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Ruheloser Ruhestand

17. Februar 2017

Es wurmt mich wirklich sehr, dass ich „John Wick“ nicht so viel abgewinnen kann. Wirklich. Ich wollte den ersten Teil mit Keanu Reeves wirklich mögen. Allein die Tatsache, dass ein Typ, der gerade seine Frau verloren hat, so ausrastet, weil ihm das letzte Geschenk seiner Frau (das kleine, süße Hündchen Daisy) UND auch noch sein Auto genommen werden, ist verdammt cool. Ich hatte damals ein wenig die Hoffnung, das Ganze würde werden wie Clive Owens „Shoot ‚Em Up“: wilde, total verrückte Schießereien, ein eiskalter, cooler Typ, der Leute auch mal mit Mohrrüben umbringt und fertig ist das Ganze. Es braucht ja nicht immer eine tolle, ausufernde Geschichte, es darf auch einfach nur mal Action satt sein. Aber wie gesagt, mit „John Wick“ konnte ich trotzdem nicht viel anfangen. Irgendwann fand ich diese ganze Hetzjagd merkwürdigerweise dann doch zu übertrieben. Es war wie ein cooles Video-Spiel mit tollen Choreografien, die mir auf Dauer aber ein wenig zu langweilig wurden. Aber zum Glück bin ich ja kein Maßstab, weswegen jetzt das zweite Kapitel der John-Wick-Saga ansteht.

John Wick (Keanu Reeves) ist gerade wieder zuhause angekommen, nachdem er jetzt auch noch seinen Wagen zurück erobert hat und schon wartet eine neue Überraschung auf ihn: Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio), der eine alte Schuld bei John einlösen will. Der soll für ihn seine Schwester Gianna (Claudia Gerini) umbringen, damit er, Santino, ihren Platz an der Spitze des „High Table“ (so etwas wie der Hohe Rat des organisierten Verbrechens) einnehmen kann. Widerwillig lässt sich John darauf ein und steckt mal wieder in großen Schwierigkeiten.

Neo ist jetzt doch Agent Smith

So ein alter Auftragskiller wird wohl nie seinen Ruhestand genießen können. Was ich tatsächlich ziemlich cool finde, ist dabei die Tatsache, dass „John Wick: Chapter 2“ wirklich direkt an den ersten Teil anschließt, da die letzten Ungereimtheiten beseitigt und Wick dann sofort ins nächste tödliche Abenteuer jagt. Ich warte nur noch darauf, dass er irgendwann sagt: „Ich bin zu alt für diesen Scheiß!“

Aber ich weiche vom Thema ab: Wie hat mir der zweite Teil denn nun gefallen? Und ich muss zu meiner Freude sagen, dass er mir ein bisschen besser gefallen hat als der erste. Nicht viel, aber ein bisschen. Wirklich cool fand ich, dass das John-Wick-Universum ein wenig erweitert wurde. Wir erfahren ein wenig mehr aus seiner Vergangenheit – wenn auch nur wirklich sehr, sehr wenig, aber es ist genug, um Interesse zu erwecken. Es wäre sogar genug, um ein John-Wick-Prequel zu rechtfertigen, das vielleicht sogar mal eine richtig coole Story zu bieten hätte. Was man darin dann auch erzählen könnte, wäre die Geschichte dieser neutralen Hotels. Wie schon im ersten Teil nächtigt Wick auch wieder im Continental… und das scheint eine ganze Kette zu sein, die weltweit Verbrechern Schutz und mehr bietet. Auch das ist ein interessanter Aspekt, der neugierig auf mehr macht. Gleichzeitig reicht diese Neugier aber auch schon aus, damit man (in diesem besonderen Fall: ich) mehr am Ball bleibt. Das zweite John-Wick-Kapitel füttert uns ein bisschen mehr und offenbart uns diese riesige Welt voller Assassinen und böser Menschen, die für Geld so ziemlich alles tun.

„John Wick: Chapter 2“ macht es weiterhin wie ein Video-Spiel: Nimm die Sachen aus dem ersten Teil und verbessere und vergrößere sie!“ Brav gemacht. Und der Video-Spielcharakter bleibt dann auch vor allem bei den Action-Sequenzen bestehen. Hier merkt man dann auch gleich wieder, dass Regisseur Chad Stahelski selber mal Stuntman war: die Choreografien sind der Hammer. Reeves Gun-Fu ist der Shit, wenn ich das mal so Neudeutsch formulieren darf. Die Action ist rasant und großartig inszeniert – und vor allem: ohne Wackelkamera (ja, ich schaue dich an, Resident Evil 6). Stahelski will, dass man all die coolen Moves ohne Probleme erkennt, er will zeigen, was seine Leute vor der Kamera so drauf haben und schwelgt in den brutalen Kämpfen. Auch hier übertrumpft sich Stahelski noch einmal selbst, liefert noch größere Kämpfe ab als im ersten Teil.

Doch irgendwann setzte für mich die Übersättigung ein. Nach zwei Stunden Kampfgekeuche, nach zwei Stunden perfekter Headshots, nach zwei Stunden perfekter Action ist dann auch irgendwann die Luft raus. Ich wollte einfach nicht mehr sehen, aber es geht immer noch weiter und immer noch weiter. Ich hatte das Gefühl, Stahelski will mich in Action ertränken. Er lässt kaum Atempausen. Er will uns und Keanu Reeves auf dem letzten Loch pfeifen sehen. Ganz ehrlich, ich fand’s ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach etwas anstrengend. Ein bisschen weniger wäre mehr gewesen. Man wird einfach zu sehr überschüttet mit guten Fights, das man keinen davon richtig zu würdigen weiß.

Keanu Reeves ist als Überheld, der nur in den Ruhestand möchte, hier bestens aufgehoben. Seine Gegner sind herrlich fies, während er herrlich stoisch ist. Tatsächlich sehr cool ist der Auftritt von Lawrence Fishburne, der sicherlich bald zu wilden Fan-Theorien führen wird, dass John Wick in Wirklichkeit in der Matrix spielt. Wie sonst könnte der Mann so gekonnt durch die Horden von Gegnern gehen? 😉

„John Wick: Chapter 2“ macht viel und manchmal halt ein wenig zu viel. Trotzdem ist es ein toller Action-Film geworden… sind wir mal gespannt auf Kapitel 3!

Wertung: 7 von 10 Punkten (Keanu Reeves haut mal wieder alle kaputt)

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2 Kommentare leave one →
  1. 18. Februar 2017 14:40

    Ich fand schon den ersten Teil ziemlich gelungen. Bin gespannt, wie der hier ist, aber deine etwas größere Begeisterung als dem ersten John Wick gegenüber lässt mich hoffen.

    • donpozuelo permalink*
      19. Februar 2017 21:06

      Wenn dir er erste gefallen hat, dann wird dir auch der zweite gefallen. Da bin ich mir eigentlich ziemlich sicher. Sie haben das gleiche Rezept nur noch vergrößert. Mehr, mehr, mehr… 😉 Es ist alles da, was man am ersten mögen konnte und dann noch was dazu.

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