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Cowboys & Robots

8. März 2017

Game of Thrones“ geht so langsam dem Ende entgegen, „The Walking Dead“ scheint noch keines gefunden zu haben (obwohl ich sehr hoffe, dass sie irgendwann eines finden – sowohl in den Comics als auch in der Serie). Da wird es langsam Zeit, mal vorsichtig die Fühler nach einer Ersatzdroge auszustrecken, um am Ende nicht ganz plötzlich den kalten Entzug durchleben zu müssen. Zum Glück leben wir in einer Zeit, wo es gefühlt jede Woche drei neue Serien gibt, zu unserem Unglück kann uns nur leider niemand sagen, welche Serie denn als Ersatz taugt. Und so quält man sich dann von Pilot zu Pilot, in der Hoffnung, was Gutes zu finden. Aber manchmal muss man sich gar nicht so quälen, wird eine Serie nämlich plötzlich doch schwer gefeiert… so geschehen bei „Stranger Things“ und so jetzt auch bei „Westworld“, weswegen ich mir das mal vorgenommen habe.

Basierend auf Michael Crichtons Roman und Film „Westworld“ erzählt die gleichnamige Serie auch von jenem Vergnügungspark, in dem Besucher Cowboys spielen können und gegen harmlose Androiden in Menschengestalt all ihre Gelüste ausleben können. Dolores (Evan Rachel Wood) ist so ein Roboter, die gemeinsam mit ihrem Roboter-Freund Ted (James Marsden) immer wieder auf den gefährlichen Mann in Schwarz (Ed Harris) trifft, der nach etwas sucht: dem Zentrum des Labyrinths. Während der Typ also die Welt unsicher macht, versucht sich Neuling William (Jimmi Simpson) in diesem Park mit all seinen Möglichkeiten zurecht zu finden – und verguckt sich dabei dummerweise auch noch ein wenig in Dolores. Als wenn die noch nicht genug Probleme hätte, dreht irgendwann ihr Daddy-Roboter durch und offenbart so dem Park-Leiter und Erfinder Robert Ford (Anthony Hopkins) und seinem Team-Leiter Bernard (Jeffrey Wright), dass in den Robotern offensichtlich ein schwerwiegender Fehler steckt, der für einige Probleme sorgen könnte.

Träumen Roboter vom Cowboys? Oder Cowboys von Robotern?

„Westworld“ – die Sci-Fi-Serie, die eigentlich mehr ein Western ist. Die Western-Welt lebt von den klassischen Klischees, aber auch nur deshalb, weil die Gäste es so haben wollen. Es gibt die leichten Mädchen im Saloon, es gibt Duelle, es gibt gemeine Indianer – es gibt all das, was wir durch John Wayne und Co. gelernt haben. Dazu sieht es alles wunderschön und perfekt aus. „Westworld“ ist allein in seinem Western-Setting wirklich schön anzusehen: die Landschaftsaufnahmen lassen einen hoffen, selbst mal dort sein zu dürfen! Es ist eine schöne kleine Welt, in der man als Gast mal eben morden, vögeln und all das tut darf, was man sonst nicht machen würde.

Was mir dann an der ersten Staffel tatsächlich auch sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass Christopher Nolans Bruder Jonathan, der für die Serie verantwortlich ist, die kleinen Ungereimtheiten des Films schön bereinigt. Im Film weiß man nicht so hundertprozentig, was hinter dem Aufstand im Park steckt. Für die Serie wird das deutlich, aber auch schön geheimnisvoll erklärt. Der Blick hinter die Kulissen des Parks fällt nämlich weitaus größer aus als im Film und liefert eine fast noch spannendere Geschichte, die im Hintergrund des Geschehens abläuft. Hier ist es dann so, dass man brav von Folge zu Folge mit kleinen Happen gefüttert wird – mal hier ein kleines Geheimnis des Erbauers Ford, dann mal wieder ein bisschen mehr zu dem merkwürdigen Mann in Schwarz, dann wieder was zu den Werkstätten der „Westworld“. Man bleibt immer mysteriös, was der Serie dann trotz der relativ kurzen Laufzeit von 10 Folgen manchmal ein bisschen von der Spannung nimmt, weil immer viel geteasert, aber kaum wirklich was offenbart wird. Denn den wirklich großen Knall spart man sich wirklich bis zum Finale auf.

Das ist dann dafür aber ein wirklich großer Knall, der uns die ganze Serie in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ich denke mal sogar, dass es sich durchaus lohnen würde, die komplette erste Staffel nach den Ereignissen im Finale noch einmal zu schauen. Man erfährt so viel über einzelne Charaktere und die Verläufe der Handlung. Das ist ein wirklich schöner Twist, der mit viel Kawumm kommt – einige Sachen mögen vielleicht vorhersehbar sein, andere Sachen (wie zum Beispiel der Mittelpunkt des Labyrinths) können vielleicht auch eher unspektakulär sein, aber das große Ganze ist schon ziemlich cool. Ich will da jetzt auch nicht zu viel spoilern, aber es ist eine interessante Wendung, die diese Rebellion der Roboter auch wieder in einem ganz anderen Licht da stehen lässt.

Hannibal hat einen neuen Job

Die Darsteller sind dabei durch die Bank weg großartig. Anthony Hopkins überzeugt als großer geheimnisvoller Erfinder mit ganz eigener Agenda (ganz ehrlich, nach Ewigkeiten ist das wirklich mal wieder eine großartige Rolle, die zeigt, dass Hopkins zu den wirklich ganz Großen gehört). Ed Harris hat sichtlich Spaß daran, diesen Mann in Schwarz zu spielen – und ganz ehrlich, die Geschichte seiner Figur fand ich (wenn man sie dann kennt) am besten, weil sie erst so unglaublich fies, dann merkwürdig und am Ende sogar recht tragisch ist. Evan Rachel Wood ist die gute Seele, die alles irgendwie zusammenhält und die der Schlüssel für all das zu sein scheint. Thandie Newton, die Puff-Mutter Maeve spielt, entwickelt aber auch eine durchaus interessante Figur, die dann für Staffel 2 noch einiges verspricht.

Staffel 1 war wirklich beeindruckend. Ich mochte sie, sie hat mich gut unterhalten. Das Finale ist wirklich eine nett Offenbarung, die mich dann allerdings grübeln lässt, ob die Macher die zweite Staffel genauso spannend hinbekommen, wenn doch jetzt die wirklich großen Fragen mehr oder weniger offengelegt wurden. Auf jeden Fall liegt hier tatsächlich ein guter Ansatz für eine neue Serien-Droge bereit.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Hochglanz-Western meets „Ex Machina“)

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5 Kommentare leave one →
  1. 8. März 2017 08:10

    Oh, was freue ich mich auf diese Serie!

    • donpozuelo permalink*
      8. März 2017 08:57

      Kannst du dich auf jeden Fall auf was Großes freuen. Die Serie ist wirklich super. Verneigt sich würdig vor dem Film und ist doch auch was sehr eigenständiges. Ich freue mich jetzt schon tierisch auf Staffel 2. Wahrscheinlich werde ich bis dahin noch einmal die erste Staffel gucken. Das geht ja auch gut schnell weg… 😉

  2. 12. März 2017 18:08

    Oh man … ich bin schon so derb gespannt auf die Serie, wäre nett wenn sie in Deutschland zu Netflix oder ins Prime-Segment wandern würde. Undzwar bald. Wahrscheinlich mache ich es aber so wie du und schaue vorher mal den Film. (War doch so, oder?)

    • donpozuelo permalink*
      12. März 2017 21:56

      Ja, ich habe vorher auch den Film gesehen. Ist nicht zwingend notwendig, da sie jetzt keine großen Verweise auf den Film machen, aber es ist dennoch interessant zu sehen. Gerade weil sie viele Sachen, die mir im Film gefehlt haben, in der Serie echt gut erklären.

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