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Hinter der Mauer

3. Februar 2017

Zhang Yimou hat so wunderbare Filme wie „Hero“, „Der Fluch der goldenen Blume“ oder „House of Flying Daggers“ gemacht (oder halt auch dieses eine Coen-Brüder-Remake, das bei ihm „A Woman, A Gun and A Noodle Shop“ hieß – ein Film, der bei uns leider ein wenig zu wenig Anerkennung gefunden hat). Zhang Yimou ist also ein Mann, der episches Kino auf die Leinwand zaubert, mit Farben, Kostümen und Massen an Darstellern begeistert. Allein die oben drei genannten Filme waren für mich Grund genug, seinem neuesten Film eine Chance zu geben: „The Great Wall“.

Darin begleiten wir den Söldner William (Matt Damon) in Kaiserreich China. Gemeinsam mit seinem spanischen Gefährten Tovar („Narcos“-Spezialist Pedro Pascal) sucht er nach Schwarzpulver. Diese Suche führt ihn jedoch an die Große Mauer, auf der Kommandantin Lin Mae (Tian Jing) mit ihren Soldaten das Kaiserreich vor etwas wahrhaft Schrecklichem beschützen. Was das ist, werden William und Tovar schnell genug lernen: Kaum angekommen greifen unheimliche Wesen die Mauer auch schon an.

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Hollywood kann sich der Macht von China nicht mehr entziehen. Zu viele große Blockbuster verdanken ihr filmisches Überleben den chinesischen Zuschauern, von denen es ja so zwei, drei mehr als bei uns gibt. Sie waren es, die schon „Pacific Rim“ den Arsch retteten, sie sind der Grund, warum in „Independence Day 2“ und Co. mehr und mehr chinesische Darsteller mitspielen (man schaue sich jüngst auch Filme wie „Rogue One“ oder „xXx 3“ an) und sie sind dann mit Sicherheit auch der Grund, warum ein Matt Damon zu diesem Film nicht „Nein“ sagen konnte. Während die Darsteller fast alle aus China stammen, wurde das Drehbuch von Amerikanern geschrieben: da hätten wir „World War Z“-Autor Max Brooks, Epen-Kenner Edward Zwick und Action-Experte Tony Gilroy (um nur ein paar zu nennen), die alle fleißig an dieser Geschichte gearbeitet haben.

Und ja, ihr merkt es vielleicht schon selbst: Wenn gefühlt ein halbes Dutzend Leute an einem Drehbuch schreiben, dann wird es etwas merkwürdig. Das ist dann leider auch bei „The Great Wall“ so. Die Story um merkwürdige Monster-Viecher, die alle 60 Jahre aus ihren Löchern kriechen, um ihre Königin zu füttern, ist wirklich nur schwer zu schlucken. Ganz zum Anfang wird uns noch in einem kurzen Text erzählt, dass es viele Legenden gibt, warum die Große Mauer gebaut worden ist. Nur ganz ehrlich, ein bisschen mehr hätte es dann ruhig sein können. Einfach nur Viecher, die dann stupide gegen die Wand rennen, ist nach gut anderthalb Stunden wenig aufregend.

Aber gut, wenn der Westen asiatische Fantasy-Geschichten erzählen will, klappt das halt nicht immer so gut (haben wir ja auch ein wenig an „47 Ronin“ gesehen). Immerhin ist mit Zhang Yimou ein großer, visueller Regisseur da, bei dem man Bombast erwarten kann. Nun ja, im Fall von „The Great Wall“ ist das relativ zu betrachten. Der meiste „Bombast“ bezieht sich auf riesige Wellen von CGI-Viechern, die nicht besonders gut aussehen. Wo man den Yimou-Faktor dann aber doch merkt, ist bei den chinesischen Soldaten: die rhythmisch besten Kriegstrommler geben einen Gänsehaut erzeugenden Beat für die Schlacht vor. Die einzelnen Truppen-Gattungen sind farblich von einander getrennt: da gibt es die Bungee-Jumping-Garde in Blau (die vielleicht merkwürdigste und dümmste Abteilung, die von der Mauer springt, um Viecher kaputt zu hauen), da gibt es Rot, Grün… alles ist da. Und sieht auch alles toll aus. Wie auch die mit Sicherheit nutzlosen, aber wunderschönen Waffen und Rüstungen, die für einen Fantasy-Film nicht besser hätten aussehen können.

Die Schlachten sind dann auch ziemlich cool anzuschauen, wenn man über die Theatralik (ich weise erneut auf die Bungee-Jumper hin), die gekonnten, aber auch etwas zu häufig eingesetzten Zeitlupen hinweg sehen. Da wird ordentlich gemetzelt und gemeuchelt. Und dann wird noch ein bisschen mehr gemeuchelt und gemetzelt. Mehr gibt’s dann an der Großen Mauer in „The Great Wall“ auch nicht zu tun.

Ein Matt Damon wirkt bei Zeiten etwas fehl am Platz und manchmal hat man das Gefühl, eine gewisse Hilflosigkeit in seinen Augen erkennen zu können. Ob das jetzt zu seiner Rolle gehört oder echt ist, darf sich jeder selbst aussuchen. Wesentlich unterhaltsamer war da schon der zum Sidekick verdonnerte Pedro Pascal, der mir wirklich gut gefallen hat.

„The Great Wall“ ist ein „nettes“ Fantasy-Spektakel. Muss man eigentlich nicht gesehen haben, aber irgendwie hat es mich dann doch ganz gut unterhalten. Zum Ende hin wird es alles noch ein bisschen verrückter, absurder und was nicht sonst alles, aber ich hatte irgendwie meinen Spaß. Und was man ja auch mal dazu sagen muss: Das 3D war tatsächlich mal wieder gutes 3D!

Wertung: 6 von 10 Punkten (nicht ganz der Bombast, den ein Yimou sonst hervorbringt, aber unterhaltsam)

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4 Kommentare leave one →
  1. 4. Februar 2017 18:31

    Puh, nur einen Punkt weniger als ich.
    Ja optisch hatte er was, bis auf diese CGI Monster, stimmt. Also ich hatte mit Damon keine Probleme. In so einem Szenario tun sich Nicht-Asiaten wohl immer schwer, obwohl Pascal war wie immer cool.
    Und: Ich mochte die 47 Ronin, so.

    • donpozuelo permalink*
      5. Februar 2017 10:34

      Ich mochte 47 Ronin auch, kenne da aber genügend Leute, die den so richtig doof fanden.

      Und ja, das mit Damon in so einem Szenario habe ich mir auch gedacht. Pascal war super.

  2. 16. Februar 2017 21:10

    Und ich habe mich beim Trailer schon gefragt: „Wars das? Monster oder was?“ Vielleicht hätten sie doch an der Masche der ersten Teaser festhalten sollen und nicht so direkt verraten müssen gegen was denn nun die Mauer gebaut wurde – dann wäre der Zuschauer vielleicht überraschter. Oder ach … ich weiß auch nicht. Zumindest war ich doch ziemlich ernüchtert als ich von dem Film gehört habe und er klingt ein bisschen nach Materialschlacht.

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2017 22:02

      So viel mehr Überraschung wäre es dann auch nicht gewesen. Die Viecher tauchen recht früh im Film auf. Aber ja… so oder so hätte es dem Film nicht soooo viel gebracht.

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