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Leb wohl, Alice!

27. Januar 2017

Vor genau 15 Jahren zog Milla Jovovich das erste Mal gegen die Untoten in den Kampf und wurde zu Alice. In regelmäßigen Abständen ließ sie ihr Mann und Regisseur Paul W.S. Anderson in weiteren „Resident Evil“-Filmen fleißig Zombies zerkloppen. Meistens auf sehr stylische Art und Weise. „Resident Evil“ ist eine Reihe mit guten und weniger guten Filmen, es ist eine Reihe, die man mag oder nicht, aber man kann ihr einen gewissen Unterhaltungswert auch nicht abstreiten. Denn immerhin gelang es Anderson eigentlich fast immer, seine Frau gut in Szene zu setzen und mit interessanten Kampf-Choreografien zu beeindrucken. Jetzt, nach 15 Jahren, soll es nun aber vorbei sein… aber ganz ehrlich, nur weil Teil 6 jetzt den Titel „Resident Evil: The Final Chapter“ trägt, heißt das noch lange nichts. Spinoffs, Prequels, Sequels, die zwischen ein paar Teilen spielen – es ist alles noch offen. Es muss noch lange nicht Schluss sein. Aber auf der anderen Seite wäre ein Schluss ganz okay, denn so wirklich viel Neues lässt sich auch nicht mehr erzählen.

„The Final Chapter“ setzt da an, wo „Retribution“ aufgehört hat: Alice (Jovovich) ist die einzige Überlebende aus Washington und bekommt eine letzte Chance, die böse Umbrella-Corporation unter der Führung von Dr. Alexander Isaacs (Ian Glen) zu besiegen und somit doch noch die verbleibenden Menschen auf der Erde zu retten. Mehr muss dazu nicht gesagt werden, der Rest erklärt sich von selbst.

Ich hätte auch so weglaufen sollen…

Bevor das alles losgeht, bekommt man noch so ein „Previously on Resident Evil“, die Werkschau der Reihe für den Fall, dass irgendjemand im Kino sitzt und nicht weiß, worum es geht. Das ist zwar ganz nett, aber auch ganz überflüssig. Aber nach drei, vier Minuten dann auch überstanden. Und dann geht es los… mit Nichts: Der ein oder andere mag sich vielleicht noch daran erinnern, dass am Ende vom letzten Teil Alice mit ihren Verbündeten auf dem Dach des Weißen Hauses stand und sich einer unglaublichen Menge an Untoten gegenüber sah. Danach war der Film vorbei, ein schöner Cliffhanger war gefunden… nur leider bekommen wir nicht die Befriedigung, die wir verdient haben. Statt uns diese epische Schlacht zu zeigen, die für ein finales Kapitel ziemlich cool gewesen wäre, lässt Anderson das einfach weg. Es wird ein paar Mal erwähnt und das war’s. Null, nada, voll die Verarschung. Das hat mich tierisch geärgert. Ich wollte diese Schlacht! Ich wollte den letzten großen Aufstand, ein Gemetzel von riesigem Ausmaß… eine Milla Jovovich mittendrin, blutverschmiert, grimmig und wild entschlossen. Das allein hätte für mich der Film sein können, aber nein… Anderson schert sich da einen Scheiß drum (oder er hebt es sich für einen Nachfolger auf, wer weiß das schon?).

Stattdessen versucht er den Bogen zu schließen und lässt Alice nach Raccoon City und den Hive zurückkehren, da wo vor 15 Jahren alles begonnen hatte. Eine nette Idee, wenn sie dann cool umgesetzt worden wäre. Stattdessen ödet uns Anderson mit einer Geschichte voller religiöser Bilder in den Schlaf. Wo dieses Bedürfnis nach Religion plötzlich herkommt, bleibt allerdings unerklärt… und selbst wenn, passt es einfach nicht in die Reihe, weil es vorher auch nie ein Thema war. Aber naja… die Story war ja noch nie so wirklich die Stärke der Reihe. Nur mit „The Final Chapter“ schießt Anderson da den Vogel endgültig ab.

Gut, denkt man sich, ich schaue ja Resident Evil nicht wegen der Story, sondern wegen cooler Action. Gibt es auch in „The Final Chapter“… sofern ihr sie erkennen könnt. Der Film hat viele sehr tolle Ideen, die Anderson leider hinter einem undurchschaubaren Wirrwarr aus Wackelkamera und extrem, extrem rasanten Schnitten versteckt. Selbst Jason Bourne wäre bei der Schnelligkeit vor Neid erblasst. Wahrscheinlich wollte Anderson damit verbergen, dass auch eine Milla Jovovich vielleicht nicht mehr die Jüngste ist, aber es sah einfach nur Scheiße aus. Nicht weil die Choreografien nicht gut ausgesehen hätten, sondern weil man in dem Schnitt-Chaos einfach nichts erkennt. Da macht er schon sein finales Kapitel und macht es so unübersichtlich wie nur möglich. Zweite Chance total verspielt.

Was ich dann doch noch ein wenig lobend erwähnen möchte, ist, dass Anderson versucht, den Horror wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. „The Final Chapter“ hat dunkle Passagen, da klappert irgendwo im Hintergrund mal was. Man kann zumindest erahnen, das hier der Versuch gemacht wird, ein Horror-Spiel zu verfilmen. So richtig will dann die Horror-Atmosphäre auch nicht aufkommen, aber das enttäuscht weniger als der Rest… von daher die halbherzige lobende Erwähnung.

„The Final Chapter“ ist kein wirklich würdiges Ende, es ist halt einfach nur ein Ende. Man hätte sich mit einem großen Knall verabschieden können; man hätte noch einmal alles aus den Leuten rausholen können. Aber wie heißt es so schön: „Hätte, hätte, Fahrrad-Kette!“. Hoffen wir einfach, dass es bei diesem Ende bleibt. Es ist schade, aber auch nicht mehr zu ändern.

Wertung: 4 von 10 Punkten (hätte er doch lieber seinen Cliffhanger aufgelöst und zum Thema gemacht)

P.S.: Das 3D ist zu vernachlässigen… und leider auch die deutsche Synchro, die mir besonders schwer aufgefallen ist. Das wirkte alles sehr lieblos und schnell mal so runtergerattert. Auch schade.

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5 Kommentare leave one →
  1. 27. Januar 2017 13:36

    War das bisher nicht immer so, dass die Filme mit einem krassen Cliffhanger geendet sind, der dann aber nicht aufgelöst wurde? Insofern scheint Anderson hier also nur konsequent zu sein…

    • donpozuelo permalink*
      27. Januar 2017 14:23

      Das schon. Nur fand ich diesen Cliffhanger tatsächlich so krass, dass ich ihn halt gerne aufgelöst gesehen hätte. Konsequent hin oder her…

  2. 27. Januar 2017 15:40

    Ich mochte die Reihe noch nie, habe trotzdem irgendwann und -wie alle gesehen :))
    Den Hype kann ich nicht verstehen, die Stories sind schon echt langweilig und Jovovich…ich bin mal mutig: sie kann kein bisschen spielen! :))
    Das Schlimmste ist jedoch die Synchro von Meret Becker. Tut mir leid, sie kann null Sprechen. Vielleicht selbst vor der Kamera, aber als Synchronisationsstimme ist sie eine Katastrophe. Milla hat vier oder fünf verschiedene Synchronstimmen, warum auch immer, bei Resident Evil leider stets die Becker.

    • donpozuelo permalink*
      27. Januar 2017 15:53

      Ich mag die Reihe schon. Sie ist nicht großartig, aber ich fand sie meistens unterhaltsam. Und ja, mehr als hübsch aussehen kann Jovovich wirklich nicht.

      Und ja, die Synchro ist mehr als nur furchtbar. Ich wusste nicht einmal, dass das Meret Becker ist. Sehr gruselig.

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  1. Ruheloser Ruhestand | Going To The Movies

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