jetzt kein McDonald’s-Werbefilm, der alle naselang die Qualität des Burgers lobpreist und uns mit unterschwelligen Botschaften suggeriert, am besten gleich nach dem Kino mal auf nen Burger vorbeizuschauen.

Nein, ein Werbefilm ist „The Founder“ nicht – eher das Gegenteil trifft zu. Der Film ist ein Biopic der etwas anderen Art. Ray Kroc ist ein Mann, der den amerikanischen Traum lebt. Falsch. Die McDonald-Brüder leben den amerikanischen Traum. Ray Kroc zerstört ihnen den und lebt seinen eigenen Traum. Und das ist das, was „The Founder“ wirklich so sehenswert macht – wie zwei Idealisten auf einen skrupellosen Kapitalisten treffen. Krocs Einstellungen und seine Härte im Geschäft sind unfassbar. Hier lernt man so wichtige Leitsätze wie „Verträge sind wie Herzen – zum Brechen gemacht!“ oder „Wenn ich einen Mitstreiter ertrinken sehe, dann drücke ich ihm noch den Schlauch in den Rachen!“ Dieser Film macht uns wirklich nichts vor, Ray Kroc ist ein eiskalter Typ, der seiner Frau mal eben beim Abendessen sagt, er will die Scheidung. Ray Kroc ist ein skrupelloser Kerl, der den McDonald-Brüder irgendwann sogar das Recht auf ihren eigenen Namen nimmt. „The Founder“ zeigt uns wahrscheinlich die ehrlichere Variante des amerikanischen Traums: Denn Kroc ist ein Mann ohne Talente – dafür aber skrupellos und vor allem stur und ausdauernd.

Und dieser Ray Kroc ist bei Michael Keaton in aller, allerbesten Händen. Nachdem man ja vom Ex-Batman gefühlt kaum noch was hörte, kam dann das große Comeback mit „Birdman“ – und jetzt darf Keaton noch einmal zeigen, was er alles drauf hat. Ohne Keatons Charme und seine lockere Art wäre „The Founder“ ziemlich schnell ein recht öder Film, der sich einfach an den einzelnen Episoden der Franchise-Geschichte entlanghangelt. Dank Keaton wird das locker-leichtes Unterhaltungskino mit einer Hauptfigur, bei der man nicht weiß, ob man sie bewundern oder hassen soll. Dazu liefern Nick Offerman und John Carrol Lynch den passenden Gegenpart – zwei, die ihren kleinen Traum leben wollen und vom Leben so richtig fies verarscht werden. Mit den Beiden leidet man wirklich mit.

Mit „The Founder“ hatte ich echt meinen Spaß, es ist eine kleine Lehrstunde in Sachen Skrupellosigkeit… und irgendwie auch ein trauriges Beispiel, was für Arschlöcher Menschen doch sein können. Doch spätestens wenn ich den nächsten Big Mac esse, ist mir das dann auch egal.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Michael Keaton ist der Burger-Guru, der eigentlich ein Immobilien-Guru ist, der eigentlich ein Arsch ist)

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5 Kommentare leave one →
  1. 26. April 2017 14:34

    Du fütterst deinen Kater mit Mäckes-Burgern? Das arme Tier 😄

    • 26. April 2017 14:35

      Kaum geschrieben, da fällt mir ein, dass du mit Kater wohl eher die Folgen von Alkoholkonsum meinst…

      • donpozuelo permalink*
        26. April 2017 14:37

        Hahaha… ja. Ich meinte das Alkoholkaterchen. Hab gestern, als ich den Artikel eingestellt, auch noch gedacht, dass die Formulierung etwas doof ist, war dann aber zu faul, es zu ändern. 🙂

  2. 1. Mai 2017 13:32

    Gefiel mir auch ausgesprochen gut und ich verstehe nicht, dass der Film so angegangen wurde, denn ich fand nicht, dass Kroc besonders positiv dargestellt wurde, aber gut, da liegt sicherlich im Auge des Betrachters 🙂

    • donpozuelo permalink*
      1. Mai 2017 13:35

      Eben. Ich fand es auch gerade gut, dass sie ihn schon sehr als Arschloch darstellen. Auf jeden Fall eine sehr coole Rolle für Michael Keaton.

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