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Ohne Strom

20. Februar 2017

Dinge, die ich bisher durch Filme und Serien über die Post-Apokalypse gelernt habe: Vertraue wirklich niemandem! Sobald alle Regeln nicht mehr existieren, wird selbst dein bester Freund zu deinem größten Feind und bringt dich wegen einer Flasche um. Von daher ist das „Akte X“-Motto „Vertraue niemandem!“ für die Zeit nach dem Untergang der Zivilisation äußerst hilfreich. Weiterhin gelernt habe ich, dass ich dringend Botaniker werden sollte. Es hat Matt Damon auf dem Mars geholfen und es wird mit Sicherheit auch auf der Erde irgendwie von Nutzen sein (vorausgesetzt, es gibt noch was, wo man Sachen anpflanzen kann). Doch das Wichtigste, was ich aus all dem bisher gelernt habe, ist: Ich werde es vielleicht ein, zwei Wochen überleben und danach einfach sterben – wahrscheinlich umgebracht von einem furchtbaren Menschen. Aber vielleicht gucke ich gerade deswegen so gerne diese post-apokalyptischen Sachen: Vielleicht lerne ich ja noch eine Sache, die mein Überleben sichern kann. Weswegen ich dem kanadischen Film „Into the Forest“ auch eine Chance geben musste. Man lernt ja schließlich nie aus.

Irgendwann in einer nicht all zu weit entfernten Zukunft fällt der Strom aus. Die Schwestern Nell (Ellen Page) und Eva (Evan Rachel Wood) leben mit ihrem Vater (Callum Keith Rennie) etliche Kilometer von der nächst größeren Stadt entfernt in einem schönen Haus mitten im Wald. Als der Strom ausfällt, sind sie zuerst alle noch guter Dinge… doch die Zeit vergeht, der Strom bleibt weg. Durch einen unschönen Unfall stirbt dann auch noch der Vater und lässt seine beiden Töchter ganz allein auf sich gestellt im Wald zurück. Mitten in der Wildnis, ungeschützt und angreifbar.

Juno in den Bäumen

Ich sage es gleich vorweg, ich habe keine neuen Überlebenstipps durch „Into the Forest“ erhalten – schade! Dafür habe ich einen Film bekommen, der mich sehr zwiegespalten zurück lässt. Auf der emotionalen Seite ist „Into the Forest“ ein wirklich bewegendes Kammer-Stück. Regisseurin Patricia Rozema verzichtet weitestgehend auf große Momente, sondern lässt sich und ihre Geschichte ganz von den beiden Schwestern lenken. „Into the Forest“ begeistert nicht durch große Schauwerte (wenn man jetzt vielleicht mal von dem wunderschönen Haus im Wald absehen möchte) oder irgendwelche Exzesse. Es gibt so ein, zwei etwas unschöne, brutale Spitzen, aber ansonsten konzentriert sich Rozema stark auf die Charakterentwicklung von Nell und Eva.

Mit Ellen Page und Evan Rachel Wood hat sie dazu auch zwei großartige Darstellerinnen, die wirklich eine tolle Leistung abliefern. Besonders Page hat mir extrem gut gefallen, weil sie von der Story einfach auch ein bisschen mehr gefordert wird. Sie durchlebt ein paar mehr emotionale Höhen und Tiefen, während Wood die erste Hälfte des Films eigentlich kaum so richtig zur Geltung kommt. Ihre Eva ist für Nell so gesehen eigentlich wie ein Klotz am Bein, aber beide Schwestern brauchen sich dann doch irgendwie. Wie gesagt, darstellerisch wirklich verdammt gut.

Die Geschichte allerdings hat ein wenig sehr damit zu kämpfen. Als Buch (und der Film basiert auf einem Roman) kann ich mir das noch vorstellen, weil viel über die Gedankenebene der Charaktere durchgespielt werden kann. Der Film leidet dann letztendlich doch ein wenig an… ich nennen es jetzt einmal vorsichtig „Aktionsarmut“. Es passiert einfach nicht wirklich. Wie schon gesagt, es gibt so zwei Spitzen, wo es mal ein bisschen heftiger wird, aber ansonsten bleibt „Into the Forest“ sehr, sehr ruhig. Ein bisschen zu ruhig.

Und hier komme ich dann zu dem zweiten Punkt, der mich halt sehr gestört hat… und das ist die logische Seite. Die Seite, die sich die ganze Zeit gefragt hat, warum diese Mädels so rein gar nichts unternehmen. Der Film erzählt uns, dass die beiden Schwestern rund 15 Monate nach dem Stromausfall immer noch leben. Aber die machen dafür nichts! Sie haben kaum Vorräte – und erst zum Ende des Films kommt es ihnen in den Sinn, mal eins der wilden Schweine im Wald zu jagen. Sie pflanzen auch nichts an (Botanik ist halt wirklich wichtig) und sammeln auch erst nach so drei Monaten die ersten Beeren im Wald. Sie machen keine Inventur, sie sichern nicht ihr Haus, sie machen keine Pläne, sie machen gar nichts. Sie lungern einfach nur in dem Haus rum und warten… auf irgendwas. So wie die das machen, hätten die keinen Monat überleben dürfen, und dann ekelt sich Nell am Ende, wenn sie Hundefutter essen muss. Normalerweise hätte sie das gierig verschlingen müssen.

Das hat mich echt geärgert. Als Drama funktioniert „Into the Forest“ dank seiner beiden großartigen Hauptdarstellerinnen eigentlich ziemlich gut, ist nur zu lang. Als Endzeit-Film ist „Into the Forest“ leider ziemlich unbefriedigend und unspektakulär.

Wertung: 5 von 10 Punkten (es steckt so viel mehr in dieser Geschichte, was einfach nicht genutzt wird)

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