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Der Junge, der lebte

22. Februar 2017

Es ist vollbracht! Harry Potter hat sich tapfer durch acht Filme gekämpft und gezaubert. Und jetzt ist endlich Schluss. Ja, ich gebe zu, dass mit dem „Endlich“ ist mit einer gewissen Erleichterung gesagt. Es war mir innerlich eine Pflicht, diese Filme jetzt „endlich“ einmal geschaut zu haben – aus welchen Gründen auch immer. Es ist mir aber auch eine Freude, dass sie jetzt „endlich“ vorbei sind. So hundertprozentig hat mich die Potter-Reihe dann doch einfach nicht abgeholt. Es war nette Unterhaltung, die mir sicherlich besser gefallen hätte, wenn ich sie auf dem Höhepunkt der Potter-Manie gesehen hätte. Aber wer weiß, vielleicht auch nicht. Teil 4 wird nach wie vor mein Favorit bleiben, alles andere davor und danach verbuche ich einfach mal unter dem blöden Attribut „nett“. Was dann auch auf „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ zutrifft.

Der Film schließt direkt an „Die Heiligtümer des Todes – Teil 1“ an (was sollte er auch sonst tun) und „endlich“ begeleiten Harry (Daniel Radcliffe), Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) auf ihren letzten Weg in den Kampf gegen Lord Voldemort (Ralph Fiennes). Vorher werden noch ein paar Horkruxe gesucht und tatsächlich wird Severus Snape (Alan Rickman) vom Verräter doch noch zum Helden.

It’s the final countdown…

Snapes Namen reinzuwaschen, ist mit das Beste am zweiten Teil. Und es war tatsächlich das, worauf ich am meisten gewartet habe, seit Snape Dumbledore in „Der Halbblutprinz“ tötete. Natürlich war das abzusehen, dass so etwas in dieser Richtung offenbart werden würde, gebietet Snape Harry doch in einer letzten Geste still zu sein. Eine nette Wendung, wenn auch vorhersehbar. Aber gut, es war eine tolle kleine Geschichte in der großen Geschichte, die mich endlich auch besser verstehen lässt, warum Leute so sehr Snape-Fans sind. Immerhin wird er so in allerletzter Minute zum wahren Helden – und möglicherweise auch noch ein bisschen mehr? Oder habe ich das jetzt nur falsch gedeutet? 😉

Was war sonst noch so? Es gab jede Menge sehr merkwürdiger Küsse. Auch eine Sache, die nicht so richtig in diesem Finale des Finales funktioniert hat. Diese kleinen, vermeintlichen emotionalen Szenen wirkten einfach nur albern. Rons und Hermines Kuss kam mal so komplett aus dem Nichts und am Ende müssen sie selbst drüber lachen. Ginnys und Harrys Kuss ist auch so ein komischer Kuss nach dem Motto „Wenn ich schon sterben muss, gönn ich mir vorher noch was!“ Auch am Ende das Händchen-Halten von Ron und Hermine… ganz ehrlich, das hätte man doch nach acht Filmen alles ein wenig schöner machen können. Jetzt haben wir diesen Charakteren beim Erwachsen-Werden zugeschaut, dann wäre es doch schöner gewesen, ihnen auch richtig beim Finden der Liebe beizuwohnen. So wirkt das alles sehr gewollt – wir brauchen ein wenig Liebe, also bekommen wir ein bisschen Liebe. Gehört halt dazu, damit am Ende ein rührseliges Happy-End zustande kommt. Hmm… so ganz hat mich das jetzt in Teil 2 leider gar nicht überzeugt.

Doch ich greife fast zu weit vor… denn bevor es zum Küssen kommt, geht es erst einmal um Leben und Tod. Hogwarts wird zu einem wahren Kriegsschau-Platz. Was soll ich sagen? Ganz nett! Gut, vielleicht habe ich zu viel erwartet. Okay, ich habe zu viel erwartet. Für eine Zweiteilung habe ich das ganz große Feuerwerk erwartet, aber das hier war’s leider gar nicht. Und was bitte sollte diese Purgatory-Szene mit Dumbledore (Michael Gambon)? Wieso ist Harry am Ende doch nicht tot? Einfach nur, weil Dumbledore ihm sagt, Hogwarts wird denen helfen, die Hilfe verdienen? Ich hab’s wirklich nicht verstanden, wie das alles so funktioniert hat. Oder war das einfach nur der „einfachste“ Ausweg aus einer Situation, zu der eine J.K. Rowling einfach keine bessere Lösung gefunden hat. Irgendwie scheint sie sich da ja schon in was reingeritten gehabt zu haben, aus dem man sich nur schwerlich befreien konnte. Was macht man also? Einmal in den Himmel und zurück… und die Malfoys dürfen sich auch noch rehabilitieren. Friede, Freude, Eierkuchen in Hogwarts halt…

„Endlich“ also Feierabend… aber Pustekuchen. Jetzt geht’s ja scheinbar stramm mit „Phantastische Tierwesen“ weiter. Aus einem kleinen Buch, das Rowling mal so nebenbei zum Potter-Universum veröffentlicht hat, wird eine neue Reihe, die lange vor Potter spielt. Fünf Filme… ich wünsche denen nur, dass es nicht so ausgelutscht wird wie bei „Der Hobbit“. Doch ob ich mich den Tierwesen auch noch widmen werde, weiß ich noch nicht. Ich brauch jetzt erst einmal eine Zauber-Pause.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ein „nettes“ Finale, mehr aber auch nicht)

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10 Kommentare leave one →
  1. 22. Februar 2017 11:01

    Das Ende im Buch ist nebenbei absolute Grütze. Der finale Showdown zwischen Harry und Voldemort dauert da ungefähr 3 Sekunden und das wars dann. So im Sinne von „Simsalabim – Feierabend“. Da hat man hier zum Glück mehr geboten, wenn auch sicher nicht die Neuerfindung des Rades.

    Dass mit dieser Purgatory-Szene ist halt Bullshit im Quadrat und das ist auch der Punkt im Buch gewesen, ab dem ich einfach alles nur noch lächerlich Scheiße fand. Die Erklärung ist, dass Harry einer der Horkruxe ist, die Voldemort von seiner Seele oder so abgespalten hat (ich weiß nicht mehr genau, wie das war) und als er Harry tötet, tötet er eben nicht Harry sondern zerstört den Horkrux und deshalb lebt Potter weiter. Rowling musste hier wohl am Ende wirklich alle Register ziehen, damit auch bloß kein Klischee ausgelassen wird.

    Ich mag die letzten beiden Filme nebenbei ganz gerne wegen ihrer gegensätzlichen Stimmung. Teil 7 hat so ein Endzeitgefühl, ist ruhig und es passiert fast gar nichts. Und im letzten Teil hauen sie dann wirklich komplett auf die Kacke. Fand ich gut und unterhaltsam. Mehr war es aber sowieso nie. „Nett“ trifft es halt ganz gut. Bücher sind wie immer besser. Außer das Ende. Das ist aus Prinzip Müll.

    • donpozuelo permalink*
      22. Februar 2017 11:37

      Okay. Gut. Also geht es nicht nur mir als Potter-Neuling so. Das mit dem Purgatory und das Harry ein Horkrux ist, habe ich verstanden. Merkwürdig war diese Szene trotzdem. Naja… und wie gesagt, dafür, dass Voldemort so als der große Bösewicht aufgebaut wird, fand ich seinen Untergang eher unspektakulär.

      Bücher sind halt doch immer besser. Und wie ich durch alle Kommentare gelernt habe, sind die Bücher ja auch bei Mr. Potter tausendmal besser als die Filme.

      • 22. Februar 2017 11:52

        Ja, die Szene ist halt Käse. Aber wie gesagt, auch wenn die Bücher generell besser sind, ist es das Ende ganz und gar nicht. Da geht Voldemort nämlich quasi kampflos unter. Da hat er im Film wenigstens noch ein bisschen was „hingezaubert“, bevor er verreckt ist.

        • donpozuelo permalink*
          22. Februar 2017 20:21

          Das ist aber auch echt merkwürdig. Ist Rowling einfach nichts eingefallen? Hat sie sich dazu mal irgendwie geäußert? Denn wie gesagt, sein Abgang im Film ist jetzt auch nicht so der Hammer.

        • 22. Februar 2017 21:11

          Keine Ahnung. Hab das Thema nicht studiert. Ich glaube, generell kam das Ende nicht so schlecht weg. Nur ich finds halt zum kotzen. Aber ich bin da auch kein Gradmesser.

    • 22. Februar 2017 20:41

      Würde ich wieder mal vehement widersprechen wollen. Klar, das Ende im Buch überzeugt niemanden der auf Explosions in the Sky und Big City Fights steht, aber der Konflikt dauert da keine drei Sekunden. Es ist ein mehrseitiges Psychospiel, das Harry mit Voldemort spielt. Letzterer glaubt seinen Widersacher getötet zu haben, der dann doch nicht tot ist. Mal wieder nicht. Während praktisch alle von Voldemorts Gefolgsleuten in der Schlacht gefallen sind. Er ist nun alleine und sieht sich Potter gegenüber, der im Jahr um Jahr entkommen ist. Potter thematisiert dann wieder den Liebe-Aspekt, familiäre Bindungen, etwas, das Voldemort nie gekannt hat. Er offenbart Voldemort, dass Snape, sein „treuer“ Gefolgsmann, ihn vor Jahren schon aus Liebe zu Potters Mutter verraten hat. Er offenbart, dass Dumbledores Tod weniger Mord war als ausgeklügeltes Schema von Dumbledore und Snape. Die Selbstzweifel in Voldemort wachsen, worauf er sich berief, den Tod Dumbledores, hat dieser selbst inszeniert. Dann verrät Harry, dass auch der Elder Wand, den Voldemort unbedingt wollte, gar nicht funktioniere. Harry bearbeitet einen schwachen Voldemort, der zu diesem Zeitpunkt keine Horkruxe mehr irgendwo hat, psychisch. Als beide sich dann duellieren, kann Voldemorts Zauberspruch gar nicht funktionieren, weil sein Zauberstab ihn nicht als dessen Besitzer anerkennt, sondern Harry. Als Folge prallt der Zauberspruch ab, auf die „Hülle“ von Voldemort, die nur noch 1/7 seiner Seele beherbergt.

      Dass die Purgatory-Szene scheiße ist, macht für mich ebenfalls kein Sinn. Es wurde bereits etabliert, dass jemand, wenn er eine andere Person ermordet, dadurch „seine Seele zerreißt“. Und dass dies nötig ist, wenn man einen Teil seiner Seele als Horkrux irgendwo verstecken will. Als Voldemort seinerzeit Harrys Mutter tötete, zerriss wieder ein Teil seiner Seele und die – so erklärt es Dumbledore ja – suchte sich dann quasi einen Wirt. Und Voldemort wusste nicht, dass er „aus Versehen“ nun ein Horkrux in dem Jungen geschafft hat, dessen Mutter er soeben tötete. Als er ihn dann im Wald tötet, prallt der Spruch auf einen Körper mit praktisch zwei Seelen. Auch zu diesem Zeitpunkt ist Harry der wahre Meister des Elder Wand – das nur nebenbei. Und Dumbledore erwähnt in der Purgatory-Szene auch, dass es Harry obliegt, ob er zurück ins Leben kehren will oder nicht. Dies ist zum ersten Mal ein Zeitpunkt, wo Harry entscheiden kann, was passiert. Keine Prophezeiung, die ihn zum „chosen one“ auserkoren hat, keine Opfer-Rolle als Horkrux, das zerstört werden muss, ehe man sich an Voldemort wagen kann. Er hat seine Schuldigkeit getan. Er hat die Wahl.

      Manchmal muss man sich einer Geschichte auch etwas hingeben, wenn man sie verstehen will.

      • 22. Februar 2017 21:10

        Es geht nicht ums verstehen. Dass das alles sinnig ist, habe ich nie bestritten. Das macht es für mich aber nicht weniger zu einem Letdown. Wenn ich 7 Bücher lang auf den großen Showdown zwischen Protagonist und Antagnist warte, dem ganzen entgegenfiebere, will ich halt mehr, als „simsalabim – Feierabend“. Deshalb gefiel mir halt die Schlacht der beiden im Film etwas besser. Dass das nun auch alles andere als Shakespeare war ist klar. Aber es war zumindest unterhaltsamer als der Showdown im Buch.
        Gleiches gilt für die Purgatory-Szene. Ich sage nicht, dass sie nicht in die Geschichte passt, ich sage, dass ich sie scheiße finde, weil ich sie scheiße finde. Da kann man auch jegliche Traumsequenzen, Visionen, Nahtoderfahrungen etc. aus allen Geschichten dieser Welt einfügen. Ich finde sowas nun mal scheiße.
        Sinnvoll mag das alles sein. Deshalb muss es mir aber ja noch lange nicht gefallen. Ich muss allerdings kurz anmerken, dass ich weder Bücher noch Filme in letzter Zeit konsumiert habe und deshalb nicht mehr ganz drin bin in der Story. Deshalb hatte ich zB die ganze Elder Wand Geschichte schon wieder komplett vergessen. Ich hab hier nur aus meiner Erinnerung heraus kommentiert und da war das Ende des Buches kacke und das vom Film minimal unterhaltsamer.

  2. 3. März 2017 18:50

    Deine Kritik am letzten Teil ganz ich ganz gut nachvollziehen, auch wenn er mir glaube ich auch punktemäßig etwas besser gefallen hat 😉 Neben der Grundidee die Flo oben erklärt hat, war J.K. Rowling scheinbar nicht in der Lage sich ein großes Finale auszudenken, dass sich von irgendwelchen anderen großen Endschlachten absetzt. Die Plattitüden, die sich in den von dir genannten Küssen beispielsweise zeigen, sind ganz klarer Popcornkino-Kitsch. Aber auch im Buch waren die Szenen mehr als schwach und ich konnte mir anhand der Schilderungen kaum vorstellen was da eigentlich vor sich geht ohne nicht viel Vorstellungskraft selber in den Zauberkessel zu werfen.

    • donpozuelo permalink*
      3. März 2017 21:09

      Schade, dass Rowling selbst da nicht mehr aus dem Finale rausgeholt hat. Die Filme haben sich da ja dann schon immer sehr genau an die Vorlage gehalten… kann man denen also nicht mal zum Vorwurf machen 😉

Trackbacks

  1. The Italian Stallion | Going To The Movies

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