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Achtung, emotionaler Schleim!

17. März 2017

Ich versuche gerade den Mut aufzubringen, mir das Reboot zu „Ghostbusters“ anzuschauen. Der originale „Ghostbusters“ ist halt einfach Kult und natürlich beäugt man da jede Art von Remake, Reboot, was auch immer kritischer. Vor allem, wenn dieser Film (oder zumindest diese Charaktere) so ein wichtiger Bestandteil der eigenen Kindheit war. Ich habe die Filme geliebt, die Zeichentrick-Serie sowieso – natürlich ist man da skeptisch. Mich interessiert da weniger, ob nun Frauen die neuen Ghostbusters spielen. Mir geht es eher um dieses Nostalgie-Gefühl, das angegriffen wird. Doch wie ich jetzt lernen musste, kann der schöne Schein der Nostalgie auch ordentlich die Sicht auf die Dinge trüben – denn ganz ehrlich: der zweite „Ghostbusters“-Film ist wirklich nicht gut! Und dabei hatte ich ihn so gut in Erinnerung.

Fünf Jahre nach ihrem kometenhaften Aufstieg und nachdem sie die Stadt vor Gozer und einem riesigen Marshmallow-Mann gerettet haben, steht es nicht gut um die Ghostbusters. Statt Geister zu jagen, hat sich die Gruppe getrennt. Ray (Dan Akroyd) betreibt einen Buchladen und tritt gemeinsam mit Winston (Ernie Hudson) auf Kindergeburtstagen auf. Egon (Harold Ramis) forscht an menschlichen Emotionen und Peter (Bill Murray) hat eine TV-Show und lebt getrennt von Dana (Sigourney Weaver), die mittlerweile einen Sohn von ihrem Ex-Mann hat. Der ist dann auch in Gefahr, als unheimliche Kräfte versuchen, ihn zu entführen. Dana trommelt die Jungs wieder zusammen, die darauf hin nicht nur einen merkwürdigen Schleim-Fluss unter New York entdecken, sondern auch jede Menge Geistererscheinungen – und den furchteinflößenden Vigo, der in einem Gemälde gefangen ist und durch Danas Sohn wiedergeboren werden möchte.

Das zeigt doch schon einfach alles über diesen Film aus, oder nicht?

Ein Glück hat „Ghosterbusters 2“ noch den Original-Cast des ersten Films, ansonsten wäre diese Fortsetzung wirklich eine Vollkatastrophe. Hier macht ja wirklich gar nichts mehr so richtig Spaß. Vor allem, warum zur Hölle werden die Geisterjäger jetzt auf einmal von allen verachtet? Es ist doch gerade mal fünf Jahre her, dass sie New York gerettet haben. So schnell kann das doch keiner vergessen haben. Doch letztendlich scheint das der Fall zu sein. Die kämpfen jetzt wieder mit den gleichen Vorurteilen wie im ersten Teil. Es wäre doch wesentlich interessanter gewesen, wenn man sie jetzt auf ihrem absoluten Höhepunkt gesehen hätte. Jeder feiert sie und sie lassen sich das alles zu Kopf steigen – und dann passiert etwas, dass sie aus diesem Szenario herausreißt. Dann hätte es wenigstens als Fortsetzung an sich einen Sinn ergeben. Sie hätten sich einfach ein Beispiel an „Rocky 2“ nehmen sollen, da läuft das doch genau so ab. „Ghostbusters 2“ fängt einfach an, als hätte es den ersten nie gegeben. Und allein das ist schon selten dämlich.

Und auch die ganzen Geister an sich – das kommt zu keiner Minute an das Original heran. Eher im Gegenteil. Ich hatte oftmals das Gefühl, die Effekte sind schlechter geworden. Wenn ich nur allein an den Geist aus der Bibliothek im ersten Teil denke, das war ein aufregender Schreck-Moment. Sowas sucht man in „Ghostbusters 2“ verzweifelt. Stattdessen gibt es halt diesen komischen Schleim, der wütend wird, wenn man ihn anschreit… und das war’s. Es schien wohl die Prämisse zu geben: „Hauptsache wir haben viel Schleim! Vielleicht können wir dann mit Schleim auch die Tatsache überdecken, dass wir keine gute Idee für eine Fortsetzung hatte und einfach nur das Gleiche noch einmal, nur schlechter, machen!“. Selbst an einem guten Ersatz für den Marshmallow-Mann scheiter „Ghostbusters 2“ – die wandelnde Freiheitsstatue, die von den Ghostbusters selbst durch positiv gestimmten Schleim zum Leben erweckt wird – ist das wirklich alles, was euch dazu eingefallen ist???

„Ghostbusters 2“ fehlen einfach die guten Einfälle. „Ghostbusters 2“ fehlt der Witz und der Charme des ersten Teils. „Ghostbusters 2“ fehlen coole Geister und vor allem fehlt „Ghostbusters 2“ eine wirkliche Bedrohung. Zuul und Gozer waren wenigstens noch wirklich was! Vigo, der öde Mann aus dem Gemälde und sein viel zu absurder Scherge Dr. Janosz, der von einem viel zu aufgedrehten Peter MacNicol gespielt wird, sind einfach öde. Aber hey, Hauptsache, es gibt jede Menge Schleim. Und dann noch mehr Schleim und hurra!!!

Dazu kommt, das keiner aus dem Cast so wirklich überzeugen kann. Ich meine, ich bin schon froh, dass sie alle wieder dabei sind. Aber Bill Murray war einfach nicht mehr der Gleiche wie noch im ersten Teil. Was dann irgendwie auch für den Rest zählt. Irgendwie fehlt einfach das Feuer – und warum man Rick Moranis‘ Rolle jetzt noch erweitern musste, erschließt sich mir auch nicht.

Nach dieser unwitzigen, uninspirierten Fortsetzung habe ich tatsächlich weniger Angst vor diesem neuen Reboot. Denn letztendlich hat der Original-Cast schon ordentlich Schindluder mit dem kultigen Original betrieben, wie schlimm kann es da dann wirklich noch werden? Ich muss jetzt halt nur noch meine allgemeine Abneigung gegen Melissa McCarthy irgendwie unterdrücken und dann werde ich mir das Reboot einfach mal anschauen…

Wertung: 4 von 10 Punkten (das tut echt weh – das ist einfach nicht mehr das Gleiche)

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16 Kommentare leave one →
  1. 17. März 2017 07:53

    Ist wohl ein klassischer Fall von: Muss man wohl dabei gewesen sein. Gerade der zweite Teil war bei uns damals DAS Gesprächsthema auf dem Schulhof: „Boah und dann voll der Schleim!“ Das hat den Film zu einem Mythos gemacht und ich mag ihn auch heute noch sehr… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      17. März 2017 08:08

      Ich sag ja: Früher fand ich den auch super. Jetzt leider gsr nicht mehr so. Weil halt eigentlich nur noch Schleim angesagt ist… 😀

  2. 17. März 2017 07:55

    Ich liebe den zweiten Teil. „Was tropf ich mit diese Glibber“? Muahahahaha. War super. Emotionaler psycho-kinetischer Schleim…Genial!

    • donpozuelo permalink*
      17. März 2017 08:09

      War mir jetzt doch zu viel Glibber und zu wenig drumherum.

  3. 17. März 2017 11:36

    Teil 2 ist eigentlich auch schon eher ein Remake des Ersten. Aber unterhaltsam finde ich den immer noch. Kein Meisterwerk, aber der Humor reißt es dann noch raus.

    Zum Reboot kann ich nur sagen: Paul Feig soll Scheiße fressen und sterben.

    • donpozuelo permalink*
      17. März 2017 11:57

      Hahaha… ich werde mir jetzt doch so unbedingt mal dieses Reboot angucken müssen. Hilft ja doch nichts…

      • 17. März 2017 12:58

        Ich empfehle danach meinen ausführlichen Text zu dem Streifen. Dann verstehst du vermutlich eher, warum ich Paul Feig so abgrundtief zum kotzen finde.

        • donpozuelo permalink*
          17. März 2017 13:43

          Okay. Werde ich mir danach durchlesen.

  4. 20. März 2017 09:32

    Eeeeeyyyy!! Du kannst doch nicht einfach meine Kindheitserglibberungen in den Schleim ziehen! :O Geschleimheit!
    Sorry, ich weiß es tat weh, aber das bot sich einfach zu sehr an. 😀 Ich verfüge ja glücklicherweise oft über das Talent auch schlechtere Filme unterhaltsam zu finden (Neider nennen es „Anspruchslosigkeit“) … Zusammen mit der Tatsache, dass ich die Ghostbusters in meiner Kindheit richtig cool fand, bedeutet das, dass mir auch noch so viel psychokinetischer Schleim daran kaum den Spaß verdirbt. Mein Beileid jedoch, dass es für dich so eine herbe Enttäuschung war! Nostalgie verfärbt wohl manchmal so einiges ^^“

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2017 15:45

      Ist vollkommen okay. Und Scheiß auf die Neider, die haben einfach nur keine Fantasie. Ich versteh das gut mit den „schlechten“ Filmen und dem Gut-Finden. Hier hat es dann leider doch nicht mehr so geklappt…

      • 20. März 2017 15:53

        Genau! Nieder mit den Fantasielosen! Und so 😀
        Aaach, dafür wird der nächste schlechte gute Film für dich bestimmt umso besser … äh gut-schlechter? Schlecht-gut? Schlecht-besser? Ich sollte ins Bett gehn …

        • donpozuelo permalink*
          20. März 2017 15:56

          B… b… b… bitte was? 😀 Aber ich weiß, was dein übermüdetes Ich sagen wollte.

        • 21. März 2017 02:35

          Danke, das beruhigt mich! 😀

  5. 21. März 2017 20:44

    Waaaaas? 😀 So schlecht? Ich hab den aus meiner Kindheit als total toll in Erinnerung. Ich als kleiner angehender Kunstfan war total fasziniert von dem Typ aus dem Gemälde und fand das mega-gruselig. Wie es der Zufall so will, habe ich neulich die Filme auf DVD geschenkt bekommen und ich fürchte mich jetzt eher vor der Sichtung aus Angst, dass ich den Film plötzlich auch schlecht finde 😄 Das darf nicht passieren

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2017 22:04

      Tja, da ging es mir erst so wie dir. Von daher kann ich nichts versprechen. Du wirst es einfach selber ausprobieren müssen. Ich wünsche dir, dass die kindliche Nostalgie diesen Test übersteht.

Trackbacks

  1. I ain’t afraid of no ghosts! | Going To The Movies

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