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Scorseses Gatsby

24. April 2017

Ich will jetzt gar nicht so lange um den heißen Brei herum reden: Es wird um „Entourage“ gehen, genauer gesagt um die letzten vier Staffeln. Ich muss gestehen, dass ich mich da mittlerweile regelrecht durchquälen musste. Aber weil es als Frühstücksserie dann doch irgendwie gut genug gepasst hat, habe ich diese Qualen auf mich genommen. Leider gehört „Entourage“ jedoch zu den Serien, die ihren Zenit schnell überschreiten und sich dann lange nicht eingestehen wollen, dass man früher hätte Schluss machen sollen.

Lange Rede, kurzer Sinn – „Entourage“: Vince (Adrian Grenier) hat sich nach dem miesen Auftritt seines Films „Medellin“ in Cannes erst einmal verkrochen. Doch irgendwann ist damit auch Schluss, neue Projekte müssen her, man braucht ja Geld für Frauen, Alkohol und sonstiges. Erst kommt ein verrückter Regisseur (grandios gespielt von Stellan Skarsgard), dann am Ende von Staffel 5 Martin Scorsese, der Vince für „The Great Gatsby“ haben möchte. Danach geht es story-technisch nur noch bergab. Seine Entourage, bestehend aus E (Kevin Connolly), Johnny Drama (Kevin Dillon) und Turtle (Jerry Ferrara), ist dabei wie gewohnt, stets an seiner Seite. Turtle versucht in den letzten beiden Staffeln mal wieder als Geschäftsmann, Drama sucht weiterhin nach dem großen Erfolg und bekommt am Ende eine eigene Serie als animierter Gorilla und E gründet seine eigene Firma und nervt so ziemlich mit seiner On-Off-Beziehung zu Sloan (Emmanuelle Chriqui). Einziger Fels in der Brandung ist und bleibt nach wie vor Ari Gold (Jeremy Piven)!!!

Entourage on the Beach

Staffel 5 und 6 waren tatsächlich noch unterhaltsam. Die habe ich noch gerne geguckt, zwar nervte mich Neuzugang Scott Caan als Erics Kollege Scott, aber wenigstens wurde der besser in die Story integriert als so manch andere Charaktere (wie zum Beispiel Dom, der irgendwann in der zweiten Staffel, glaube ich, aus dem Knast kommt, dann ein bisschen nervt und nach zwei Folgen wieder verschwindet). Scott Caan war da noch okay, obwohl ich auch nicht so recht wusste, warum man den jetzt noch als quasi Neumitglied der Entourage brauchte. Gut, letztendlich hat er die E-Handlungen ein wenig aufgepeppt, aber eigentlich war er auch recht überflüssig.

Genauso überflüssig wie Turtle, was den Machern wohl nach vier Staffeln auch aufgefallen ist. In Staffel 5 lernt er dann Soprano-Tocher Jamie-Lynn Sigler kennen, die dann bis Staffel 6 immer mal wieder als seine Freundin auftaucht, seiner Figur aber auch nicht mehr Tiefe verleihen kann. Turtle ist und bleibt der ewige Schmarotzer, der mich nie so wirklich interessiert hat. Und jeder Versuch, ihn ein bisschen mehr aufzubauen, schlägt in meinen Augen fehl. Sein tolles Limousinen-Business, seine Tequila-Vertriebe… alles nicht so aufregend.

Genauso unaufregend wie die komplette E-Story. Gerade das Hin und Her mit Sloan war tödlich! Wollte man hier so das „Ross und Rachel“-Schema aufgreifen? Wenn ja, dann war es super öde. Überhaupt war diese ganze Beziehungskiste in „Entourage“ zum Ende wirklich absurd. Irgendwann in Staffel 7 taucht dann auch noch Porno-Darstellerin Sasha Grey auf und verführt Vince zu Drogen und Alkohol. Wozu das alles? Damit man noch ein bisschen mehr die dunklen Seiten Hollywoods aufzeigt? Hätte man sicherlich auch etwas gekonnter machen können und vielleicht nicht unbedingt Sasha Grey dafür verwenden sollen. Die war so aufregend wie Schnupfen.

Bleiben letztendlich die zwei Charaktere, die mir von Anfang an gefallen haben: Johnny Drama und Ari Gold. Und auch hier muss ich wieder sagen: Ich habe nur wegen Jeremy Piven fleißig durchgehalten. Wenn auch alle anderen Handlungsstränge irgendwann extrem langweilig wurden, ein Ari Gold wusste immer zu überzeugen. Ari durchlebt mit seiner Trennung von seiner Frau immer noch die interessanteste Geschichte. Selbst sein Fluchen kommt irgendwann zu ihm zurück und droht, seine Karriere zu zerstören. Ganz ehrlich, sie hätten mit der ganzen Serie nach Staffel 5 oder 6 aufhören sollen und sich dann lieber an ein Ari-Gold-Spinoff setzen sollen (was ja die Post-Credit-Szene der finalen Folge auch noch einmal unterstreicht).

„Entourage“ – ich bin ganz froh, dass ich es jetzt hinter mich gebracht habe. Die letzten beiden Staffeln waren wirklich einfach nur Mist. Da wurde das ganze wirklich zu einer albernen Soap, wo in jeder Folge brav jedes Problem ganz super schnell gelöst wurde und alles wieder gut war. Die Beziehungskisten waren öde, die Geschichten allgemein wiederholten sich einfach nur noch (aber gut, was will man noch groß ändern an Wein, Weib und Spaß, den drei von vier Standpfeilern dieser Serie – Nr. 4 ist Ari Gold, King of Entourage). Naja, ich werde mich jetzt irgendwann noch mal an den „Entourage“-Film wagen, weil ich gehört habe, dass der ganz okay sein soll. Die Serie wird sich dafür aber schnell wieder aus meinem Gehirn verabschieden und auch nicht unbedingt ein zweites Mal geguckt werden. Dann schaue ich mir lieber die Ari-Gold-Zusammenschnitte auf youTube an, da habe ich das Beste der Serie in 5 Minuten zusammengefasst.

Wertung:

Staffel 5 – 8 von 10 Punkten

Staffel 6 – 7 von 10 Punkten

Staffel 7 – 5 von 10 Punkten

Staffel 8 – 5 von 10 Punkten

(ich will nach wie vor ein Ari-Gold-Spinoff 😉 )

3 Kommentare leave one →
  1. 24. April 2017 15:08

    Ja, die letzten beiden Staffeln waren leider ziemlich mau. Den Film mochte ich aber doch ziemlich, wenngleich er auch absolut nichts Neues erzählt. Gerade mit etwas Abstand hat er doch gut funktioniert.

    • donpozuelo permalink*
      24. April 2017 15:19

      Okay. Danke. Gut zu wissen. Den Film will ich auf jeden Fall auch noch gucken. Und ja, die letzten zwei Staggeln waren eigentlich echt unnötig.

Trackbacks

  1. Aquaman und seine Jungs | Going To The Movies

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