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Welcome to Fuck Town

19. April 2017

Wer hätte je gedacht, dass die Fake-Trailer, die 2007 zu Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez‘ „Grindhouse“ gedreht wurden, so ein krasses Eigenleben entwickeln. So krass, dass man sich mittlerweile kaum noch an „Death Proof“ oder „Planet Terror“ erinnert. Dafür aber an Danny Trejo und sein „Machete“, der mittlerweile auch wirklich irgendwie kultiger geworden ist, als Tarantinos Auto-Rasen und Rodriguez‘ Zombie-Apokalypse. „Machete“ treibt diesen ganzen B-Movie-Exploitation-Quatsch ja auch einfach mal so extrem auf die Spitze, dass es so unglaublich dämlich wie auch witzig ist. Was der zweite Teil dann noch einmal sehr gekonnt klarstellte… aber „Machete“ ist ja nicht der einzige Fake-Trailer gewesen: Da gab es noch Edgar Wrights „Don’t“ über ein merkwürdiges Grusel-Haus, Rob Zombies Nazi-Groteske „Werewolf Women of the SS“ und Eli Roths kranker Pilgrim, der in „Thanksgiving“ mordend durch die Gegend zieht. Von all diesen würde ich Edgar Wrights „Don’t“ ehrlich gesagt noch am liebsten in einer Langfassung von Wright höchstpersönlich sehen. Aber wer weiß… vielleicht kommt das ja noch, schließlich erwachen so einige Fake-Trailer aus „Grindhouse“ zum Leben. So auch der „Hobo with a Shotgun“.

Nach seinem Ausflug in 02:30-Länge bekam auch Rutger Hauers obdachloser Rächer seinen Langfilm, in dem er in das von Kriminalität und Brutalität beherrschte Städtchen Hope Town kommt, das von seinen Bewohner am Ortseingangsschild aber schon in Scum Town umbenannt wurde. Hier regiert „The Drake“ (Brian Downey) auf sadistische Art und Weise mit seinen beiden Söhnen Ivan (Nick Bateman) und Slick (Gregory Smith). Nun ja, bis der Hobo (Hauer) in die Stadt kommt… eigentlich will er nur einen Rasenmäher für knapp 50 Dollar, stattdessen kauft er sich eine Shotgun und beginnt in der Stadt aufzuräumen.

Er geht gleich noch bei Aldi…

Tja… was soll man zu „Hobo with a Shotgun“ groß sagen? Wer die „Grindhouse“-Sachen mochte und sich auch für „Machete“ nicht zu fein ist, der bekommt in „Hobo with a Shotgun“ genau das, was er erwartet: jede Menge krankes Zeug, verpackt in einer einfach gestrickten Story über einen Mann, der doch einfach nur seinen Rasenmäher wollte. Es ist die klassische Geschichte vom Gequälten, der für Rasenmäher und eine nette Nutte (Molly Dunsworth) zum etwas anderen Superheld wird. Aber gut, was soll ich mich lange mit der Story und ihrer Berechtigung aufhalten, wenn es dazu wirklich nichts zu sagen gibt??? Wieso auch? „Death Proof“, „Planet Terror“ und erst recht die „Machete“-Filme glänzten nicht unbedingt durch Raffinesse. Darum geht’s ja auch gar nicht… all das Gefasel zwischendurch soll ja nur die Grundlage für das sein, was uns da sonst noch erwartet. Die Story ist nichts weiter als ein kaum zu erkennender roter Faden. Kaum zu erkennen??? Nun ja, bei all dem Blut, den Gedärmen und abgetrennten Gliedmaßen sieht man so einen roten Faden ja nun auch wirklich nicht.

Und so geht es in „Hobo with a Shotgun“ auch gleich von Beginn an ordentlich zur Sache. Da gibt’s nen Gulli-Deckel als Halskrause, da gibt’s Baseball-Schläger mit Rasierklingen und da gibt es natürlich die Titel gebende Schrotflinte, die für Recht und Ordnung sorgt, fröhlich Köpfe zerplatzen lässt und Körper zu Mus verarbeitet. Regisseur Jason Eisener findet recht harte Bilder, um diese Stadt zu einem wahren Moloch werden zu lassen. Scum Town oder Fuck Town oder wie man sie auch nennen möchte, ist ein übles Pflaster. Da würde man dann Urlaub in „Sin City“ schon fast lieber vorziehen.

Manche Bilder in diesem Film gehen echt an die Nieren (und das ist jetzt nicht einmal ein gewollter Wortwitz), aber letztendlich macht Eisener nur das nach, was Rodriguez und Co. vorgemacht haben. Und in gewisser Weise trifft Eisener mit seinem „Hobo with a Shotgun“ eher den Nerv des Grindhouse als seine beiden großen Vorgänger. Denn dieser Hobo und dieser Film macht vor wirklich nichts Halt… und das meine ich auch. Einiges war wirklich hart an der Grenze des guten Geschmacks, den man ja sowieso vor die Tür sperrt, wenn man sich so einen Film anschaut 😉

Eisener weiß aber auch einfach, was er abzuliefern hat… und mit Rutger Hauer haben wir zumindest einen Darsteller, der in diesem kranken Film wirklich einen Hoffnungsschimmer liefert. Hauers Hobo ist ein Mann weniger Worte, dafür tut er mehr… und geht diesen David-gegen-Goliath-Kampf mit Bravour an. Allerdings kann Hauer auch nur so scheinen, weil Brian Downey, Nick Bateman und Gregory Smith dem kranken Wahnsinn so gut Leben einhauchen. Die Drei sind so krank und kaputt, dass man sich von der ersten Minute an wünscht, der Hobo würde sich bei ihnen etwas mehr Zeit lassen, statt gleich zur Shotgun zu greifen.

„Hobo with a Shotgun“ ist das Trash-Kino, das man erwartet, nachdem man den Fake-Trailer gesehen hat. Da der Film weniger auf Humor setzt wie „Machete“ und sehr viel brutaler daherkommt als „Machete“, „Death Proof“ und „Planet Terror“ zusammen, ist es vielleicht ganz gut, dass der nicht in Serie ging. Es ist ein cool-kranker Film, den man einmal gesehen hat und danach reicht es dann auch wieder…

Wertung: 6 von 10 (brutaler Trash mit einem wirklich guten Rutger Hauer)

P.S.: Was ich nach diesem Film aber schon irgendwie noch gesehen hätte, wäre eine Art Vorgeschichte zu „The Plague“, das kranke Killer-Pärchen, das ja scheinbar schon Abraham Lincoln und Jesus auf dem Gewissen hat… das wäre doch mal was fürs Grindhouse 😉

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