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So la la

27. Februar 2017

Warren Beatty hat die diesjährigen Oscars am Ende doch noch spannend gemacht. Da steht der Mann, starrt stundenlang auf den kleinen Zettel im Umschlag und verkündet zu meinem Frust, dass „La La Land“ der beste Film des Jahres ist. Das Team rennt Freude strahlend auf die Bühne, alle umarmen sich… und dann kommt der Knall: Die Produzenten von „La La Land“ widmen den Preis dann auf einmal „Moonlight„… und meinen es leider auch ernst. Denn „La La Land“ steht gar nicht auf dem Zettel, den Warren Beatty vorgelesen hat. Jimmy Kimmel rennt nach vorne und entschuldigt sich, Warren Beatty entschuldigt sich und gesteht, dass in Wirklichkeit „Moonlight“ als bester Film ausgezeichnet wird. Damien Chazelles Truppe muss also weichen und dieses schlimmen Patzer erst einmal verarbeiten.

oops

Es ist tatsächlich der spannendste Moment, der überraschendste Moment der 89. Oscars, die ansonsten mal wieder eher mau und einfach nur so la la gewesen sind. Jimmy Kimmel war als Gastgeber zwar ganz nett, aber irgendwie fühlte sich das Ganze einfach nur wie eine längere Ausgabe von „Jimmy Kimmel live“ an. Erst ein unspektakulärer Monolog, ein paar Gags hier und da – fertig. Die Oscars fühlen sich auch dieses Mal nicht wie eine aufregende Show an, sondern wieder einmal wie das übliche Abfrühstücken von Preisträgern, von denen – seien wir mal ehrlich – uns die Hälfte eh nicht wirklich interessiert. Naja… immerhin taucht zwischendurch noch Michael J. Fox auf und wertet den Abend allein durch seine Präsenz (und den coolen „Back to the Future“-DeLorean im Hintergrund) auf.

Ansonsten… was war noch so? Mittlerweile scheint es ja zum guten Ton dazu zu gehören, die Stars zu füttern, weswegen es dieses Mal Süßigkeiten regnete. Und mittlerweile scheint es auch zum guten Ton zu gehören, einen merkwürdig-peinlichen Moment in der Show zu haben. Dieses Mal wird also eine Gruppe Touristen durch die erste Reihe geführt – absolut skurril. Der Einzige, der das Ganze rettet, ist Denzel Washington, der mal eben ein Paar „traut“. Ansonsten war auch das ein Gag, auf den man hätte verzichten können.

Immerhin bekommt Kimmel zwei Sachen gut hin – sein Zwist mit Matt Damon darf bei den Oscars nicht fehlen und natürlich gehören auch „Mean Tweets“ dazu. Also genau die Sachen, weswegen ich Kimmel eigentlich überhaupt schaue.

Vom bösen Verlust in Bezug auf „La La Land“ habe ich ja schon gesprochen. Also doch nicht „Bester Film“, dafür aber immerhin „Beste Regie“ und „Beste Hauptdarstellerin“ für Emma Stone, was ich ihr sehr gönne, mochte ich sie doch im Film bei weitem mehr als Ryan Gosling. Auch die Musik, der Song „City of Stars“, die Kamera und das Production Design werden verdient ausgezeichnet, mehr aber auch nicht. Von 14 Nominierungen nimmt der Film stolze sechs Trophäen und einen wirklich herben Schlag in die Magengrube mit nach Hause. Immerhin war er für ein paar Minuten „Bester Film“.

Jetzt sind sie noch mehr die Gewinner der Herzen.

Casey Affleck gewinnt als bester Hauptdarsteller für „Manchester by the Sea“, Viola Davis wird beste Nebendarstellerin für „Fences“ und Mahershala Ali bester Nebendarsteller für „Moonlight“ – ein Film, den ich mir nach dieser Oscar-Nacht definitiv noch anschauen muss. Wer so spektakulär doch noch zum besten Film des Jahres wird, muss auch richtig gewürdigt werden.

Persönlich traurig war ich ein wenig, dass „Kubo“ weder in den Special Effects (ging an „The Jungle Book“) noch in der Kategorie „Animationsfilm“ (ging an „Zoomania“) geehrt wurde. Tatsächlich witzig ist immerhin die Tatsache, dass „Suicide Squad“ jetzt von sich behaupten kann, ein Oscar gekrönter Film zu sein (dass es nur für die Kategorie Make-Up gereicht hat, kann man ja schnell und leise nur dazu sagen).

Alles in allem waren auch die 89. Oscars es nicht unbedingt wert, nachts um halb drei aus dem Bett zu kriechen, aber hey… sie sind ja zum Glück auch nur einmal im Jahr. Irgendwie hoffe ich dann trotzdem, dass sie es vielleicht wenigstens im nächsten Jahr hinbekommen, zu ihrem 90. Jubiläum, mal ein bisschen mehr aus der ganzen Show zu machen.

Die komplette Liste aller Gewinner gibt’s dann unter folgendem Link: OSCARS 2017

Ich gehe dann mal unter die Dusche und zur Arbeit… gääääähn.

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10 Kommentare leave one →
  1. 27. Februar 2017 14:51

    Same Procedure As Every Year. Die Show ist einfach seit Jahren nur noch lahm, zahm und ohne Punch. Kimmel als Moderator war halt wieder die typische 08/15-Wahl und dementsprechend war eben auch die Show typisch 08/15. Der ominöse Essensgag, ein lahmer Tweet an Trump dazwischen, dann halt die Vorführung der Touristen. Nur ein Selfie hat er nicht gemacht, das hat er wohl vergessen. Klar, die Geschichte mit Damon war zwar ganz unterhaltsam aber ist eben auch schon 10 Jahre alt. Nichts Neues an der Oscar-Front.
    Viele haben sich aufgeregt, dass es wenig politisch war. Okay, ich brauche das nicht, aber unrecht haben sie natürlich nicht. Aber wenn man bedenkt, dass man den Gewinnern nur 30 Sekunden für ihre Dankesrede gibt, weil man ja eine Viertelstunde für den unlustigen Bustouristengag verschwenden muss, kein Wunder, dass die Gewinner dann doch lieber die wenige Zeit nutzen, um ihren Eltern und diesem Typen namens Gott zu danken, den alle persönlich zu kennen scheinen, außer mir.
    Dann bleibt halt noch hängen, dass der fantastische Arrival genau so viele Oscars hat wie Suicide Squad. Ju-äh-hu?
    Das Ende dann natürlich mehr oder weniger katastrophal. La La Land sollte so nicht verlieren und Moonlight so nicht gewinnen. Nebenbei war aber nicht Warren schuld daran, sondern der Typ, der ihm Backstage den falschen Umschlag in die Hand gedrückt hat. Kein Wunder, dass Beatty erst mal überlegen musste, wie Emma Stone im Alleingang den Preis für den besten Film gewinnen kann.
    Es wird einfach höchste Zeit, dass man bei der Academy mal einen Schritt weiter geht mit der Moderation und mal jemanden dahin stellt, der ein bisschen „edgier“ ist. Nicht immer diese Everybodys Darling Affen. Louis CK oder so würde da sicher mal etwas frischen Wind rein bringen. An einen Gervais ist wohl ohnehin nicht zu denken. Das trauen die sich einfach nicht. Aber irgendwas muss passieren. Seit Jahren ein einziges Rumgedümpel.

    • donpozuelo permalink*
      28. Februar 2017 10:22

      Hahaha… ja, ein bisschen mehr Ecken und Kanten und eine richtige Show wäre schon echt sehr von Vorteil. Wie gesagt, ich bin gespannt, ob sie es nächstes Jahr zum Jubiläum mal ein bisschen besser hinbekommen. Zu wünschen wäre es ihnen, denn so ist es wirklich reines Rumgedümpel. Wir werden es ja sehen…

      • 28. Februar 2017 12:10

        Da ändert sich nix. Die Leute schalten sowieso ein.

        • donpozuelo permalink*
          28. Februar 2017 12:21

          Du… ich werde auch wieder einschalten. Es besteht ja immer die Hoffnung, dass es gut sein könnte.

        • 28. Februar 2017 17:29

          Ich schalte auch ein, ohne diese Hoffnung, denn es wird jährlich schlimmer. Aber ich will halt sehen, wer gewinnt.

        • donpozuelo permalink*
          28. Februar 2017 17:33

          Da würde mir ja theoretisch auch eine Liste reichen. Bei mir liegt es eher daran, dass ich mein junges Ich, das nie Oscars gucken konnte, jetzt zufriedenstellen will 😉

        • 28. Februar 2017 17:49

          Nee, Liste hat doch keinen Reiz. Ich will sehen, wie sich die Leute freuen, die Spannung miterleben, die Schockmomente, wenn jemand am Ende Scheiße baut.
          Das einzige, was mir noch fehlt, ist eigentlich, dass ich vorher auch mal die nominierten Filme gucken kann. Das ist einfach nicht drin. Dann wäre es noch besser.

  2. 5. März 2017 12:24

    Obwohl ich Kubo leider immer noch nicht gesehen habe, bin ich schwer enttäuscht, dass der Preis für den Animationsfilm mal wieder an Disney bzw. Pixar geht, die ja sowieso immer abräumen. Das nervt echt langsam. Als ob es keine anderen Animationsstudios gäbe. Dazu kommt, dass Zootopia zwar sehr süß ist, aber im wesentlichen dieselbe Story erzählt wie eigentlich immer. Gerade bei den beiden Stop Mottion Filmen hätte ich ja mal gedacht, dass die Mühe belohnt wird. T_T

    • donpozuelo permalink*
      5. März 2017 22:50

      Absolut deiner Meinung. Man hätte wirklich mal die krasse und harte Arbeit von Laika Studios belohnen können… zumal jeder Film von denen nominiert wird, nur um dann jedes Mal umgangen zu werden. Ist echt nicht nett…

Trackbacks

  1. Little Chiron Black | Going To The Movies

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