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The Pazmanian Devil

21. April 2017

Mit 20 hatte Miles Teller einen heftigen Autounfall. Das Auto, in dem er sich befand, überschlug sich etwa acht Mal, Teller selbst wurde durch die Scheibe geschleudert und hätte bei diesem Unfall beinahe sein Leben gelassen. Und jetzt ist er ein aufsteigender Star an Hollywoods Himmel, der gefühlt viel zu oft in seinen eigenen Filmen mit Autounfällen konfrontiert wird. Sucht er sich das extra aus, um dem Tod fiktiv noch einmal ins Gesicht zu lachen? Oder handelt er nach dem Motto „Wer vom Pferd fällt, sollte schnell wieder aufspringen!“. In „The Spectacular Now“ gibt es einen Unfall, der mit ihm aber nichts zu tun hat. In „Whiplash“ gerät er in einen Unfall und jetzt in seinem neuesten Film „Bleed for this“ gibt es wieder einen heftigen Autounfall…

„Bleed for this“ basiert auf wahren Begebenheiten. Vinnie Pazienza (Miles Teller), oder auch „The Pazmanian Devil“ genannt, ist Boxer, dessen Manager ihn nach der Niederlage gegen Roger Mayweather für erledigt erklärt. Doch Teller will von einem Ende seiner Karriere nichts wissen. Er holt sich Trainer Kevin Rooney (Aaron Eckhart) an seine Seite und trainiert, wechselt die Gewichtsklasse und gewinnt prompt seinen ersten Kampf und wird Weltmeister Halbmittelgewicht. Doch dann hat er einen schweren Autounfall, bei dem er sich das Genick bricht. Sein Arzt sagt ihm, dass er nie wieder boxen wird, geschweige denn je richtig laufen kann. Eine Aussage, die der Pazmanische Teufel auslacht… und sich nach drei Monaten in einer Metallapparatur um seinen Kopf wieder ans Training setzt.

Wenn man als Drummer nicht mehr gebraucht wird…

Ich will mal gleich sagen, dass mein Lieblingscharakter in diesem Film weder Teller noch ein übergewichtiger, glatzköpfiger Aaron Eckhart war, sondern die zauberhafte Kate Sagal in der kleinen Nebenrolle als Vinnies Mutter. Ich fand es irgendwie unheimlich putzig, wie sie bei all seinen Kämpfen in einem separaten Zimmer sitzt und zu Gott und Jesus betet, während im Raum nebenan ihre Tochter mit Freunden den Kampf verfolgt… und immer wieder ruft sie mal, was los ist. Es ist so passend, das ist so typisch Mutti: Ich will nicht sehen, wie mein Sohn verkloppt wird, aber ich bete für ihn. Mich hat das sehr berührt, vielleicht weil meine eigene Mutter auch so wäre. Keine Ahnung, aber auch wenn sie nicht oft zu sehen ist, hat Katey Sagal für mich in diesen Film die perfekte Boxer-Mama abgeliefert.

Aber wir sind ja nicht hier um über kleine Nebencharaktere zu sprechen – und seien sie noch so gut. Reden wir über „Bleed for this“… ein Film, der sich Zeit nimmt, um so richtig in die Gänge zu kommen. Ein Film, der gerade zu Beginn gefühlt jedes „Rocky“-Klischee aufarbeitet. Ein Film, den man wahrscheinlich weniger ernst nehmen würde, wenn es nicht alles wirklich passiert wäre. Die erste Hälfte fühlt sich wirklich wie ein typischer Box-Film an – inklusive Trainingsmontage zu packender Musik und einigen Boxkämpfen. Und das ist jetzt nicht negativ gemeint, das sieht alles verdammt gut aus – und gerade Miles Teller macht eine echt gute Figur. Der Junge hat sich offensichtlich für diese Rolle ordentlich was zugelegt, um diesen Vinnie zu spielen.

Und er spielt ihn gut… diesen Pazmanischen Teufel, der im Ring ein echter Zocker ist, der seine Gegner anbrüllt, der sich selbst Schläge verpasst, um sich aufrechtzuhalten. Miles Teller und Regisseur Ben Younger zeigen uns von Anfang an, dass wir es hier mit einem nicht zu stoppenden Kämpfer zu tun haben. Dieser Mann will sein Leben genießen – im Ring und auch außerhalb des Rings. Dieser Mann will sich nichts sagen lassen, er ist ein sturer Bock, ein Kämpfer, der eine Niederlage nicht einfach so hinnehmen will… weswegen die zweite Hälfte, nach dem schweren Autounfall, dann auch zu einem Beweis wird, was Willensstärke ausmacht. Das ist manchmal schwer zu ertragen, weil man immer wieder denkt, sein Hals könnte brechen, aber auf der anderen Seite weiß man nach gut einer Stunde, dass Vinnie nur so leben kann.

„Bleed for this“ ist einer dieser Filme, der uns mal wieder auf eindrucksvolle Weise zeigt, wozu wir Menschen doch fähig sind, wenn wir nur wollen. „Bleed for this“ lebt dabei vor allem durch Miles Teller, mit dem man von Anfang an (ganz wie seine Film-Mama) mitfiebert, bibbert, bittet und hofft, dass er es schaffen kann. „Bleed for this“ mag sich an einigen Stellen lang anfühlen, aber dann passt es doch wieder, weil Regisseur Younger sich eben die Zeit lässt, damit wir uns wirklich in Tellers Vinnie Paz hineinversetzen können.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein packender Box-Film, ein bewegendes Drama und ein Beweis, dass wir zu mehr fähig sind, wenn wir nur an uns glauben)

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