Skip to content

Heilung durch Wasser

24. Februar 2017

Gore Verbinski scheint eine besondere Beziehung zu Wasser zu haben. Immerhin hat er schon den Seegang mit den Piraten der Karibik wieder Kino tauglich gemacht. Mit seiner Version von „The Ring“ ging es auch tief in einen Brunnen und in „The Weather Man“ gab es irgendwo auch mal ordentlich Regen (es ist leider schon zu lange her, dass ich den Film gesehen habe, aber ein Film über einen Wettermann ohne Regen bzw. Wasser wäre ja auch einfach nur falsch). Gut, in „Lone Ranger“ ging es weniger um Wasser, dafür aber in „Rango“, wo es quasi nur ums Wasser ging. Wasser, Wasser, Wasser… wenn Gore Verbinski jetzt auch noch Wassermann wäre, wäre das – naja, irgendwas. Egal. Es geht um Wasser und Gore Verbinski – und auch in seinem neuesten Film „A Cure for Wellness“ geht’s um das kühle Nass.

Der ambitionierte Lockhart (Dane DeHaan) soll Vorstandsmitglied Pembroke (Harry Groener) aus der Schweiz zurück holen, damit er einen wichtigen Deal abschließen kann. Dafür reist Lockhart in die Schweiz und sucht Pembroke in der Kuranstalt von Dr. Volmer (Jason Isaacs) auf. Ein Autounfall zwingt Lockhart aber dazu, für einen kurzen Zeitraum zu verweilen – zumal Pembroke auch scheinbar kein Interesse daran hat, die Anstalt mit dem angeblich heilenden Wasser zu verlassen. Nach und nach merkt Lockhart, dass hier irgendwas nicht stimmt – die junge Hannah (Mia Goth) ist dann nämlich auch nicht die einzige, die ihm sagt, dass niemand je die Anstalt verlässt.

Er will doch nur raus…

„A Cure for Wellness“ – wenn ich den Film kurz zusammenfassen müsste, dann würde ich wohl sagen, dass Gore Verbinski das erreicht hat, was Guillermo del Toro eins mit „Crimson Peak“ nicht geschafft hat: einen atmosphärischen Grusel-Film zu drehen, der einen ganz langsam und behutsam in die Mangel nimmt und nicht wieder loslässt. Das ist „A Cure for Wellness“ – ein wirklich grandioser, spannender Psycho-Thriller.

Ich dachte ja zuerst, das geht zu sehr in die Richtung „Shutter Island“ (tut es nicht!). Man merkt zwar, dass sich Verbinski sehr an alten Horror-Filmen wie „Suspiria“ oder im Besonderen „The Shining“ orientiert, aber dem Ganzen auch seinen eigenen Touch einflößt. Was wirklich beeindruckend ist, ist die Tatsache, wie viel Zeit sich Verbinski tatsächlich lässt. Manch einem mag der Film zu lang sein, ich hingegen fand das sehr ruhige Erzähltempo sehr passend und angenehm. Wie schon gesagt, zieht einen dieser Film Stück für Stück in seinen Bann. Letztendlich werden wir selbst ein bisschen zu Lockhart und erleben diesen Kurort mit all den merkwürdigen Mythen und Sagen, die sich um den Ort ranken kennen. Was wirklich großartig ist: Man fühlt sich von Anfang an unwohl – den Film umgibt eine merkwürdige Aura, schon beim ersten Besuch nagt irgendwas an einem. Das Bild der zufriedenen Gäste wirkt zugleich wie etwas falsches, eine zu glatte, schöne Oberfläche hinter der sich etwas Unheimliches zu verbergen scheint. Dieses Gefühl hält der Film unglaublich gut.

Was ich auch sehr genossen habe, ist, dass einem so viele kleine Hinweise und Geschichten vorgelegt werden. Ich habe eigentlich kontinuierlich Daten gesammelt und Theorien aufgestellt, was es am Ende sein könnte. Klingt jetzt sehr danach, als würde das vom Film ablenken – tut es aber nicht, weil Lockhart ja genau das Gleiche macht.

Neben der wirklich spannend erzählten Geschichte und der wirklich gut aufgebauten unheimlichen Grundstimmung bezaubert „A Cure for Wellness“ durch eine faszinierende Optik. Jede Einstellung, jedes Bild ist präzise geplant, lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers – manchmal auf Dinge, die wichtig sind und manchmal auf Dinge, die es nicht sind, um einfach ein wenig in die Irre zu führen. Der Film ist schlicht und einfach wunderschön anzuschauen. Man könnte sich Screenshots aus dem Film ohne Probleme als kleine Kunstwerke an die Wand hängen. Und auch das spielt wieder in das unheimliche Gefühl dieser Anstalt hinein: Diese Bilder sind schon fast zu perfekt, da muss einfach was faul sein.

Untermalt werden die Bilder dann auch noch von einem wunderbaren Soundtrack und auch einfach nur Geräusche (allein das Quietschen von Lockharts Krücken ist manchmal schon echt zu viel 😉 ). „A Cure for Wellness“ bietet somit eigentlich auf so ziemlich jeder Ebene ein schaurig-schönes Kino-Erlebnis. Was zusätzlich durch wirklich tolle Darsteller bestärkt wird: Dane DeHaan ist umwerfend darin, langsam selbst an seinem Verstand zu verzweifeln. Lucius Malfoy, ich meine Jason Isaacs überzeugt als zwielichtiger Doktor und Mia Goth als großes Mysterium dieses Films.

Das Ende von „A Cure for Wellness“ ist dann vielleicht ein kleines bisschen over-the-top, gerade nach dem guten Aufbau, aber selbst das ist zu verschmerzen – wenn man doch bedenkt, das alles andere nahezu perfekte Grusel-Unterhaltung liefert.

Wertung: 9 von 10 Punkten (das „Grand Budapest Hotel“ des Gruselfilms)

Advertisements
12 Kommentare leave one →
  1. 24. Februar 2017 10:00

    Auch ein Film auf meiner „unbedingt-to-see-Liste“ 🙂

    • donpozuelo permalink*
      24. Februar 2017 11:01

      Den sollte man wirklich gesehen haben. Der Film ist wirklich gut.

  2. 26. Februar 2017 13:28

    Schöne Kritik. Den würde ich mir gern nächste Woche anschauen. Gelingt mir auch hoffentlich. Hast du das hier schon gesehen?

    http://www.filmtourismus.de/a-cure-for-wellness/

    • donpozuelo permalink*
      26. Februar 2017 19:57

      Danke sehr. Und danke für den Link. In Beelitz selbst war ich auch tatsächlich schon mal. Wirklich eine coole Kulisse.

      Ich bin gespannt, wie dir der Film gefällt.

      • 26. Februar 2017 20:13

        Ich befürchte ja immer erst mal das Schlimmste^^

        • donpozuelo permalink*
          26. Februar 2017 20:21

          Hahaha… naja, wer weiß. Der Film hat ja auch recht gemischte Wertungen bekommen.

        • 26. Februar 2017 20:23

          Ja, ich weiß. Und der sieht so gut im Trailer aus!

        • donpozuelo permalink*
          26. Februar 2017 20:26

          Wie gesagt, ich finde auch den tatsächlichen Film ziemlich gut.

  3. 4. März 2017 16:48

    Ha, witzig 😀 Habe meine Review gerade abgetippt, bin ja immer eher etwas spät dran u_u Ich kann vollstens nachvollziehen, was dir an dem Film gefällt und ich fand ihn anfangs auch großartig, aber ich finde mit dem Ende haben sie es gegen den Baum gefahren. All die grandiosen Motive werden dann unwichtig, wenn die große Auflösung kommt und sich lediglich dieser Baron-Sache widmet. Fand ich sehr schade.

    • donpozuelo permalink*
      4. März 2017 16:52

      Haha… ich brauchte auch ein bisschen, um mich mit dem Finale anzufreunden. Aber so im Ganzen fand ich es echt gut. Die Motive zum Anfang führen einen halt gekonnt in die Irre, das war halt irgendwo Mittel zum Zweck… um letztendlich ein nicht ganz so starkes Finale zu vertuschen. Da kann ich dich auch durchaus verstehen.

  4. 11. März 2017 06:37

    Hat mr gut gefallen, auch wenn im Kino Kindergartenstimmung war – die Leute können einfach nicht mehr als 60 Minuten am Stück gucken :))
    Den Schluss fand ich vorhersehbar, aber insgsamt konsequent; da passte einfach alles zusammen. Meine Sorge war etwas, dass er Längen hat, habe ich dann aber nicht so empfunden. Und ich bin froh ihn noch auf großer Leinwand gesehen zu haben.

    • donpozuelo permalink*
      12. März 2017 14:45

      Sag ich doch. Freut mich, dass er dir auch gefallen hat. Und ja, die Leute im Kino nerven. Bei uns in der Vorstellung haben die sich jedes Mal köstlich darüber amüsiert, wenn jemand Deutsch gesprochen hat. Da fragste dich wirklich manchmal, was mit denen allen nicht mehr stimmt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: