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Teuflisch guter Anwalt

17. April 2017

Kommen wir mal – nach gefühlten Ewigkeiten – zu einem Film, den ich gerne zu meinen Lieblingsfilmen zähle: „Im Auftrag des Teufels“ oder wie er im Original heißt: „Devil’s Advocate“. Jetzt ist es ja mit Lieblingsfilmen immer so eine Sache. Man hat sie früher hoch und runter geschaut, aber mit der Zeit häufen sich so viele „Lieblingsfilme“ an, dass einige einfach ein bisschen in Vergessenheit geraten. Mich erinnerte letztens ein guter Freund wieder an diesen Film, weil er ihn im Fernsehen gesehen hatte und so kamen wir ins Gespräch über einen großartigen Al Pacino, einen der ersten großen Auftritte von Charlize Theron und über einen Keanu Reeves mit zu viel Gel im Haar. Da war ich dann aber auf jeden Fall wieder angefixt, weswegen ich mir meinen vermeintlichen Lieblingsfilm mal wieder anschauen musste, um zu sehen, ob er den Test der Zeit bestehen kann.

Kevin Lomax (Keanu Reeves) ist ein aufstrebender Anwalt, der noch nie einen Fall verloren hat. Daraufhin wird er nach New York eingeladen – in die Firma von John Milton (Al Pacino). Der ist nach kurzer Zeit so begeistert von Kevin, dass er ihm den Job anbietet. Natürlich nimmt Kevin an, bringt seine Frau Mary Ann (Charlize Theron) gleich mit und erhofft sich, die große Karriere. Doch während Kevin in der großen Stadt dank Milton mehr und mehr aufsteigt, vernachlässigt er seine Frau, die langsam wahnsinnig zu werden scheint. Doch Kevin ist wie benebelt von der Macht, geblendet von den Dingen, die Milton ihm zeigt, dass er von all den schlimmen Sachen, die wirklich vor sich gehen, gar nichts mitbekommt – bis es dann zu spät ist.

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Ich weiß noch, dass ich auf diesen Film in meiner De-Niro-Pacino-Phase gestoßen bin und relativ schnell schwer begeistert von dem Film war. Aber ich hätte damals wahrscheinlich jeden Film mit Pacino gefeiert, in dem er so herrlich frei drehen kann wie in „Devil’s Advocate“. Und Pacino ist immer noch eins der absoluten Highlights des Films. Der Mann hat eine unglaubliche Ausstrahlungskraft. Er muss nur so herrlich fies grinsen, dabei bleckt er dann die Zähne, zieht die Augenbrauen ein bisschen zusammen – und strahlt dann einfach so schon etwas faszinierendes aus. Man ist, wie Kevin, seinem Charme einfach sofort erlegen, auch wenn man sich bei jedem Grinsen von John Milton fragen muss, wie ehrlich es gemeint ist. Al Pacino liefert eine Glanzleistung als verführerischer Mentor ab, bei dem man nachvollziehen kann, warum ein junger, aufstrebender Keanu Reeves sofort gefangen genommen ist. Ich selbst würde Pacino folgen, wenn er mir all diese Dinge zeigt, die er Reeves im Film zeigt. Er ist einfach so verdammt gut. „Devil’s Advocate“ ist noch einer dieser späteren Pacino-Filme, der tatsächlich allein nur wegen ihm so verdammt sehenswert ist. Pacino ist eine Wucht, herrlich diabolisch, herrlich verführerisch, herrlich zynisch und doppelzüngig. Eine perfekte Besetzung für das, was er in diesem Film repräsentiert. Einen besseren Teufel muss ich erst noch sehen.

Pacino allein hat mir dann damals offensichtlich schon vollkommen gereicht, sodass mir dann gar nicht aufgefallen ist, dass sich der Film doch ganz schön streckt. Er ist lang, aber es ist auch nicht die Art von Länge, die einem negativ auffällt. Es passt zwar alles noch, aber der Film hätte mit Sicherheit auch kürzer sein können – basiert ja letztendlich der Großteil dieses Films auf seinen Charakteren. Aber Regisseur Taylor Hackford lässt sich viel Zeit für sein Gerichtsdrama. Wir sind immer live dabei, wie Kevin Lomas einfach ein verdammt guter Anwalt ist… und ja, einiges davon hätte man sich sparen können. So wirken dann die Szenen mit Charlize Theron teilweise etwas fehl am Platze – denn hier wird viel eher dieser gewisse Horror-Ansatz in „Devil’s Advocate“ vermengt. Dabei gefiel mir der nicht fantastisch wirkende Ansatz mit der Anwaltskanzlei als Stätte für Satans Wirken immer ein bisschen besser als die verheulte Theron, die so nach und nach dem Wahnsinn verfällt.

Jetzt, wo ich den Film noch einmal gesehen habe, hatte ich das Gefühl, das musste da rein, damit auch der letzte Zuschauer versteht, dass dies nicht nur ein Gerichtsdrama ist, sondern halt auch ein Fantasy-Film, in dem der Teufel auf Erden wandelt und Böses in der Verkleidung von Justizia tut. Aber hey, so durfte Charlize Theron wenigstens auch ein bisschen zur Geltung kommen. Ansonsten wäre sie komplett verschwendet gewesen – und es passt ja dann auch wieder ein bisschen dazu, wie der Teufel Lomax von einer Sache ablenkt, um ihn auf etwas anderes zu stürzen.

Ich mag „Devil’s Advocate“ nach wie vor sehr gerne, auch wenn ich ihn jetzt ein bisschen sachlicher betrachte. Es ist dennoch ein toller Film mit einem umwerfend guten Al Pacino, der hier natürlich allen die Show stiehlt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein teuflisch guter, wenn auch etwas zu langer Film)

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15 Kommentare leave one →
  1. 17. April 2017 09:59

    Es ist ewig her, dass ich den Film das letzte mal gesehen habe. Aber auch ich habe ihn sehr positiv in Erinnerung. Muss ich mir r demnächst auf jeden Fall auch noch mal anschauen.

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2017 12:02

      Mach das. Ist auf jeden Fall gut gealtert. Allein Pacino ist super.

  2. 17. April 2017 10:31

    Den habe ich auch schon ewig nicht mehr gesehen, mochte ich früher aber sehr gerne.

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2017 12:01

      Genau aus dem Grund habe ich ihn mir jetzt ja nochmal angeguckt. Kann ich nur empfehlen 😉

  3. 17. April 2017 11:26

    Ich muss gestehen, dass ich diesen Film hasse und er mit ein Grund war, dass ich Al Pacino nicht mehr sehen mochte.
    Im Kino hatte ich nur Fremdschämmomente und war froh, als es vorbei war :))

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2017 12:00

      Echt? Wegen Pacino? Vielleicht musst du den nochmal gucken 😉

      • 17. April 2017 12:02

        Hatte ich sogar und fand ihn dann noch grottiger :))) ich mochte Keanu Reeves schon immer gerne, aber hier kann er nichts mehr löten 🤓

        • donpozuelo permalink*
          17. April 2017 12:06

          Hahaha… okay. 😀

  4. 17. April 2017 13:26

    Der Monolog des Teufels gegen Ende ist absolut fantastisch.

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2017 13:32

      Das stimmt. Überhaupt finde ich das ganze Ende ziemlich gelungen.

  5. 26. April 2017 21:05

    Oh du traust dich aber wirklich die ganzen Filme von ‚früher‘ auszugraben und zu schauen, ob sie noch gefallen. Auch auf die Gefahr hin, dass es ein zweites „Ghostbusters“ wird. „Im Auftrag des Teufels“ fand ich als Teenie richtig genial und vor einer Weile habe ich ihn auch nochmal geschaut und empfand ihn auch noch als klasse. Keanu Reeves wird ja gerne mal verspottet, weil er wohl relativ wenig facettenreiche Mimik hat, aber in dem Film fand ich das gar nicht unbedingt verkehrt.
    Inzwischen habe ich übrigens Ghostbusters geschaut. Und es gefiel mir tatsächlich nicht ganz so gut wie früher, aber immer noch ziemlich gut. Nur, dass mich die Effekte mehr gruseln als Vigo und der Marshmallow-Man.

    • donpozuelo permalink*
      28. April 2017 00:45

      Ja, ein paar meiner alten Klassiker will ich jetzt wirklich nochmal unter die Lupe nehmen. Demnächst kommt „Face/Off“ dran 😉

      Und ja, der erste „Ghostbusters“ ist toll, beim zweiten hat’s ja bei mir dann nicht mehr funktioniert 😉

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