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Wubba Lubba Dub Dub

29. März 2017

Ich habe einen Kollegen im Büro, der seit einiger Zeit immer mit den merkwürdigen Lauten in den Raum kommt, die heute meine Überschrift bilden: „Wubba Lubba Dub Dub!“ Und ich habe mich immer gefragt, ob er auf den Treppen nach oben einen kurzen Schlaganfall hatte oder ob das irgend ein neuartiger cooler Jugend-Sprech ist, den Opa nicht nachvollziehen kann. Komischerweise bin ich aber auch nie auf die Idee gekommen, nachzufragen. Man versucht ja tolerant gegenüber den Merkwürdigkeiten anderer Leute zu sein. Und dann wurde ich mit eben jenem Kollegen auf Dienstreise nach Polen geschickt, woraufhin ich mir mein Tablett mit Filmen und Serien vollpackte (man weiß ja nie, ob man sich riesig viel unterhält, wenn man lange unterwegs ist – und nichts tötet besser unangenehmes Schweigen als sich hinter seinem Tablett zu verstecken und Serien zu gucken) So fing ich dann vorsichtig mit einer Serie an und erstarrte nach ein paar Folgen vor lauter Überraschung: Auf einmal machte dieses Kauderwelsch einen Sinn – und wir hatten dann doch noch sehr viel mehr zu reden, denn endlich hatte ich die wundersame Welt von „Rick and Morty“ für mich entdeckt.

Ich wollte das ja eh schon lange mal schauen. Bei meinem ersten Versuch ging das jedoch schief: Nach nur fünf Minuten hatte ich die Pilotfolge wieder ausgemacht. Ich mochte diesen merkwürdigen, rotzigen (sorry, mir fällt kein anderes Wort dafür ein) und irgendwie billig wirkenden Zeichenstil nicht. Ich mochte erst recht nicht diesen ekligen Rick nicht, der immer diese eklige Sabber an seinem Mund hat, ständig rülpste (wohlgemerkt geschah das alles nach 5 Minuten). Ich mochte auch den kleinen Morty nicht, den er da ständig mit sich rumzerrte. Diese ganze „Back to the Future“-Kopie, nur halt in rotzig, versoffen und ein bisschen abartig, sprach mich so überhaupt nicht an.

Zero fucks given…

Aber ich hörte halt immer wieder (nach meinem Versuch), wie toll diese Serie sein soll. Ich tat sie unter diesen Erwachsenenserien ab, die versuchen, was Besonderes zu sein, mich aber nicht begeistern konnten. Dann stellte ich irgendwann ganz schockiert fest, dass ausgerechnet Dan Harmon für diese Serie verantwortlich. Der Mann, der mich mit „Community“ so herrlich zum Lachen gebracht hat (naja, zumindest mit den ersten drei Staffeln so richtig und danach war es immerhin noch okay-isch). So ganz wollte ich daher nicht glauben, dass mir „Rick and Morty“ nicht gefallen hat.

Nach einem Ausflug nach Polen war ich dann aber wie bekehrt. Die ersten beiden Staffeln habe ich förmlich verschlungen und tatsächlich ziemlich schnell sehr, sehr viel Spaß mit genau diesem verrotzten, ekligen Rick und dem so unschuldigen, kleinen Morty gehabt, die herrlich verrückte Abenteuer erleben. „Rick and Morty“ war letztendlich wirklich eine kleine Offenbarung für mich. Die Charaktere, die ich meinte zu hassen, mochte ich am Ende gar nicht mehr loslassen. Und das sind ja nicht nur Rick und Morty, sondern auch Mortys nicht weniger verrückte Familie. Die Serie zeigt einfach mal wieder, dass Harmon verquere Gruppendynamik am besten liegt. Jedes Familienmitglied wächst einem mit jeder Folge mehr und mehr ans Herz. Es sind merkwürdige Charaktere mit Fehlern ohne Ende, aber trotzdem (oder gerade deswegen) sieht man sie so gerne.

Fahrstuhl fahren kann auch Spaß machen.

Neben den Charakteren überzeugen diese ersten beiden Staffeln von „Rick and Morty“ aber durch eine unglaubliche Anzahl an verrückten Fantasien, bei denen ich immer noch glaube, dass Harmon und Co-Schöpfer Justin Roiland sich einfach ordentlich zugedröhnt haben (mit was auch immer) und anschließend sämtliche, wilden LSD-Träume aufgeschrieben und mit einer ordentlichen Portion Meta-Humor und Popkultur-Referenzen vermischt haben. „Rick and Morty“ schafft es, mit jeder Folge von Neuem zu überraschen, jede Folge ist so komplett anders, noch verrückter als die vorherige. Die Serie läuft nur über vor lauter verrückter Ideen. Das ist ein Sci-Fi-Fantasy-Comic-Nerd-Orgasmus in zwei Staffeln, von dem man eigentlich gar nicht will, das er aufhört.

Aber leider hört er irgendwann auf und nach dem wirklich tragisch-traurigen Ende der zweiten Staffel muss ich mich jetzt in die Reihe der schon lange wartenden „Rick and Morty“-Fans eingliedern, die verzweifelt auf die hoffentlich bald kommende dritte Staffel warten.

„Rick and Morty“ – ein kleiner, großer Segen für jeden Fan von wirklich absurder Skurrilität. Das Problem ist nur: Seit ich durch die Serie gelernt habe, was „Wubba Lubba Dup Dup“ heißt, weiß ich nicht mehr so richtig, wie auf den Kollegen reagieren soll, der jeden Tag mit diesem Spruch auf den Lippen ins Büro kommt. Aber vielleicht wartet auch er nur verzweifelt auf die dritte Staffel.

Wertung: 10 von 10 Punkten (herrlich doof, herrlich intelligent, herrlich mal was anderes 😉 )

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